HbA1c – Das Blutzuckergedächtnis

Als "Langzeitgedächtnis" des Blutzuckerspiegels ist der HbA1c-Wert ein wichtiger Parameter bei der Beurteilung der längerfristigen Blutzuckerkonzentration bei Diabetikern. Grundsätzlich gilt, dass der Wert umso niedriger ist, je besser der Blutzucker eines Diabetikers eingestellt ist. Ein niedriger HbA1c-Wert geht darüber hinaus mit einem niedrigeren Risiko für Folgeerkrankungen von Diabetes einher.

Was ist der HbA1c-Wert?

Der HbA1c-Wert ist ein Blutzuckerwert, der angibt, wie hoch der Anteil von Hämoglobin im Blut ist, der mit Zucker verbunden ist. Die Bezeichnung HbA1c setzt sich aus den verschiedenen Elementen zusammen, die in diesem Zusammenhang von Bedeutung sind.

Hämoglobin (Hb) ist ein Eiweißstoff bzw. roter Farbstoff in den roten Blutkörperchen, die in der Regel etwa 3 Monate leben. Er ist dafür verantwortlich, dass Sauerstoff von der Lunge über das Blut zu den übrigen Zellen des Körpers transportiert wird. In Abhängigkeit von der Menge des Zuckers im Blut hängt sich Zucker an die Hämoglobinmoleküle.

Hämoglobin- und Zuckermoleküle können sich an unterschiedlichen Stellen (A1 oder A1c) miteinander verbinden und - einmal verbunden - nicht mehr voneinander lösen. Wie viel mit Zucker verbundenes Hämoglobin ein Mensch hat, zeigt der HbA1c-Wert. Er ist umso größer, je höher der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum ist. Dies gilt für alle Menschen, nicht nur für Diabetiker, für die der Wert jedoch besonders wichtig ist.

Bis 2010 wurde der HbA1c-Wert in Prozent (%) angegeben. Ein HbA1c-Wert von 5 % bedeutet demnach, dass an 5 % der Hämoglobinmoleküle Zucker haftet. Doch um die Werte international besser vergleichen zu können, ist es für Labore inzwischen verbindlich, die Maßeinheit Millimol pro Mol (mmol/mol) zu verwenden.

Blutzuckerwerte

Für Patienten werden zum besseren Verständnis häufig noch die alten Prozentwerte angegeben. Beide Maßeinheiten lassen sich ineinander umrechnen: Von dem bisherigen Prozentwert ist der Wert 2,15 abzuziehen und das Ergebnis dann mit dem Wert 10,929 zu multiplizieren. Mithilfe entsprechender Umrechnungstabellen lässt sich der gewünschte Wert alternativ ganz einfach ablesen.

Welche Rückschlüsse ermöglicht der HbA1c-Wert?

Der HbA1c-Wert ist eine Art Langzeitgedächtnis des Blutzuckerspiegels, das sich auf die Verbindung von Zucker und Hämoglobin bezieht. Da die roten Blutkörperchen mit dem Blutfarbstoff Hämoglobin ungefähr 3 Monate leben, lässt sich mit dem HbA1c-Wert der durchschnittliche Blutzuckerspiegel der letzten 8 bis 12 Wochen ermitteln. Er spielt bei der Diagnostik und bei der Behandlung von Diabetes eine entscheidende Rolle.

Blutglukosewerte

Ein HbA1c-Wert ab 5,6 % (38 mmol/mol) ist für manche Mediziner ein Warnsignal für eine drohende Diabetes-Erkrankung. Sie empfehlen deshalb bei diesen Werten eine regelmäßige Blutzuckerkontrolle nach den Mahlzeiten oder einen Glukosebelastungstest. Liegt der HbA1c-Wert bei 6 % oder höher, ist dies ein Anzeichen für Diabetes und kann die Diagnose unterstützen. Dies ist allerdings nur bei Erwachsenen sinnvoll, da die Aussagekraft des HbA1c-Werts bei Kindern für eine Diabetes-Diagnose nicht ausreicht. Hier sind zusätzlich andere Methoden anzuwenden.

Deutlich häufiger wird der HbA1c-Wert verwendet, um die Güte der Blutzucker-Einstellung bei einem bereits diagnostizierten Diabetes zu beurteilen. Der HbA1c-Wert ist unabhängig von möglichen Schwankungen, die auf die Nahrung, die Jahres- und Tageszeit oder Nebenwirkungen von Medikamenten zurückzuführen sind und die einmalige Blutzuckermessung, beeinflussen oder verzerren können. Um zu beurteilen, ob die Einstellung des Blutzuckers gut ist, bedarf es jedoch eines längerfristigen Maßes wie dem HbA1c-Wert.

Eine Schätzung für den durchschnittlichen Blutzucker der letzten 2 bis 3 Monate ergibt sich demnach aus dem HbA1c-Wert multipliziert mit 33,3 und anschließend minus 86. Alternativ stehen entsprechende Tabellen zur Verfügung, aus denen der mittlere Blutzucker direkt anhand des HbA1c-Werts abgelesen werden kann.

Achtung: Der HbA1c-Wert ist für sich alleine betrachtet kein ausreichendes Kriterium, um zu beurteilen, ob der Blutzucker eines Diabetikers gut eingestellt ist oder nicht. Es gibt Situationen, in denen der HbA1c-Wert trotz schlechter Einstellung des Blutzuckers sehr gut ist. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn es häufig zu (gefährlichen) Unterzuckerungen kommt oder wenn die Schwankungen des Blutzuckers sehr groß sind. Darüber hinaus haben die Behandlungsform und die Lebensdauer der roten Blutkörperchen eines Patienten einen Einfluss auf den HbA1c-Wert.

Wie hoch sollte der HbA1c-Wert sein?

Gesunde Menschen haben üblicherweise einen HbA1c-Wert von 4,5 % (ca. 26 mmol/mol) bis 6,2 % (ca. 44 mmol/mol). Bei Diabetikern mit nicht gut eingestelltem Blutzucker liegt der HbA1c-Wert oft bei über 7,5 % (ca. 58 mmol/mol). Mithilfe der richtigen Therapie sollte der HbA1c-Wert reduziert werden und nicht höher als 6,5 % (ca. 48 mmol/mol) bis 7 % (ca. 53 mmol/mol) betragen.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt für Typ 2-Diabetiker einen HbA1c-Wert von unter 6,5 % (ca. 48 mmol/mol) und für Typ 1-Diabetiker von unter 7,0 % (ca. 53 mmol/mol) zur Vermeidung von Folgeerkrankungen. Tatsächlich gibt es zahlreiche Studien, die einen Zusammenhang zwischen einem anhaltend erhöhten HbA1c-Wert und diabetischen Folgeschäden an Nieren, Nerven und Augen belegen.

HbA1c-Zielbereich
allgemein 6,5 - 7,5 % (48-58 mmol/mol)
bei vorgeschädigten Blutgefäßen 7,0 - 7,5 % (53-58 mmol/mol)
bei diabetischer Nephropathie < 7,0 % (< 53 mmol/mol)
bei älteren Patienten < 8,0 % (< 64 mmol/mol)

Deshalb rät die Deutsche Diabetes Gesellschaft ab einem HbA1c-Wert von 7 % zu einer Anpassung der Therapie. Schon eine Senkung des HbA1c-Werts um 1 % kann das Risiko von Augen- und Nierenschäden, Schlaganfällen und Herzinfarkten sowie diabetesbezogenen Todesfällen verringern.

Falsche Entwarnung bei gutem HbA1c-Wert

Der HbA1c-Wert ist ein Indikator für den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel. Er ist aber keineswegs ein exakter Bestimmungswert, denn Durschnitt bedeutet, dass zu niedrige Blutzuckerwerte die zu hohen Blutzuckerwerte ausgleichen können. Daher ist der Abgleich des Wertes mit einem von dem Diabetikern regelmäßig geführten Zuckerheft notwendig. Zusätzlich können hohe Blutzuckerwerte die weniger als vier Stunden andauern nicht gemessen werden. Die Interpretation des HbA1c Wertes muss daher immer durch einen Facharzt verfolgen und alle genannten Werte sind lediglich Richtwerte. Der HbA1c Wert bleibt bei der Diagnose und Behandlung von Diabetes jedoch unverzichtbar.

Regelmäßige Kontrollen bei Diabetes

Neben der regelmäßigen ärztlichen und täglichen eigenen Blutzuckerkontrolle ist es wichtig, den HbA1c-Wert regelmäßig überprüfen zu lassen. Empfohlen wird eine quartalsweise Messung. Die Werte sollten in den Gesundheitspass eingetragen werden, damit Patient und Arzt den Verlauf kontrollieren und - falls erforderlich - Therapieanpassungen vornehmen können.

Quellen:

Aktualisiert am: 02.03.2017

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