Behandlung bei Haarausfall

Es gibt verschiedene Arten von Haarausfall, die jeweils andere Ursachen haben. Nicht jeder Haarausfall ist behandlungsbedürftig. Bei manchen Patienten kann sich die Problematik von selbst lösen, wenn die kahlen Stellen nach einiger Zeit wieder zuwachsen. Doch wenn der Haarausfall über einen längeren Zeitraum hinweg über das normale Ausmaß (etwa 100 Haare täglich) hinausgeht, sprechen Mediziner von krankhaftem Haarausfall, der behandelt werden kann. Hierzu stehen verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung.

Welche Behandlungsmethoden gibt es bei Haarausfall?

Grundsätzlich sind zwei Gruppen von Behandlungen zu unterscheiden: die äußere (topische, lokale) Behandlung und die innere (systemische) Behandlung. Letztere meint in erster Linie die medikamentöse Behandlung, die eine der verbreitetsten Behandlungsmethoden bei Haarausfall darstellt. Manchmal wird eine Behandlung mit UV-Licht durchgeführt. Einige Patienten probieren alternative Behandlungsmöglichkeiten aus oder lassen eine Haartransplantation vornehmen. Alternativ kann der Haarausfall durch kosmetische Maßnahmen oder Perücken kaschiert werden.

Medikamentöse Behandlung von Haarausfall

Im Rahmen der medikamentösen Behandlung von Haarausfall können rezeptfreie Präparate sowie verschreibungspflichtige Arzneimittel zum Einsatz kommen. Es gibt Mittel zur äußeren Anwendung, die beispielsweise in Form einer Tinktur oder eines Schaums auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. Davon zu unterscheiden sind Wirkstoffe, die in Tablettenform einzunehmen sind.

Rezeptfreie Präparate können Haarausfall reduzieren

Ein seit Kurzem beobachtbarer, schwach ausgeprägter Haarausfall kann auf einen Zinkmangel hindeuten. Die längerfristige Einnahme von Zink (in Tablettenform) könnte das Problem beheben, hierbei sind keine Nebenwirkungen zu erwarten. Allerdings ist die Wirksamkeit von Zink individuell verschieden und wissenschaftlichen Studien zufolge eher selten zu beobachten.

Ein weiterer rezeptfreier Wirkstoff ist Minoxidil, der ursprünglich als Blutdrucksenker entwickelt wurde, inzwischen aber ebenfalls gegen Haarausfall eingesetzt wird. Es wird angenommen, dass Minoxidil die Gefäße, die für die Versorgung der Haarwurzeln verantwortlich sind, besser durchblutet und so neuen Haarwuchs anregt und Haarausfall verlangsamt. Die Details des Wirkmechanismus sind bislang jedoch nicht bekannt. Bei dieser Behandlung ist Geduld gefragt, denn die ersten Erfolge zeichnen sich frühestens nach 4 bis 6 Monaten ab. Eine Unterbrechung in der Behandlung kann zu erneutem Haarausfall führen.

Bei hormonbedingtem Haarausfall (androgene Alopezie) kommt der Wirkstoff Alfatradiol zum Einsatz, der - äußerlich verabreicht - den Haarausfall reduzieren und das Haarwachstum fördern soll. Er eignet sich für Männer mit hormonell-erblichem Haarausfall.

Einen regulierenden Effekt auf das Immunsystem und damit einen positiven Effekt auf das Haarwachstum sollen Thymuspeptide haben. Gesicherte wissenschaftliche Belege für diese Wirkung gibt es allerdings bislang nicht. Thymuspeptide werden in Shampoos und Lotionen sowie in Tablettenform angeboten.

Verschreibungspflichtige Arzneimittel verlangsamen den Haarverlust

Für Männer mit androgenetisch bedingtem Haarausfall gibt es das Medikament Propecia, dessen Wirkstoff den männlichen Hormonhaushalt beeinflusst. Dadurch verlangsamt (oder verhindert) das Mittel den Haarverlust und die verbleibenden Haare können dichter nachwachsen. Bis eine sichtbare Wirkung eintritt, vergehen einige Monate. In dieser Zeit muss die Behandlung konsequent fortgesetzt werden, da bei einer Unterbrechung erneuter Haarausfall einsetzen kann. Finasterid kann unerwünschte Nebenwirkungen wie Libidoverlust hervorrufen.

Alternativ gibt es verschreibungspflichtige Arzneimittel wie kortikoidhaltige Lösungen oder Cremes, die lokal auf die betroffenen Stellen aufzutragen sind. Solche Mittel enthalten zum Beispiel die Wirkstoffe Amcinoid, Betamethason, Clobetasol-Propionat oder Mometason. Diese sollen die Entzündung am Haarfollikel hemmen, die durch das eigene Immunsystem ausgelöst worden sein soll. Theoretisch ist eine Behandlungsdauer von bis zu 3 Monaten möglich, es ist jedoch mit teilweise starken Nebenwirkungen zu rechnen, deshalb erstreckt sich eine Behandlung mit Kortikoiden meist nur über 4 oder maximal 8 Wochen.

Zwar nicht für die Behandlung von kreisrundem Haarausfall zugelassen, aber dennoch sehr effektiv ist die Behandlung mit Diphenylcyclopropenon (DCP). Dieser Wirkstoff kommt zum Einsatz, wenn andere Behandlungsversuche erfolglos geblieben sind. Die Behandlung beginnt mit einer Sensibilisierung der betroffenen Kopfstellen, die daraufhin über einen längeren Zeitraum mehrmals mit dem Wirkstoff behandelt werden.

So wird ein allergisches Kontaktekzem ausgelöst, das eine Abwehrreaktion des Körpers hervorruft. Die Abwehrstoffe des Körpers, die für den Haarausfall verantwortlich sind, werden von diesem sozusagen abgelenkt, sodass das Haarwachstum nicht mehr behindert wird. Voraussetzung für eine sichere und erfolgreiche Anwendung ist, dass der behandelnde Arzt speziell geschult und mit der Behandlung vertraut ist. Dies ist nur in wenigen Kliniken und spezialisierten Zentren in Deutschland der Fall.

UV-Bestrahlung soll die Durchblutung der Kopfhaut anregen

Bei kreisrundem Haarausfall wird manchmal eine Behandlung mit UV-Licht durchgeführt. Die sogenannte PUVA-Therapie kombiniert ein Medikament (Psoralen), das die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöht, mit der Bestrahlung der Haut mit ultraviolettem Licht einer bestimmten Wellenlänge. Dadurch soll die Durchblutung der Kopfhaut angeregt werden und das Nährstoffangebot an die Haarwurzeln verbessert werden. Über die Wirksamkeit dieser Methode gehen die Meinungen weit auseinander. Eine langfristige Anwendung erhöht das Hautkrebsrisiko, deshalb ist diese Behandlung inzwischen relativ selten.

Haartransplantation – die dauerhaft wirksame Maßnahme

Wenn bei einem androgenetisch bedingten Haarausfall keine der genannten Behandlungen zum Erfolg geführt hat, besteht die Möglichkeit einer - meist ambulant durchgeführten - Eigenhaartransplantation (Haarverpflanzung). Hierbei entnimmt der Arzt vom örtlich betäubten Hinterkopf des Patienten einen schmalen Streifen Haut mit Haaren.

Diese werden einschließlich ihrer Haarwurzel aus der Haut entfernt und an eine andere, vom Haarausfall betroffene Stelle auf der Kopfhaut eingesetzt. In der letzten Zeit wird die sogenannte FUE-Methode ("Follicle Unit Extraction") immer beliebter. Bei dieser minimal-invasiven Methode verpflanzt der Arzt gleich einzelne Haarwurzelgrüppchen ("Follikel-Units"). Ein sichtbarer Erfolg kann ebenfalls mehrere Monate dauern und ist nicht bei allen Patienten gleich groß.

Kosmetische Methoden, um den Haarausfall zu kaschieren

Patienten, die eine medikamentöse Behandlung jeglicher Art ablehnen, sich aber dennoch mit ihrem Haarausfall unwohl fühlen, haben die Möglichkeit, diesen zu kaschieren. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen. Manche betroffenen Männer setzen Perücken auf, um große kahle Stellen zu verdecken, bei anderen hilft schon ein passender Haarschnitt, damit die lichten Stellen nicht auffallen.

Andere Patienten entscheiden sich dafür, ihren Kopf ganz zu rasieren. Ob schütteres Haar, Teil- oder Vollglatze - eine weitere Möglichkeit ist das sogenannte Scalp Tattoo. Hierbei werden feine Punkte auf die Kopfhaut tätowiert, sodass der optische Eindruck entsteht, voll(er)es Haar zu haben.

Wer lieber einen Haarersatz möchte, hat eine große Auswahl an verschiedenen Perücken und Toupets in allen Farbtönen und Frisuren. Je nach Modell lassen sie sich vorübergehend oder dauerhaft befestigen und müssen selbst im Schwimmbad nicht abgenommen werden. Manche Patienten bekommen einen Teil der Kosten von ihrer Krankenkasse erstattet.

Alternative Behandlungmöglichkeiten

Bei dem sogenannten diffusen Haarausfall kommt es zu einem generellen Ausdünnen der Haare auf dem gesamten Kopf. Oft wird diese Art des Haarausfalls durch Stress ausgelöst oder ist eine unerwünschte Nebenwirkung von Medikamenten. Eine Umstellung der Medikation oder eine Anpassung des Lebensstils mit einer konsequenten Verringerung von beruflichem und/oder privatem Stress hilft bei dieser Form des Haarausfalls. In den meisten Fällen wachsen die Haare nach einigen Wochen oder Monaten wieder.

Im Handel finden sich darüber hinaus verschiedene Nahrungsergänzungsmittel, die Haarausfall stoppen und/oder das Haarwachstum fördern sollen. Einen klinischen Beleg für die Wirksamkeit dieser Mittel gibt es allerdings bislang noch nicht. Das gilt ebenso für die Shampoos gegen Haarausfall, die im Handel angeboten werden.

Eher geringe Erfolgsaussichten (und keine wissenschaftlichen Belege zur Wirksamkeit) gibt es bei der sogenannten Mesotherapie, die von einigen Ärzten und Heilpraktikern angeboten wird. Bei dieser Behandlung injiziert der behandelnde Arzt / Heilpraktiker direkt in die Kopfhaut eine spezielle Wirkstoffkombination, die den Haarwuchs anregen soll. Ebenfalls ohne nachgewiesene Wirksamkeit ist eine Laserbehandlung, die in Form einer Lasertherapie oder eines Laserkamms angeboten wird. Neben der mangelnden Wirksamkeit ist der hohe Preis ein weiterer Kritikpunkt an sämtlichen Formen der Laserbehandlung.

Welche Behandlungsmethode ist am effektivsten?

Welche Behandlungsmethode am effektivsten sind, ist nicht einfach zu beantworten. Die meisten, hier genannten Behandlungsmethoden streben eine komplette Wiederbehaarung an, heilen aber nicht ursächlich die zugrunde liegende Erkrankung. Deshalb kann eine Behandlung, die bei einem Patienten hilft, bei dem anderen völlig wirkungslos sein.

Wichtig ist, den Auslöser für den Haarausfall zu finden und dann eine passende Behandlung zu finden. Je früher diese beginnt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, ein erneutes Haarwachstum anzuregen und den Haarausfall langfristig zu stoppen. Hierfür ist in der Regel jedoch eine kontinuierliche Anwendung erforderlich. Eine Unterbrechung der Behandlung führt meistens zu einem erneuten Haarausfall. Als besonders effektiv für die Behandlung des kreisrunden Haarausfalls gilt aktuell die Immuntherapie mit DCP. Ihre Wirksamkeit wurde in mehreren Studien bestätigt.

Quellen:

Aktualisiert am: 27.01.2017

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