Mysimba

Das verschreibungspflichtige Schlankheitsmittel Mysimba ist ein Neuankömmling auf dem europäischen Markt, erst seit 2015 wird es vom irischen Pharmaunternehmen Orexigen Therapeutics produziert. Vorab war das Abnehmpräparat bereits in den USA unter dem Namen Contrave erhältlich. Es wurde speziell entwickelt für die Behandlung von starkem Übergewicht (Adipositas) ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder bei einem BMI ab 27, sofern bereits gesundheitliche Probleme wie Bluthochdruck oder Typ-II-Diabetes als Folgeerkrankungen des Übergewichts auftreten.

Was ist Mysimba?

Bei Mysimba handelt es sich um ein rezeptpflichtiges Schlankheitsmittel mit den aktiven Wirkstoffen Naltrexon und Bupropion, welche in sogenannte Retardtabletten dargeboten werden. Diese geben die Wirkstoffe verlangsamt ab und werden in variierender Dosis über einen längeren Zeitraum eingenommen.

Mysimba zügelt den Hunger und unterstützt so den Gewichtsverlust, jedoch sollte es nicht als alleinige Methode zum Abnehmen genutzt werden, sondern nur als Teil einer Änderung des Lebensstils in Kombination mit einer gesunden Ernährung und ausreichend Bewegung zum Einsatz kommen. Nach 16 Wochen Anwendung sollte mindestens 5% Gewichtsverlust zu verzeichnen sein, ansonsten muss die Behandlung mit Mysimba beendet werden.

Wirkungsweise von Mysimba

Neben der kombinierten Anwendung in Mysimba werden sowohl Naltrexon als auch Bupropion jeweils für die Behandlung anderer Krankheitsbilder eingesetzt.

Naltrexon ist ein sogenannter Opioidantagonist, welcher vor allem bei der Entzugsbehandlung von Opioid-Abhängigen sowie der Rückfallprävention bei Alkoholabhängigkeit unterstützend eingesetzt wird. Darüber hinaus kann es auch in der Behandlung von gefährlichen Verhaltensweisen bei verschiedenen psychologischen Störungen helfen.

Bupropion hingegen gehört zu den Amphetaminen und wird unter anderem zur erfolgreichen Behandlung von Depressionen sowie zur Raucherentwöhnung verschrieben.

Struktur Naltrexon Bupropion Mysimba Schlankheitsmittel Adipositas Übergewicht

Das genaue Zusammenwirken der beiden Stoffe ist bisher noch nicht hinreichend geklärt, jedoch wirken diese auf Verbindungen im zentralen Nervensystem, welche den Energieverbrauch sowie Appetit regeln. Damit besteht eine direkte Wirkung auf das Belohnungszentrum, die Heißhunger unterdrückt.

Der australische Physiologe Michael Cowley war maßgeblich an der Erforschung dieser Nervenverbindungen beteiligt und seine Ergebnisse führten direkt zur Entwicklung des Kombinationsmedikaments Mysimba. Es mindert nicht nur allgemeine Hungergefühle, sondern auch speziell den Appetit auf stark fett- und zuckerhaltige Lebensmittel.

In Verbindung mit einer gesunden Ernährungsweise, wird somit die Kalorienaufnahme stark reduziert und der Energieverbrauch in Verbindung mit ausreichender Bewegung erhöht. Der unterstützende Effekt von Mysimba beschleunigt die Gewichtsreduktion, wodurch schneller sichtbare Ergebnisse zu verzeichnen sind,welche motivierend wirken auf den weiteren Prozes. Durch wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, bis zum Zielgewicht weiter zu machen und dieses dauerhaft zu halten.

Klinischen Studien zufolge wird durch die Einnahme von Mysimba durchschnittlich 5,4% des Gewichts verloren, gegenüber 1,3% bei Behandlungen mit Placebos. Auch steigt die Quote der erfolgreichen Gewichtsreduktionen. Nach vier Monaten verloren etwa 51% der Teilnehmer mit der Einnahme von Mysimba mindestens 5% des Stargewichts. Dagegen schafften dies nur 19% der Kontrollgruppe auf Placebos. Die durchschnittliche Reduktion nach einem Jahr mit Mysimba betrug 11% des Körpergewichts zu Beginn der Studie.

Dosierung und Anwendung

Pro Tablette sind in Mysimba 8mg Naltrexonhydrochlorid sowie 90mg Bupropionhydrochlorid enthalten, was einer Dosis von 7,2mg Naltrexon und 78mg Bupropion entspricht.

Mysimba wird täglich unzerkaut mit etwas Wasser eingenommen, möglichst mit den Mahlzeiten. Eine Einnahme zu später Stunde ist zu vermeiden, da Mysimba mitunder zu Schlafproblemen führen kann.

Über den Behandlungszeitraum wird die Einnahme angepasst, begonnen wird mit einer einzelnen Tablette morgens. Diese Dosis wird im Laufe von vier Wochen langsam erhöht bis zur Tageshöchstdosis von zwei Tabletten am Tag in der vierten Woche erreicht wird.

Die wöchentliche Dosis im Überblick:

  1. Woche: Morgens 1 Tablette
  2. Woche: Morgens und abends je 1 Tablette
  3. Woche: Morgens 2 Tabletten und abends 1 Tablette
  4. Woche und Folgewochen: Morgens und abends je 2 Tabletten

Einnahme vergessen?

Sollte die Einnahme von Mysimba einmal vergessen werden, darf die Tablette nicht nachträglich eingenommen oder durch eine doppelte Dosis zu einem späteren Zeitpunkt ersetzt werden. Stattdessen wird die vergessene Tablette komplett ausgelassen und die Einnahme wie gewohnt zu den üblichen Zeiten fortgesetzt.

Aufgrund der erhöhten Gefahr für gefährliche Nebenwirkungen, vor allem Krampfanfälle, muss bei einer Überdosierung von Mysimba sofort ein Arzt hinzugezogen werden. Dies trifft auch zu, wenn noch keine Symptome oder andere Nebenwirkungen erkennbar sind.

Nebenwirkungen

Wie alle Arzneimittel kann auch die Anwendung von Mysimba unter Umständen unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Zu beachten ist, dass durch das Medikament Schwindelgefühle ausgelöst und die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit gewschächt werden können. Nach der Einnahme sollten daher keine Maschinen bedient oder am Straßenverkehr teilgenommen werden. Weitere Nebenwirkungen können wie folgt nach Häufigkeit geordnet werden:

Sehr häufige Nebenwirkungen (mehr als 10 von 100 Anwendern)
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Verstopfung
  • Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Angstgefühle, innere Unruhe

Häufige Nebenwirkungen (bis zu 10 von 100 Anwendern)
  • Hautausschlag, Juckreiz, Nesselsucht
  • Zahnschmerzen
  • Brustschmerzen
  • Schwindelgefühl
  • übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose)
  • schneller, unregelmäßiger Herzschlag
  • Geschmacksstörungen
  • verzögerte Ejakulation
  • Haarausfall
  • Mundtrockenheit
  • Ohrenklingeln (Tinnitus)
  • Oberbauchschmerzen
  • Durchfall
  • Hitzewallungen
  • Schüttelfrost, Fieber
  • Konzentrationsprobleme
  • starke Müdigkeit, Schläfrigkeit
  • depressive Verstimmungen

Gelegentliche Nebenwirkungen (bis zu 1 von 100 Anwendern)
  • Schnupfen, verstopfte Nase
  • Halsschmerzen, Husten, Atemprobleme
  • Ohrenschmerzen
  • geschwollene Lymphknoten
  • Fußpilz
  • Kältegefühl an Händen und Füßen
  • Blähungen
  • verminderte Libido
  • ungewöhnliche, beängstigende Träume
  • Gedächtnisschwund, Verwirrtheit, Desorientiertheit
  • Lippenherpes, geschwollene Lippen
  • Akne
  • Sehstörungen (verschwommenes Sehen, Lichtempfindlichkeit)
  • häufiges, schmerzhaftes Wasserlassen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • vermehrtes Aufstoßen
  • veränderter Appetit
  • sexuelle Funktionsstörungen
  • Nervosität, Unruhe, Stimmungsschwankungen
  • Halluzinationen, Paranoia

Seltene Nebenwirkungen (bis zu 1 von 1000 Anwendern)
  • Kribbeln, Taubheit in Händen und Füßen
  • veränderte Blutzuckerwerte
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Muskelzucken
  • unkontrollierte Bewegungen
  • Gereiztheit, Feindseligkeit

Sehr seltene Nebenwirkungen (bis zu 1 von 10.000 Anwendern)
  • Schwellungen des Gesichts
  • starker Muskelabbau
  • irrationale und Wahnvorstellungen
  • aggressive Verhaltensweisen

Sollte es bei der Behandlung mit Mysimba zu einer starken Erhöhung des Blutdrucks kommen, sollte die Einnahme sicherheitshalber beendet werden. Die Datenlage ist bisher noch nicht ausreichend, um potentielle langfristige Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System abzuschätzen, weshalb die Behandlung mit Mysimba nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen sollte.

Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Nutzung verschiedener Arzneimittel kann in manchen Fällen schwerwiegende Wechselwirkungen auslösen, so etwa die Zunahme oder Schwächung der jeweiligen Wirkungen oder ein stark erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen. Daher sollte die Einnahme weiterer Medikamente vorab mit einem Arzt besprochen werden, um unerwünschte Konsequenzen zu vermeiden.

Der in Mysimba enthaltene Wirkstoff hemmt die Wirkung von Opioiden. Wird dies zu umgehen versucht durch eine erhöhte Dosis des Opiats, besteht ein hohes Risiko für eine akute Opioidvergiftung, welche eventuell tödlich verlaufen kann. Daher ist bei der gleichzeitigen Anwendung opiathaltiger Medikamenten wie den folgenden höchste Vorsicht geboten:

  • Dextromethorphan- oder codeinhaltige Erkältungsmittel
  • Morphin- oder codeinhaltige Schmerzmittel
  • Methadon

Um das Risiko zu minimieren, darf erst 7 bis 10 Tage nach dem der letzten Einnahme von Opiaten oder opiathaltigen Medikamenten eine Behandlung mit Mysimba beginnen.

Darüber hinaus gibt es weitere Arzneimittel, welche mit Mysimba in Wechselwirkung treten. Diese dürfen unter Umständen gleichzeitig eingenommen werden, sofern eine strenge ärztliche Kontrolle und regelmäßige Untersuchung auf mögliche Nebenwirkungen erfolgt. Dazu gehören unter anderem Medikamente zur Behandlung folgender Krankheiten:

  • Infektionen (Ciprofloxacin, weitere Antibiotika)
  • Krebs (Ifosphamid, Tamoxifen, Cyclophospamid)
  • Herzrhythmusstörungen (Flecainid, Propafenon)
  • Herzerkrankungen, Schlaganfall (Clopidogrel, Ticlopidin)
  • Bluthochdruck (Clonidin, Metoprolol, weitere Betablocker)
  • HIV / AIDS (Ritonavir, Efavirenz)
  • Asthma (Theophyllin)
  • Heuschnupfen, weitere allergische Reaktionen

Desweiteren ist Vorsicht geboten bei Arzneimitteln zur Behandlung von Depressionen (Citalopram, Desipramin, Imipramin, Peroxetin, Venlafaxin), Epilepsie (Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Valproat) und psychischen Störungen (Haloperidol, Risperidon, Thioridazin) sowie bei Medikamenten zur Malariaprophylaxe, Beruhigungsmitteln wie Diazepam, Schmerzmitteln aus der Klasse der Opiate (Tramadol) und Stereoide.

Gegenanzeigen

Bei bestimmten gesundheitlichen Bedingungen ist die Behandlung mit Mysimba aufgrund hoher Risiken für schwerwiegende Nebenwirkungen nicht möglich. Personen jünger als 18 und älter als 75 Jahre dürfen Mysimba grundsätzlich nicht verwenden. Ebenso ist eine Einnahme nicht möglich, wenn eine Allergie oder Überempfindlichkeit gegenüber den Wirkstoffen besteht sowie während der Schwangerschaft und Stillzeit.

Besteht eine der folgenden Krankheiten (akut oder in der Vergangheit) darf Mysimba nicht genutzt werden:

  • schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
  • Hirntumor
  • bipolare affektive Störung
  • Krampfanfälle
  • Essstörungen
  • unbehandelter Bluthochdruck

Aufgrund starker Wechselwirkungen ist die Behandlung von Mysimba bei gleichzeitiger Verwendung bestimmter Wirkstoffe nicht möglich. Dies gilt auch, wenn die Einnahme erst kürzlich beendet wurde oder momentan nur geplant ist. Dazu gehören:

  • Medikamente mit Naltrexon oder Bupropion
  • MAO-Hemmer wie Phenelzin, Rasagilin, Selegilin zur Behandlung von Parkinson oder Depressionen
  • opiathaltige Medikamente
  • Beruhigungsmittel, Medikamente zur Behandlung von Angstzuständen (Benzodiazepine)

Darüber hinaus ist Mysimba nicht geeignet für Patienten, die momentan auf Alkoholentzug sind oder diesen planen sowie für Abhängige von Opioiden, auch während der Entgiftung.

Unter Vorbehalt können Patienten mit den folgenden Merkmalen eventuell eine Behandlung mit Mysimbar beginnen. Dies muss jedoch genau mit dem Arzt abgesprochen werden, um die potentiellen Risiken gegenüber dem Nutzen abzuwägen:

  • Herzkrankheit, kürzlicher Herzinfarkt
  • gut eingestellter Bluthochdruck
  • zerebrovaskuläre Insuffizienz
  • Diabetes (Zuckerkrankheit)
  • Leber- oder Nierenerkrankungen
  • psychiche Probleme, manische Neigungen, Suizidgedanken und -versuche
  • Alter über 65

Quellen:

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