Antibabypille und Antibiotika: Sind Wechselwirkungen möglich?

Frauen sind häufig unsicher, ob die Antibabypille noch wirkt, wenn zusätzliche Medikamente eingenommen werden müssen und trotz Einnahme der Pille werden Frauen gelegentlich schwanger. Insbesondere Antibiotika müssen häufig einmal eingenommen werden, um einen bakteriellen Infekt zu kurieren. Im Zweifel sollte lieber doppelt verhütet werden, zum Beispiel zusätzlich zur Pilleneinnahme mit Kondom. Weshalb Frauen schwanger werden, obwohl sie hormonell verhüten, kann unterschiedliche Gründe haben.

Beeinflussen Antibiotika die Wirkung der Antibabypille?

Die Studienlage zur Frage, ob Antibiotika die Wirkung der Antibabypille beeinflussen, ist noch nicht eindeutig. Je nach Quelle werden unterschiedliche Informationen darüber verbreitet, ob zusätzlicher Verhütungsschutz mittels Kondom oder Diaphragma während einer antibiotischen Therapie notwendig ist. Wenige Studien halten die Antibiotika-Einnahme in Hinsicht auf die Pille für völlig unbedenklich. Der Großteil der Studien geht von Wechselwirkungen aus.

Mikropillen, bei denen es sich um ein sehr niedrig dosiertes Kombinationspräparat aus Östrogen und Gestagen handelt, scheinen anfälliger für diese Wechselwirkungen zu sein. Ein Hinweis auf eine verringerte Wirkung der hormonellen Verhütung können Zwischen-, Schmier- oder Abbruchblutungen sein. Durch die verringerte Hormongabe kann es möglich sein, dass es zum Eisprung kommt, womit eine Schwangerschaft möglich wird. Ähnliches gilt für die Anwendung von einem Vaginalring, einem Hormonpflaster oder einem Hormonimplantat.

Manche Studien nehmen an, dass die Minipille, die nur ein Gestagen enthält, weniger anfällig für Wechselwirkungen mit Antibiotika ist. Bei Unsicherheit, was zu tun ist, sollte immer bis mindestens sieben Tage nach Beendigung der antibiotischen Therapie zusätzlich mit Kondom verhütet werden. Alternativ gilt, dass bis zur nächsten Regelblutung zusätzlich mittels Kondom verhütet werden kann, um sicher zu gehen.

Muss ein Antibiotikum während der zweiten oder dritten Einnahmewoche der Pille eingenommen werden, kann auf die Pillenpause verzichtet werden. Wenn während der Pillenpause ein Antibiotikum anzuwenden ist, ist die zusätzlich Verhütung mittels Kondom nicht unbedingt notwendig.

Welche Antibiotika können die verhütende Wirkung herabsetzen?

Besonders gut belegt ist die Beeinflussung der Pillenwirkung durch die Antibiotika Rifampicin und Rifabutin, die als Arzneimittel bei Tuberkulose und Meningitis (Hirnhautentzündung) und auch als Prophylaxe einer Meningitis zur Anwendung kommen. Diese Medikamente haben nach ihrer Einnahme zur Folge, dass der Körper die Anzahl von Enzymen in der Leber erhöht. Dadurch kann sich die Leber sogar vergrößern. Der Effekt dieser sogenannten Enzyminduktion hält bis zu zwei Monate an.

Die Antibabypille wird von diesen Enzymen abgebaut. Wenn nun mehr Enzyme zur Verfügung stehen, werden die Wirkstoffe schneller abgebaut und die Wirkung der Pille verringert sich. Nach der Einnahme von Rifampicin oder Rifabutin sollte währenddessen und mindestens noch 28 Tage nach Ende der antibiotischen Therapie zusätzlich mittels Kondom oder ähnlichem verhütet werden. Zum Glück wird Rifampicin nicht häufig eingesetzt, zumindest nicht in Deutschland, da hier die Tuberkulose eine seltene Krankheit ist.

Bei einer Tuberkulose muss die antibiotische Therapie mit einer Kombination aus vier Antibiotika, zu denen das Rifampicin gehört, über mehrere Monate fortgeführt werden. Frauen, die sich dieser Therapie stellen müssen, sollten erwägen, für diesen Zeitraum mittels Kupferspirale zu verhüten. Die Wirkung dieses Verhütungsmittels bleibt von Rifampicin und der Enzyminduktion unbeeinträchtigt.

Manchen Studien ist zu entnehmen, dass auch bei Penicillinen, Tetracyclinen, Cephalosporinen und Chloramphenicol Wechselwirkungen auftreten könnten. Frauen sollten vor Einnahme des Arzneimittels ihren Arzt nach möglichen Neben- und Wechselwirkungen in Bezug auf die Pille fragen und den Beipackzettel des Medikaments lesen.

Wie können Antibiotika die Wirkung der Antibabypille beeinflussen?

Derzeit werden verschiedene Theorien diskutiert, wie Antibiotika die Wirkung der Antibabypille beeinflussen können. Entweder scheint der Blutspiegel der verabreichten Hormone reduziert zu sein oder/und die Wirkung vermindert zu sein. Bezüglich der Verminderung des Blutspiegels wird angenommen, dass die Antibiotika die Darmflora verändern. Bakterien leben natürlicherweise im menschlichen Darm und helfen bei der Verdauung. Sie selbst erhalten dafür ebenfalls Nährstoffe und Umweltbedingungen, bei denen sie wachsen und sich vermehren können.

Antibiotika richten sich nicht selektiv gegen die Bakterien, die den Menschen krankgemacht haben, sondern töten auch harmlose und nützliche Bakterien ab. Dadurch kann die Aufnahme der Wirkstoffe der Pille, Östrogen und Gestagen, verringert sein. Es kommt zu niedrigeren Hormonspiegeln im Blut. In einigen Studien wird dieser Mechanismus als Hauptursache einer Verminderung der Pillenwirkung vermutet. Außerdem können Antibiotika zu Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall führen, wodurch die Aufnahme der Hormone vermindert sein kann. Andere Meinungen beziehen sich auf den Abbau der Hormone über Enzyme der Leber.

Es wird davon ausgegangen, dass durch eine erhöhte Anzahl von Enzymen ein gesteigerter Abbau der Hormone stattfindet. Dies betrifft sowohl die Kombinationspräparate als auch die Minipille als reines Gestagen-Präparat. Die Steigerung des Hormonabbaus erfolgt der Theorie nach relativ langsam und soll nach etwa zwei Wochen wieder abklingen. Eine abschließende Klärung, wie Antibiotika genau die Wirkung der Pille beeinflussen, steht noch aus.

Welche Antibiotika beeinflussen hormonelle Verhütungsmittel nicht?

Antibiotika, die lokal aufgetragen werden, zum Beispiel Lösungen oder Salben, werden zu einem verschwindend geringen Teil absorbiert, sodass die systemische Wirkung im Körper vernachlässigbar gering ist. Bezüglich Penicillin, Doxycyclin und Tetracyclin scheint noch keine Einigkeit zu bestehen, ob diese Antibiotika die Wirkung der Pille beeinflussen oder nicht. Andere Antibiotika wie Ampicillin, Metronidazol, Ciprofloxacin und Sulfonamide scheinen die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel nicht zu beeinflussen.

Ciprofloxacin ist ein Gyrasehemmer oder Topoisomerase-Hemmer und gehört in die Gruppe der Fluorochinolone. Das Antibiotikum wirkt gegen ein breites Spektrum an Bakterien und wird darum gegen viele Infektionen, wie zum Beispiel Atemwegs-, Harnwegs- und Magen-Darm-Infektionen, eingesetzt. Zu den Sulfonamiden gehören Sulfamethoxazol, Sulfadiazin und Sulfamerazin. Die Kombination aus Sulfamethoxazol und Trimethoprim wird als "Cotrimoxazol" zum Beispiel bei Harnwegsinfekten, Pneumocystis-Pneumonie und Toxoplasmose eingesetzt.

Quellen:

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