Typ 3 Diabetes

Der Begriff Diabetes mellitus bezeichnet verschiedene Stoffwechselerkrankungen, die erhöhte Blutzuckerwerte zur Folge haben. Neben den bekannten und weitaus häufigeren Formen Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2 gibt es noch andere spezifische Diabetes-Formen, die als Folge von Erkrankungen oder anderen Ursachen entstehen können. Acht dieser Unterformen werden unter der Bezeichnung "Diabetes Typ 3" zusammengefasst. Wie viele Menschen in Deutschland von Typ 3-Diabetes betroffen sind, ist nicht bekannt.

Definition: Was ist Diabetes Typ 3?

Diabetes Typ 3 ist eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen, die sich nicht eindeutig dem Diabetes Typ 1 und 2 zuordnen lassen und als Folge genetischer Defekte, Erkrankungen, hormoneller Störungen, Infektionen oder Medikamenteneinnahme den Blutzuckerspiegel erhöhen.

Ursachen von Diabetes Typ 3

Diabetes Typ 3 ist die Folge bestimmter Erkrankungen, gesundheitlicher Probleme oder der Einnahme bestimmter Medikamente ("sekundärer Diabetes") und hat somit ganz unterschiedliche Ursachen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft klassifizieren die verschiedenen Formen des Typ 3-Diabetes anhand dieser Ursachen in folgende acht Untergruppen, die jeweils mit einem Buchstaben gekennzeichnet sind:

A: Genetische Defekte der Beta-Zellen

Die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse sind für die Produktion von Insulin zuständig. Genetische Defekte können diese Produktion stören und so Diabetes auslösen. Etwa 1 bis 2 Prozent aller Diabetiker (vor allem Kinder und Jugendliche) sind von diesen Defekten betroffen, die unter der Kurzform MODY ("Maturity Onset Diabetes of the Young") bekannt sind.

B: Genetische Defekte der Insulinwirkung

Es gibt genetische Defekte, die dazu führen, dass die Wirkung von Insulin im Körper nur sehr klein oder aufgehoben ist (Insulinresistenz). Hierzu gehören unter anderem das Insulinresistenz-Typ-A-Syndrom und der Lipatrophische Diabetes (Lawrence-Syndrom).

C: Erkrankungen oder Entfernung der Bauchspeicheldrüse

Bestimmte Krankheiten schädigen die Bauchspeicheldrüse, sodass die Beta-Zellen nicht mehr in der Lage sind, ausreichend Insulin zu produzieren. Dies ist zum Beispiel bei einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), Mukoviszidose, der Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) und Bauchspeicheldrüsenkrebs der Fall.

Ebenso kann eine Verletzung oder operative Entfernung der Bauchspeicheldrüse zu einem Insulinmangel führen. Von dieser als "pankreopriver Diabetes" bezeichneten Untergruppe sind die meisten Typ 3-Diabetiker betroffen.

D: Diabetes durch hormonelle Störungen (Endokrinopathien)

Typische hormonelle Störungen, die einen Diabetes verursachen können, sind Schilddrüsenüberfunktionen (Hyperthyreose) und Morbus Cushing. Vergleichsweise selten wird der Diabetes durch hormonproduzierende Tumore in der Bauchspeicheldrüse, dem Zwölffingerdarm oder der Nebennierenrinde verursacht.

E: Diabetes durch Medikamente oder Chemikalien

Eine dauerhafte Behandlung mit bestimmten Medikamenten kann die Entstehung von Diabetes fördern. Dies ist insbesondere bei Glukokortikoiden (und hier vor allem bei Kortison) der Fall. Die Glukokortikoide (eigentlich Stresshormone) werden häufig und mit großem Erfolg bei verschiedenen Autoimmun- und Hautkrankheiten eingesetzt, haben aber die Nebenwirkung, den Blutzucker zu erhöhen. Darüber hinaus haben neben dem Vitamin B3 (Niacin) einige der folgenden Medikamente bzw. Wirkstoffe eine diabetesfördernde Wirkung:

  • Schilddrüsenhormone
  • Entwässerungsmittel (Thiazide)
  • Sympathomimetika (Alpha- und Beta-adrenerge Agonisten)
  • Pentamidin (Arzneimittel zur Behandlung von parasitären Infektionskrankheiten)
  • Phenytoin (Arzneimittel zur Behandlung von Epilepsie und Herzrhythmusstörungen)
  • Interferon-Alpha (Arzneimittel zur Behandlung von Krebs, Hepatitis oder Multipler Sklerose)

F: Virusinfektionen

Manche Virusinfektionen begünstigen die Entstehung von Diabetes. Dazu gehören kongenitale Röteln (werden während der Schwangerschaft von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen), Coxsackie-Viren und der Cytomegalievirus (CMV, Humanes Herpes Virus 5).

G: ungewöhnliche Formen des immunvermittelten Diabetes

Erkrankungen, bei denen das Immunsystem falsch gesteuert wird, produzieren Antikörper, die eine große Bedeutung bei der Entwicklung von Diabetes haben. Hierbei handelt es sich unter anderem um Insulin-Antikörper, das Stiff Man-Syndrom und das Anti-Insulin-Rezeptor-Antikörper-Syndrom.

H: andere, mit Diabetes assoziierte, genetische Syndrome

Genetische Syndrome, die als begünstigend für die Entwicklung von Diabetes gelten, sind:

  • Chorea Huntington
  • Dystrophia myotonica
  • Friedreich-Ataxie
  • Klinefelter-Syndrom
  • Porphyrie
  • Prader-Willi-Syndrom
  • Trisomie 21
  • (Ullrich-)Turner-Syndrom
  • Wolfram-Syndrom

Symptome von Typ-3-Diabetes

Es dauert oft einige Monate, bis ein so großer Anteil der insulinproduzierenden Beta-Zellen zerstört ist, dass der Körper den daraus resultierenden Insulinmangel nicht mehr ausgleichen kann. Erst dann treten die ersten Symptome auf, die nicht unbedingt als solche erkannt werden müssen, vor allem, wenn der Patient an einer chronischen Vorerkrankung mit speziellen Symptomen leidet. Typische Diabetes-Symptome sind:

  • starker Durst mit ausgeprägtem Trinkverhalten, starkem Harndrang und häufigem Wasserlassen
  • Gefühl der Schwäche, Müdigkeit und Leistungsminderung
  • Gewichtsverlust
  • Acetongeruch in Atemluft und Urin
  • Wadenkrämpfe
  • Juckreiz
  • Sehstörungen (aufgrund starker Blutzuckerschwankungen)

Wie ausgeprägt die Symptome sind, hängt davon ab, welches Ausmaß der Insulinmangel hat und welche und wie starke Stoffwechselveränderungen sich daraus bereits ergeben haben.

Diagnose von Diabetes mellitus Typ 3

Die Diagnose von Diabetes Typ 3 wird gestellt, wenn der Blutzucker eines Patienten im nüchternen Zustand auffällig hoch ist und der HbA1c-Wert ("Langzeitblutzucker") auf einen mittel- bzw. langfristig zu hohen Blutzuckerspiegel hindeutet. Alternativ kann ein oraler Glukose-Toleranz-Test durchgeführt werden. Bei entsprechend hohen Blutzuckerwerten gilt die Diagnose Diabetes als bestätigt. Noch ist allerdings unklar, um welchen Diabetes-Typ es sich handelt. Dies gilt es mithilfe weiterer Untersuchungen, wie zum Beispiel einer Chromosomen- oder Gen-Analyse, herauszufinden.

Da Diabetes Typ 3 vergleichsweise selten auftritt, wird die Krankheit oft erst sehr spät - und manchmal nach einer zunächst falschen Typ 1 oder 2 Diagnose - diagnostiziert. Dabei ist eine frühe Diagnose hier wie bei allen Diabetes-Formen sehr wichtig, um möglichst schnell mit der Therapie zu beginnen und akute gesundheitliche Probleme sowie Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Therapie von Diabetes Typ 3

Wie bei allen Diabetes-Typen gilt es ebenso bei Diabetes Typ 3, die Blutzuckerwerte zu normalisieren und stabilisieren. Da es sich bei diesem Diabetes um die Folge einer anderen Grunderkrankung handelt, muss diese behandelt oder auslösende Medikamente abgesetzt werden. Darüber hinaus empfiehlt sich in vielen Fällen eine Ernährungsumstellung in Kombination mit der Anwendung oraler Antidiabetika oder - falls erforderlich - das Spritzen von Insulin.

Als hilfreich hat sich in diesem Zusammenhang stets eine Diabetesschulung erwiesen, in der die Patienten wichtige Informationen zu ihrer Grunderkrankung, der Diabetes-Erkrankung, ihrer individuellen Therapie und den Einfluss von Ernährung und Bewegung erhalten.

Welche Behandlungsmethode am besten geeignet ist, hängt von dem Patienten und den Erkrankungsursachen ab. Ziel ist es immer, erstens akute Probleme wie eine Unterzuckerung zu vermeiden und zweitens mittel- und langfristig Folgeerkrankungen zu verhindern, die durch Diabetes verursacht werden können. Gelingt die Einstellung und Stabilisierung des Blutzuckers, können Patienten mit Diabetes Typ 3 unter Fortführung der Therapie in der Regel ein beschwerdefreies Leben führen.


Quellen:

  1. Diabetes mellitus Typ 3. Offene Akademie & Patienten Bibliothek GmbH. URL: patienten-bibliothek.de
  2. Eine Typfrage. Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH. URL: pharmazeutische-zeitung.de
  3. Seltene Formen – Typ 3 Diabetes. Helmholth Zentrum München. URL: diabetesinformationsdienst-muenchen.de
  4. Type 3 Diabetes. Diabetes Digital Media Ltd. URL: diabetes.co.uk

Aktualisiert am: 07.03.2017

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