Die Folgen einer unbehandelten Chlamydien-Infektion

Eine Chlamydien-Infektion bleibt häufig unentdeckt und wird darum nicht behandelt. Obwohl die Infektion bei 70 bis 80 Prozent der Frauen und bei über der Hälfte der Männer ohne Beschwerden verlaufen kann, drohen auf lange Zeit schwerwiegende Folgen wie Unfruchtbarkeit, die nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) Tausende Frauen betrifft. Außerdem kann sich die Infektion auf benachbarte Strukturen und Organe ausbreiten. Die drei Arten aus der Familie der Chlamydien, die den Menschen befallen, sind Chlamydophila psittaci (früher als Chlamydia psittaci bezeichnet), Chlamydia trachomatis und Chlamydia pneumoniae.

Folgen einer unbehandelten Chlamydien-Infektion bei Frauen

Es existieren diverse Untergruppen von Chlamydia trachomatis. Für Infektionen im Urogenitalbereich sind insbesondere die Serovare D bis K verantwortlich. Durch das Aufsteigen und Wandern der Krankheitserreger können alle Organe und Strukturen des kleinen Beckens befallen werden.

Aufsteigende Keime verursachen Pelvic inflammatory disease (PID)

Der angloamerikanische Begriff der pelvic inflammatory disease (PID) ist ein Sammelbegriff für Zervizitis (Entzündung des Gebärmutterhalses), Adnexitis (Entzündung der Eierstöcke (Oophoritis) und Eileiter (Salpingitis)) und Endometritis (Entzündung der Gebärmutterschleimhaut). Die PID kann akut oder chronisch verlaufen und entsteht durch das Aufsteigen der Keime.

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Etwa zwei bis fünf Prozent der Frauen mit unbehandelter Chlamydien-Infektion entwickeln eine chronische PID. Die Rate für eine akute Entzündung der Gebärmutterschleimhaut und Eileiter ist mit 40 Prozent deutlich höher. Durch Screening-Untersuchungen könnten diese Folgen der Chlamydien-Infektion um mindestens 50 % vermindert werden.

Eine akute Entzündung im kleinen Becken äußert sich meistens durch Fieber, Unterbauchschmerzen und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl. Die Symptome ähneln denen einer Appendizitis (Blinddarmentzündung) oder einer Extrauteringravidität (Bauchhöhlen-Schwangerschaft). Der chronische Verlauf ist deutlich weniger auffällig. Meistens bestehen nur ein Druck- oder Schweregefühl im Bereich des kleinen Beckens. Problematisch ist, dass es zur Eiteransammlung und Abszess-Bildung kommen kann. Ein Abszess muss eventuell operativ entfernt werden.

Chlamydien können eine Eileiter-Entzündung auslösen

Als Salpingitis wird die Entzündung eines oder beider Eileiter bezeichnet. Zu den Symptomen gehören Fieber und starke Unterleibsschmerzen, die möglicherweise durch Geschlechtsverkehr, Wasserlassen und Eisprung verstärkt werden. In manchen Fällen besteht vaginaler Ausfluss.

salpingitis

Durch die Entzündung wird das Flimmerepithel der Eileiter geschädigt und es entstehen Vernarbungen und Verklebungen. Sind die Eileiter nicht mehr durchlässig, kommt es zur Unfruchtbarkeit. Eine Mitbeteiligung benachbarter Strukturen ist möglich und besteht dann zumeist aus einer zusätzlichen Oophoritis (Entzündung der Eierstöcke) und Peritonitis (Entzündung des Bauchfells).

Risiken einer Chlamydieninfektion in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen werden in den Vorsorgeuntersuchungen auf Chlamydien getestet. Denn eine unerkannte und unbehandelte Chlamydien-Infektion kann unter anderem zu Fehl- und Frühgeburten führen. Während des Geburtsvorgangs können außerdem die Keime auf das Kind übertragen werden und eine Lungenentzündung oder Bindehautentzündung auslösen. Bereits die Entstehung einer Schwangerschaft wird durch Chlamydien negativ beeinflusst: Es besteht ein erhöhtes Risiko für eine Eileiter- oder Bauchhöhlen-Schwangerschaft (Extrauteringravidität).

Chlamydien können eine Unfruchtbarkeit verursachen

Eine unbehandelte Chlamydien-Infektion gilt als die häufigste Ursache für Unfruchtbarkeit bei Frauen. Geschätzt sind in Deutschland etwa 100.000 Frauen im gebärfähigen Alter aufgrund dieser Folgeerkrankung der Chlamydien-Infektion ungewollt kinderlos.

Die Ursache der Unfruchtbarkeit kann von verschiedenen Komplikationen der Chlamydien-Infektion ausgehen, sodass etwa 18 Prozent der unbehandelten Infektionen zur Unfruchtbarkeit führen. Der häufigste Vorgang, der zur Unfruchtbarkeit führt, ist die Adnexitis (Entzündung von Eileiter und Eierstöcken), auf die Vernarbung, Verklebung und Verschluss der Eileiter folgen kann.

Folgen einer unbehandelten Chlamydien-Infektion bei Männern

Bei Männern bereitet eine Chlamydien-Infektion häufiger Beschwerden als bei Frauen, weshalb häufiger behandelt wird und Folgeerkrankungen insgesamt seltener sind. Betroffen können wiederum alle Strukturen des kleinen Beckens sein.

Chlamydien steigern der Risiko einer Entzündung der Nebenhoden

Die Epididymitis (Entzündung der Nebenhoden) äußert sich mit Hodenschmerzen, Schwellung des Hodens oder beider Hoden und Fieber. Vorausgehend können Bauch- oder Flankenschmerzen bestanden haben. Die stärkste Ausprägung der Beschwerden wird meist innerhalb eines Tages erreicht. Die Symptome können mit denen einer Hodentorsion verwechselt werden. Da es sich bei der Hodentorsion um einen Notfall handelt, sollte bei Hodenschmerzen und -schwellung schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden.

epididymitis

Harnröhre entzündet sich aufgrund von aufsteigenden Bakterien

Die Urethritis kann bei verschiedenen sexuell übertragbaren Infektionen auftreten. Den größten Anteil mit 25 Prozent verursacht allerdings Chlamydia trachomatis. Der Verlauf ist entweder symptomlos oder mit einem Brennen beim Wasserlassen verbunden. Durch die Entzündung der Harnröhre können Vernarbungen entstehen, die gegebenenfalls den Durchgang für die Samenflüssigkeit verschließen, was in einer Unfruchtbarkeit des Mannes resultiert.

Des Weiteren können sich die Keime über die Harnröhre auf weitere Strukturen ausbreiten. Ist die Blase betroffen, wird von einer Urozystitis (Blasenentzündung) gesprochen. Zu den Symptomen einer Blasenentzündung gehören Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, Blut im Urin und Schmerzen oberhalb der Schambeinfuge.

Eine Prostataentzündung kann Folge einer Chlamydieninfektion sein

Typisch für eine Entzündung der Prostata, deren Fachbegriff "Prostatitis" ist, sind Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr, Schmerzen beim Wasserlassen und Kreuzschmerzen. Fieber und Schüttelfrost können ebenso wie weitere Allgemeinsymptome zusätzlich auftreten.

Ein Befall der Prostata kann sich auf weitere Strukturen ausbreiten, sodass beispielsweise eine Entzündung der Samenleiter entstehen kann. Werden die Samenleiter durch Vernarbungen und Verklebungen infolge der Entzündung verschlossen, wird der betroffene Mann unfruchtbar. Die Prostatitis geht mit einem höheren Risiko für Unfruchtbarkeit einher als die Epididymitis.

Chlamydien können auch beim Mann eine Unfruchtbarkeit auslösen

Eine Chlamydien-Infektion führt bei Männern seltener zur Unfruchtbarkeit als bei Frauen. Als besonders gefährdet gelten Männer mit einer Prostatitis durch Chlamydien, was als gefährlicher angesehen wird als eine Epididymitis. Gegebenenfalls ist eine Operation notwendig, um Vernarbungen, die die Samenleiter verschleißen, zu durchtrennen.

Geschlechtsunspezifische Folgen einer unbehandelten Chlamydien-Infektion

Für beide Geschlechter besteht durch eine unbehandelte Chlamydien-Infektion das Risiko für Nierenerkrankungen und ein erhöhtes Risiko, an anderen sexuell übertragbaren Infektionen, insbesondere HIV und Gonorrhoe, zu erkranken. Das erhöhte HIV-Risiko wird so erklärt, dass die Entzündung die Schleimhaut durchlässiger für Viren macht und Entzündungszellen, die vom HI-Virus befallen werden, bereits vor Ort sind. Nierenerkrankungen können sich aus weiter aufsteigenden Entzündungen des unteren Harntrakts entwickeln.

In tropischen und subtropischen Ländern ist gehäuft das Auftreten eines Lymphogranuloma inguinale zu beobachten, das durch die Serovare L1 bis L3 von Chlamydia trachomatis ausgelöst wird. Zunächst bestehen schmerzlose Geschwüre im Genitalbereich, die nach zwei Wochen wieder verschwinden. Anschließend kommt es zu einer blauroten Verfärbung der Leistenlymphknoten, die schmerzhaft geschwollen sind. Ohne Therapie droht ein chronischer Verlauf mit Lymphödem.

Die reaktive Arthritis beschreibt eine Gelenkbeteiligung bei Chlamydien-Infektion. Sie ist zudem Teil des sogenannten Reiter-Syndroms, das durch die Serovare A bis C von Chlamydia trachomatis ausgelöst wird. Das Reiter-Syndrom wird durch Bindehautentzündung und Entzündung des Harntrakts vervollständigt.

Eine weniger bekannte Folge der unbehandelten Infektion stellt das Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom dar, bei dem es sich um eine Perihepatitis (Entzündung der Leberkapsel) handelt. Außer den Chlamydien können auch Gonokokken dieses Syndrom auslösen, bei dem die Leberkapsel mit dem Bauchfell (Peritoneum) verwächst und Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in die rechte Schulter verursacht.


Quellen:

  1. Chlamydien: Unerkannte Gefahr. Wort & Bild Verlag. URL: apotheken-umschau.de
  2. Chlamydien. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. URL: gib-aids-keine-chance.de
  3. STDs during Pregnancy - CDC Fact Sheet. U.S: Department of Health & Human Services. URL: cdc.gov
  4. Risk of sequelae after Chlamydia trachomatis genital infection in women. Haggerty CL et al, J Infect Dis. 2010 Jun 15;201 Suppl 2:S134-55. doi: 10.1086/652395. URL: ncbi.nlm.nih.gov

Aktualisiert am: 24.11.2016

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