Truvada

Die Anzahl von HIV-Infektionen nimmt weltweit zu. In Deutschland sind derzeit etwa 80.000 Menschen mit dem Humanen Immundefizienz-Virus infiziert. Safer Sex gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei der Prävention. Zusätzlich besteht mittlerweile die Möglichkeit, einer Infektion medikamentös vorzubeugen.

Das erste zugelassene Medikament zur HIV-Prophylaxe kam unter dem Namen Truvada auf den Markt. Die PrEP mit Truvada beruht auf der antiretroviralen Fixkombination aus den Wirkstoffen Emtricitabin und Tenofovir, die eine Ansteckeung mit dem HI-Virus verhindern.

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Was ist Truvada und wofür wird es angewendet?

Truvada ist ein Arzneimittel der Firma Gilead. Es handelt sich um ein Kombinationspräparat aus Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil.

In den Vereinigten Staaten von Amerika ist Truvada bereits seit 2012 für die Präexpositionsprophylaxe (PreP) zugelassen. Weitere Länder, in denen Truvada auf dem Markt ist, sind Frankreich, Israel, Australien, Kanada, Kenia und Südafrika.

Die PrEP mit Truvada ist für Personen gedacht, die einem hohen Risiko bezüglich einer HIV-Infektion ausgesetzt sind. Dazu zählen homosexuelle Männer, Transsexuelle sowie heterosexuelle Paare, in denen einer der Partner HIV-positiv und der andere HIV-negativ ist.

Des Weiteren besteht bei Drogenabhängigen, die intravenös Drogen spritzen und die Infusionsnadel mit anderen teilen, ein erhöhtes Risiko für eine HIV-Infektion.

Die Kosten für die PrEP mit Truvada werden nicht von den Krankenkassen erstattet, sondern müssen vom Patienten selbst bezahlt werden. Der Preis beläuft sich auf etwa 830 Euro pro Monat. Die deutsche AIDS-Hilfe unterstützt jedoch Projekte, die die Präparate bezahlbarer machen und Risikopatienten so besseren Zugang zur PrEP verschaffen.

Wie wirkt Truvada?

Das Kombinationspräparat Truvada reduziert die Vermehrung von Viren des Typs HIV-1. Damit wird nicht verhindert, dass einzelne Körperzellen von Viren befallen werden, eine weitere Ausbreitung des Virus wird jedoch gestoppt, sodass der Anwender HIV-negativ bleibt.

Die aktiven Wirkstoffe

Emtricitabin ist ein nukleosidischer reverse Transkriptase-Inhibitor (NRTI). Dabei handelt es sich um einen Stoff, der als falscher DNA-Baustein ein wichtiges Enzym des HI-Virus blockiert. Tenofovir ist ein Nukleotidanalogon (NtRTI), das sowohl gegen HIV-1 als auch das Hepatitis B Virus wirkt.

Strukturformel-Emtricitabin-&-Tenovirdisoproxil

Die Vorstufe des aktiven Wirkstoffs ähnelt Adenosinmonophosphat (AMP), das ebenfalls einen Baustein der DNA darstellt. Nach dem Anhängen eines Phosphat-Restes (Phosphorylierung) blockiert Tenofovir die reverse Transkriptase des HI-Virus beziehungsweise die DNA-Polymerase des Hepatitis B Virus.

Was bei der Einnahme beachtet werden muss

Während der Behandlung muss mindestens alle drei Monate ein HIV-Test durchgeführt werden. Bei einer Serokonversion, das heißt einer Infektion mit HIV, muss Truvada sofort abgesetzt werden, um das Ausbilden von Resistenzen zu verhindern.

Aufgrund möglicher Nebenwirkungen müssen jährlich die Nierenwerte kontrolliert werden.

Da Truvada auch gegen eine Hepatitis B wirkt, muss zuvor der Hepatitis B Status ermittelt werden. Truvada schützt nicht vor einer Infektion, weshalb gegebenenfalls eine Impfung durchzuführen ist. Besteht eine Hepatitis B, kann diese nach Absetzen von Truvada erneut aufflammen und schwere Leberschäden verursachen.

Der Schutz ist davon abhängig, wie regelmäßig Truvada eingenommen wird. Die vorgesehene Einnahme besteht aus einmal täglich je einer Tablette. Trotz der Einnahme der PrEP sollte weiterhin Safer Sex praktiziert werden, um einen maximalen Schutz zu erreichen.

Medizinische Studien

Aus verschiedenen Studien kann geschlussfolgert werden, dass die Wirksamkeit von Truvada ganz entscheidend von der korrekten Einnahme des Medikaments abhängig ist:

Homo- & bisexuelle Männer & Transgender

Die derzeit aussagekräftigsten Studien fanden an homo- und bisexuellen Männern sowie Transgender-Frauen statt.

Beispielsweise rekrutierte die iPrEx-Studie knapp 2500 Teilnehmer aus sechs Ländern. Die Teilnehmer wurden dazu angehalten, Truvada mit Safer Sex zu kombinieren.

Das Risiko für eine HIV-Infektion sank durch Truvada um 42 Prozent. Hätten die Teilnehmer das Medikament wie vorgeschrieben regelmäßig eingenommen, wäre ein Schutz von 92 Prozent möglich gewesen.

Heterosexuelle Partner

Die Partners PrEP Studie in Kenia und Uganda wurde an heterosexuellen Paaren durchgeführt, bei denen ein Partner HIV-positiv und der andere HIV-negativ war. In der Studie wurde Truvada gegen Viread (enthält nur Tenofovir) und gegen ein Placebo getestet.

Etwa 4500 Heterosexuelle nahmen an der Studie teil. Die ermittelte Risikoreduktion betrug 75 Prozent, wobei bei korrekter Einnahme Werte über 90 Prozent möglich gewesen wären.

Eine kleinere Studie in Botswana, die TDF2, untersuchte die Wirkung von Truvada im Vergleich zu einem Placebo ebenfalls bei etwa 1200 Heterosexuellen und konnte feststellen, dass das Risiko um 62 Prozent reduziert wurde.

Fem-PrEP

Die Fem-PrEP Studie wurde an 2100 Frauen aus Südafrika, Kenia und Tansania durchgeführt. Allerdings wurde Fem-PrEP sehr schnell abgebrochen, weil kein Unterschied zwischen der Gruppe, die Truvada erhielt, und der Gruppe, die ein Placebo erhielt, festgestellt werden konnte. Ursache der "Wirkungslosigkeit" war, dass die Frauen das Medikament nicht eingenommen hatten.

Dasselbe Szenario bot sich bei der VOICE Studie (Vaginal and Oral Interventions to Control the Epidemic): Auch im Rahmen dieser Studie wurden Frauen, diesmal aus Südafrika, Uganda und Simbabwe, untersucht, die entweder ein Vaginalgel mit Tenofovir oder Placebo oder eine Tablette Tenofovir oder eine Tablette Truvada oder ein orales Placebo anwenden sollten. Wiederum zeigte sich aufgrund mangelnder oder nicht korrekter Anwendung keine Wirkung.

Intravenöse Infektion

Die Bangkok Tenofovir Studie untersuchte 2400 Teilnehmer, die intravenösen Drogen-Missbrauch betrieben. Das Risiko einer HIV-Infektion reduzierte sich durchschnittlich um 49 Prozent. Wurde die Einnahme beaufsichtigt, verminderte sich das Risiko sogar um 74 Prozent.

Was sind die Neben- und Wechselwirkungen von Truvada?

Da es sich bei Truvada um ein Kombinationspräparat handelt, ist mit den Neben- und Wechselwirkungen beider Wirkstoffe zu rechnen.

Nebenwirkungen

Sehr häufig treten Hautausschlag, Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Schwäche sowie Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen auf. Der Phosphatspiegel im Blut kann abfallen und die Konzentration der Kreatinkinase (CK) ansteigen.

Häufig treten auch andere Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl und Blähungen auf.

Da Truvada das Knochenmark hemmt, kann der Anteil der neutrophilen Granulozyten (Population der weißen Blutkörperchen) sinken. Die Veränderung diverser Blutwerte ist möglich: erhöhter Blutzuckerspiegel und erhöhte Triglyzeride (Dreifachfette), erhöhte Enzymwerte (AST, ALT, Amylase, Lipase) sowie erhöhte Bilirubin-Werte.

Berichtet wird außerdem von allergischen Reaktionen und Nesselsucht sowie Schlaflosigkeit, Schmerzen und einer Dunkelfärbung der Haut.

Unter gelegentliche Nebenwirkungen fallen Blutarmut, Hypokaliämie (zu wenig Kalium im Blut), Muskelzerfall und Muskelschwäche, Anstieg der Kreatinin-Werte im Blut, Gesichtsschwellung (Angioödem), Bauchspeicheldrüsenentzündung und eine Proteinurie (Eiweiß im Urin).

Wann sollte aufgrund von Nebenwirkungen ein Arzt aufgesucht werden?

Selten treten gefährliche Nebenwirkungen wie Laktatazidose, Fettleber, Leberentzündung (Hepatitis), Störungen des Knochenstoffwechsels, Muskelerkrankungen sowie Nierenprobleme wie akutes und chronisches Nierenversagen, Fanconi-Syndrom, Nierenentzünung sowie Diabetes insipidus renalis (nierenbedingter unstillbarer Durst mit überhäufigem Wasserlassen) auf.

Warnzeichen für die seltene, aber gefährliche Laktatazidose (Übersäuerung des Körpers durch vermehrt anfallendes Laktat) sind anhaltende Schwäche, Muskelschmerzen, Luftnot, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen in Kombination mit kalten und blauen Händen und Füßen, Schwindel und Herzrasen.

Hinweise auf ernsthafte Leberprobleme sind Gelbsucht (gelbe Verfärbung des Augenweiß und der Haut), dunkler Urin, entfärbte Stühle, über mehrere Tage andauernder Appetitverlust, Schwindel und Oberbauchschmerzen.

Störungen des Knochenstoffwechsels äußern sich als Knochenschmerzen und Anfälligkeit für Knochenbrüche.

Bei schweren allergischen Reaktionen sollte ein Arzt aufgesucht oder - in Abhängigkeit des Schweregrads der Reaktion - der Notarzt gerufen werden.

Wechselwirkungen

Truvada darf nicht zusammen mit ähnlich wirkenden Substanzen, beispielsweise Cytidin-Analoga wie Lamivudin, die dem Emtricitabin sehr ähnlich sind, eingenommen werden.

Außerdem sollten keine Kombinationspräparate eingenommen werden, die einen der in Truvada enthaltenen Wirkstoffe beinhalten.

Gegen den Wirkstoff Adefovir sind bereits resistente Viren bekannt, weshalb Adefovir nicht mit Truvada eingenommen werden sollte.

Bei der gleichzeitigen Anwendung von Didanosin werden die Nebenwirkungen von Didanosin verstärkt.

Cidofovir beeinträchtigt die Ausscheidung von Truvada mit dem Urin.

Grundsätzlich sollte Truvada nicht mit nierenschädlichen Substanzen kombiniert werden. Dazu zählen Antibiotika (Aminoglykoside, Amphotericin B, Vancomycin), Foscarnet, Ganciclovir, Cidofovir und das Amöben-Medikament Pentamidin sowie Interleukin-2. In der Kombination mit Truvada wäre die nierenschädigende Wirkung deutlich verstärkt!

Bevor Truvada eingenommen werden kann, sollte der Patient dem behandelnden Arzt alle bestehenden Krankheiten und eingenommen Medikamente mitteilen. Darunter fallen auch Medikamente, die rezeptfrei erworben werden können!

Wann darf Truvada nicht eingenommen werden?

Die Einnahme von Truvada verbietet sich bei bereits HIV-Positiven Menschen, Kindern unter 18 Jahren und bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Wirk- oder Inhaltsstoffe.

Ebenfalls besteht während der Anwendung die Notwendigkeit regelmäßiger Kontrollen wie der Kontrolle der Nierenwerte einmal im Jahr und die Durchführung eines HIV-Tests alle drei Monate.

Truvada enthält Laktose und kann bei Laktoseintoleranz zu Verdauungsbeschwerden führen.

Schwere Nierenerkrankungen oder eine Dialyse-Pflicht sind eindeutige Gegenanzeigen zur Anwendung von Truvada.

Werden bereits bestimmte Medikamente gegen Hepatitis B oder Hepatitis C eingenommen, kann dies eine Gegenanzeige zur Einnahme von Truvada darstellen.

Aufgrund möglicher Nebenwirkungen wie Schwindel sollte zunächst auf das Führen eines Fahrzeugs und das Bedienen schwerer Maschinen verzichtet werden, bis vorhersehbar ist, welche Nebenwirkungen sich beim Anwender einstellen. Dann können gegebenenfalls wieder Auto gefahren und Maschinen bedient werden.

PreP in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft muss die Anwendung von Truvada gut abgewogen werden, da das Arzneimittel dem ungeborenen Kind schaden könnte. Gleiches gilt für Frauen in der Stillzeit.

Zu beachten ist allerdings, dass das HI-Virus auch vertikal, also von der Mutter auf das Kind während der Geburt oder durch das Stillen, übertragen werden kann.

Quellen:

Zuletzt aktualisiert: 16.10.2017

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