Diabetes bei Kindern

Ungefähr 30.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind in Deutschland von Diabetes Typ 1 betroffen. Als eine der häufigsten Stoffwechselerkrankungen im Kindesalter präsentiert sich die Erkrankung mit zunehmender Tendenz an Neuerkrankungen.

Die Diagnose Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) bedeutet durch den chronischen Verlauf einen massiven Eingriff in das Leben des Kindes und seiner Familie. Ein wichtiger Grund, warum zusätzlich zur medizinischen Therapie die psychosoziale Betreuung von Kindern und Eltern einen immer höheren Stellenwert erhält.

Die verschiedenen Formen von Diabetes bei Kindern

Die häufigste Diabetes-Form des Kinder- und Jugendalters ist der Typ 1 mit einer jährlichen Steigerungsrate von drei bis fünf Prozent. Mehr als 90 % aller Erkrankungen im Alter von 0 - 25 Jahren werden als Typ 1 diagnostiziert. Eine steigende Tendenz, wenn aktuell auch noch eher selten diagnostiziert, weist der im Kindesalter eher unübliche Typ 2 auf.

Diabetes Typen

Weitere sehr seltene Formen im Kindesalter sind der MODY-Diabetes, der auf einer Mutation der Glukosestoffwechsel-Gene beruht. Immer wieder zeigt sich die Stoffwechselstörung als Begleiterkrankung einer bestehenden Grunderkrankung wie der cystischen Fibrose.

Ursachen für Diabetes im Kindes- und Jugendalter

Diabetes Typ 1 ist eine angeborene Autoimmunerkrankung mit chronischem Verlauf, wobei sich das Erkrankungsrisiko um das Dreifache erhöht, wenn der Kindesvater Diabetiker ist. Ist die Mutter Diabetikerin, reduziert sich dieses Risiko.

Die Ursache des immer häufiger diagnostizierten Diabetes Typ 2 sind

  • falsche Ernährung,
  • Bewegungsmangel und
  • daraus resultierendes Übergewicht.

Frühzeitig diagnostiziert reicht bei dieser Form häufig eine Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, um die natürliche Insulinzufuhr zu stabilisieren.

Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar

Die Erkrankung an sich beginnt mit der Zerstörung der Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse durch spezielle Antikörper. Diese Beta-Zellen sind für die Produktion von Insulin verantwortlich. Durch ihre Zerstörung sinkt die Insulinproduktion kontinuierlich und es entsteht ein Insulinmangel, wodurch der Organismus nicht mehr in der Lage ist, den über das Blut zugeführten Zucker in Glukose und wichtige Energie für die Zellen umzuwandeln.

Dies stört die gesamte Energieversorgung im Körper, wodurch es im Gehirn und in den Fett- und Muskelzellen zum Glukosemangel mit zum Teil drastischen Symptomen kommt, die unbehandelt zum Tod führen können. Messbar ist die Stoffwechselstörung durch den zu hohen Blutzuckerspiegel.

Typische Symptome für Diabetes

Bereits beim Auftreten erster möglicher Symptome eines Diabetes sollte ein Arzt aufgesucht werden. Übermäßiger Durst und gesteigerter Harndrang, der vor allem bei kleineren Kindern zum nächtlichen Einnässen führt, zählen zu den typischen Anzeigen. Der starke Durst definiert sich durch das Trinken von mehreren Litern Flüssigkeit täglich.

Weitere Anzeichen für einen eventuellen Diabetes sind

  • unerklärliche starke Müdigkeit einhergehend mit Gereiztheit,
  • Juckreiz ohne sichtbare Ursachen,
  • erhöhte Infektionsanfälligkeit,
  • Gewichtsverlust,
  • geringe Konzentrationsfähigkeit und die
  • körperliche Leistungsfähigkeit sinkt.

Diabetes Typ 2 äußert sich durch die gleichen Symptome.

Therapie bei Typ-1-Diabetes

Die einzig mögliche Therapie ist die Gabe von Insulin, da die für die Insulinproduktion nötigen Zellen durch die Immunreaktion zerstört wurden. Dies muss unmittelbar nach der Diagnosestellung erfolgen, um schwere gesundheitliche Schäden zu verhindern.

Normalerweise wird Insulin unter die Haut des Oberschenkels oder des Bauches gespritzt. Das fühlt sich anfangs unangenehm an und viele Kinder haben anfänglich Angst vor der Nadel. Aber auch das wird mit der Zeit zur gezwungenen Gewohnheit.

Wie häufig gespritzt werden muss hängt von der nötigen Insulin-Dosierung ab. Bei Kleinkindern kann die Ernährung gut kontrolliert und auf die Behandlung optimiert werden und es reicht meistens bereits eine Spritze am Morgen. Größere Kinder und Jugendliche bewegen sich mehr und es kann meistens nicht genau kontrolliert werden was gegessen wird.

Daher wird meist zu einer intensiven Therapie zurückgegriffen und es sind vier bis fünf Dosierungen am Tag notwendig. Der Vorteil von einer solchen intensiven Therapie ist, dass Kinder auch mal was "verbotenes" essen können ohne dass der Blutzucker gefährlich fällt.

Eine Vielzahl verschiedener Insulinarten und Verabreichungswege ermöglichen eine individuelle Anpassung an die persönliche Situation des Patienten.

Unmittelbar nach der Diagnose muss ein erfahrenes und auf Kinder spezialisiertes Diabetes-Team hinzugezogen werden, das im Idealfall den Patienten bis zum Übergang ins Erwachsenenalter betreut.

Genauso wichtig wie die Verabreichung von Insulin ist die Schulung von Kindern, Eltern und allen Betreuungspersonen im Rahmen ausführlicher Diabetikerschulungen. Denn die Zukunft verlangt von Patienten und Eltern ein ausreichend hohes Wissen zum Thema und praktische Fertigkeiten.

Ernährung und Diabetes

Zusätzlich zur Insulintherapie sollte bei Diabetes auf die Nahrung geachtet werden um den Blutzuckerspiegel nicht unnötig zu belasten. Die Nahrung sollte reich an Ballaststoffen und langsam verdaulichen Kohlenhydraten sein. Vermieden werden sollten tierische Fette und direkt aufgenommener Zucker. Bei einer Diagnose von Diabetes ist zumeist eine Nahrungsumstellung notwendig.

Sport und Diabetes

Ein wichtiges Thema, das in jedem Therapieplan zu berücksichtigen ist, ist die regelmäßige sportliche Betätigung, die für eine Reduzierung des Blutzuckers sorgt. Wird die Insulingabe nicht daran angepasst, steigt durch die körperliche Betätigung das Risiko einer Hypoglykämie.

Eine Blutzuckerkontrolle vor, während und nach dem Sport verhindert dieses Ereignis weitestgehend. Ein Absetzen des Basalinsulins vor dem Sport stellt ebenfalls eine effektive Maßnahme dar; ist jedoch mit dem Arzt im Vorfeld abzuklären.

Ist die sportliche Betätigung vor dem Frühstück geplant, können die Reduzierung der Basalrate und der morgendlichen Prandialrate eine Hypoglykämie verhindern.

Überwachung der Therapie bei Kindern

Um sicherzugehen, dass die Insulindosierung immer gut angepasst ist, ist es notwendig den Blutzuckerspiegel zu überwachen. Dazu wird dieser regelmäßig gemessen und in einem sogenannten Zuckerheft notiert.

Bei Kleinkindern übernehmen diese Aufgabe die Eltern. Größere Kinder und Jugendliche sollten diese Überwachung aber schnell selbst erlernen und durchführen. Dies hilft ihnen mit der Krankheit eigenständig leben zu können. Zusätzlich zur Selbstkontrolle sind regelmäßige Arztbesuche notwendig um die Insulindosierung anzupassen.

Psychosoziale Betreuung von Eltern und Kindern

Da es sich bei Diabetes um eine große Belastung für das Kind und dessen Familie handelt, wirkt sich dies häufig auf den allgemeinen psychischen und physischen Gesundheitszustand aus.

Dies gilt vor allem für Kinder und Jugendliche aus einem psychosozial belasteten oder sozioökonomisch benachteiligten Umfeld. Das Therapieverhalten einschließlich der Stoffwechseleinstellung speziell dieser Gruppen verbessert sich jedoch nachweislich durch eine konsequente psychosoziale Betreuung.

Entwicklung der Krankheit mit dem Alter

Der Blutzuckerspiegel verändert sich während des Alters und auch große Schwankungen sind nicht ungewöhnlich. Deshalb ist die Protokollierung so wichtig, damit die Insulindosierung ständig nachgestellt werden kann.

Bei Kindern, oder währen der Pubertät träten meist folgende Phasen auf:

  • Erholungsphase: Bei Kindern ist es meist so, dass einige Wochen nach der Erstbehandlung plötzlich sehr viel weniger Insulin benötigt wird, da die Bauchspeicheldrüse noch funktioniert. Diese Phase dauert einige Wochen bis Monate und wird durch die Dauerphase abgelöst.
  • Dauerphase: Die Dauerphase tritt ein, wenn die Bauchspeicheldrüse vollkommen ausfällt und das gesamte benötigte Insulin dem Körper künstlich zugeführt werden muss. Somit muss die Insulindosierung deutlich erhöht werden.
  • Pubertätsphase: Die Pubertätsphase ist besonders schwierig für Diabetiker. Hier kommen zweierlei Probleme auf; Einerseits spielen die Hormone in der Pubertät verrückt und beeinflussen den Insulinbedarf unvorhergesehen. Es kann somit öfter zu plötzlichem Blutzuckerabfall kommen. Hinzu kommt, dass Jugendliche in der Pubertät die Krankheit oft sehr vernachlässigen und die Behandlung und Überwachung nicht regelmäßig durchführen. Zu diesem Zeitpunkt sollten die jugendlichen bereits komplett eigenständig mit der Krankheit umgehen gelernt haben.
  • Junges Erwachsenenalter: Nach der Pubertätsphase pendeln sich die Hormone wieder ein und es wird weniger Insulin gebraucht.

Quellen:

  1. Die Diagnose trifft die ganze Familie. Govi Verlag. URL: pharmazeutische-zeitung.de
  2. Rätselhafter Anstieg von Diabetes bei Kindern WeltN24 GmbH. URL: welt.de
  3. Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter. Deutsche Diabetes Gesellschaft e.V. URL: deutsche-diabetes-gesellschaft.de
Zuletzt aktualisiert: 22.02.2016
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