Folgeerkrankungen von Adipositas

Adipositas (Fettleibigkeit) betrifft etwa ein Viertel der deutschen Bevölkerung. Übergewicht ist nicht nur ein Problem der Ästhetik und sozialen Akzeptanz, sondern zieht weitere Folgeerkrankungen nach sich, die sowohl die körperliche als auch die seelische Gesundheit beeinträchtigen können. Die Kosten für die Folgen der Adipositas belaufen sich allein in Deutschland im Milliardenbereich.

Die ersten bemerkbaren Anzeichen von Folgeerkrankungen

Die meisten Folgeerkrankungen der Adipositas verlaufen schleichend, so beispielsweise Bluthochdruck, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und sich entwickelnde Krebsgeschwüre. Allerdings können Hinweise auf diese Erkrankungen beim Arzt erkannt werden, beispielsweise durch Blutdruckmessung und Blutentnahme zur Bestimmung von Laborwerten.

Schweres Übergewicht beeinträchtig die körperliche Leistungsfähigkeit erheblich, da besonders das Herz-Kreislaufsystem durch das Gewicht zusätzlich beansprucht wird. Adipöse Menschen leiden deshalb häufig an Kurzatmigkeit und Atemnot. Durch die gewichtsbedingte vermehrte körperliche Belastung und der schlechten Wärmeableitung über das Fettgewebe, neigen stark übergewichtige Menschen dazu, übermäßig zu schwitzen.

Überschüssiges Fett sammelt sich vor allem im Bauchraum an. Dort drückt es auf die Verdauungsorgane, wodurch saurer Magensaft in die Speiseröhre gedrückt wird und zu Sodbrennen führen kann. Auch Oberbauchschmerzen, Blut im Stuhl, Tagesmüdigkeit mit Schlafattacken oder Gelenkschmerzen können Anzeichen für Folgeerkrankungen der Adipositas sein.

Folgen von Fettleibigkeit

Schlaf-Apnoe-Syndrom (nächtliche Atemstörung)

Beim Schlaf-Apnoe-Syndrom (auch: obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom, kurz OSAS) kommt es zu Atemaussetzern in der Nacht. Diese Atempausen müssen mindestens zehn Sekunden andauern, können aber deutlich länger anhalten. Folgen der nächtlichen Atemstörung sind starke Tagesmüdigkeit, die eventuell mit Schlafattacken einhergeht, Konzentrationsstörungen, Erschöpfungsgefühl und Bluthochdruck. Die Diagnose kann durch Polygraphie und Polysomnographie (Schlafuntersuchungen) gestellt werden.

Metabolisches Syndrom (Wohlstandssyndrom)

Adipositas ist eng vergesellschaftet mit dem sogenannten metabolischen Syndrom, zu dem als weitere Faktoren abgesehen vom vergrößerten Taillenumfang noch eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels (Zuckerkrankheit oder Vorstufe davon), Bluthochdruck und eine Störung der Blutfette (Dyslipidämie) gehören. Diese Kombination von Krankheitsbildern birgt ein etwa dreifach erhöhtes kardiovaskuläres Risiko und begünstigt Gefäßverkalkung und Gefäßverschlüsse, sodass das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich steigt. Durch die Dyslipidämie ist ein höheres Risiko für Gallensteine, die dann meist Cholesterin beinhalten, gegeben.

Diabetes mellitus Typ 2 aufgrund von schlechten Ernährungsgewohnheiten

Der Typ 2 Diabetes ist gekennzeichnet durch Insulin-Resistenz und im späteren Verlauf auch durch Insulin-Mangel. Erste Anzeichen für diese Folgeerkrankung können Leistungsabfall, großer Durst und häufiges Wasserlassen sein.

Übergewicht löst eine andauernde Entzündungsreaktion im Körper aus, bei der Botenstoffe wie freie Fettsäuren und TNF-alpha vermehrt freigesetzt werden. Diese Stoffe vermindern als Nebenwirkung die Wirksamkeit von Insulin. Das Diabetes-Risiko bei einem BMI über 35 kg/m² ist bei Frauen etwa 93-fach und bei Männern etwa 60-fach erhöht.

Adipositas verursacht kardiovaskuläre Erkrankungen

Kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall sind die führende Todesursache in Industrienationen. In engem Zusammenhang stehen arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), Dyslipidämie (Störung der Blutfette) und die bei Adipositas veränderte Blutgerinnung, die das Risiko für Thrombosen deutlich steigert. Pro zehn Kilogramm an Übergewicht steigt der systolische Blutdruckwert etwa um drei, der diastolische um zwei mmHg.

Weil das Herz ständig gegen einen erhöhten Druck aufgrund des übermäßigen Körpergewichts ankämpfen muss, erschöpft es mit der Zeit und lässt in seiner Funktion nach. Diese Funktionsstörung bezeichnet man als Herzinsuffizienz (Herzschwäche), die ihrerseits mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen und Herzinfarkte assoziiert ist.

Adipositas erhöht das Krebsrisiko signifikant

Es ist derzeit noch unklar, warum Adipositas das Tumorrisiko steigert. Diskutiert werden in diesem Zusammenhang vor allem hormonelle Veränderungen (Östrogen, IGF-1 und Adiponektin). Bei adipösen Frauen treten gehäuft gynäkologische Tumorerkrankungen wie Brust- und Gebärmutterschleimhautkrebs sowie Gallenblasenkrebs auf. Bei Männern sind vor allem Speiseröhre, Dickdarm, Enddarm und Prostata mit einem erhöhten Krebsrisiko belastet. Vor den Wechseljahren haben adipöse Frauen allerdings ein geringeres Risiko für Brustkrebs als normalgewichtige Frauen. Das Risiko kehrt sich erst nach den Wechseljahren um.

Fettleibigkeit erhöht das Krebsrisiko

Eine Fettleber steigert das Risiko für Leberkrebs

Die Fettleber betrifft immer mehr Menschen der Industrienationen. Die zwei größten Ursachen sind Alkohol und Übergewicht durch falsche und stark fetthaltige Ernährung. Eine Fettleber macht meistens keine Beschwerden, kann sich aber entzünden, was starke Oberbauchschmerzen, Gelbsucht, Fieber und Leberfunktionsstörungen nach sich ziehen kann.

Durch andauernde oder stetig wiederkehrende Entzündung der Leber entwickelt sich aus der Fettleber eine Leberzirrhose. Die Leberzirrhose erhöht das Risiko für das hepatozelluläre Karzinom (ein Leberkrebs).

Polyzystisches Ovarial-Syndrom betrifft vor allem übergewichtige Frauen

Bei dem Polyzystischen Ovarial-Syndrom (Abkürzung: PCOS oder PCO-Syndrom) handelt es sich um eine Stoffwechselstörung, die mit den namensgebenden Zysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume) in den Ovarien (Eierstöcken) einhergehen kann. Trotz der Bezeichnung müssen aber keine Zysten vorliegen, um das Syndrom feststellen zu können. Häufig wird das Polyzystische Ovarial-Syndrom nicht erkannt, es sollen aber vier bis zwölf Prozent der fruchtbaren Frauen darunter leiden.

Auffällig sind Störungen der Monatsblutung, die ausbleiben oder seltener auftreten kann. Darüber hinaus treten weniger oder keine Eisprünge auf, was Ursache einer Unfruchtbarkeit sein kann, die adipöse Frauen gehäuft betrifft. Zusätzlich fallen eine gesteigerte Behaarung mit männlichem Verteilungsmuster, Akne, Haarausfall und eine tiefere Stimme bei betroffenen Frauen auf.

Adipositas senkt die Lebenserwartung

Nach Ergebnissen der Framingham-Studie zeigt sich bereits bei moderatem Übergewicht (BMI größer 25 bis kleiner 30) eine Verringerung der Lebenserwartung, die im Durchschnitt 3,2 Lebensjahre beträgt. Adipositas senkt die Lebenserwartung noch einmal deutlich um 7,1 Jahre bei Frauen und 5,8 Jahre bei Männern.

Es ist anzunehmen, dass Übergewicht eine ähnliche Bedeutung hat wie das Tabakrauchen. Mit der Adipositas geht nicht nur eine erhöhte Rate aller Todesursachen einher, sondern auch ein erhöhtes Operations- und Narkose-Risiko, was sich ebenfalls auf die Sterblichkeit auswirkt.

Psychische Auswirkungen von Adipositas

Fettleibige Menschen erfahren häufig Ausgrenzung und Ablehnung bis hin zu Mobbing im sozialen Bereich. Mit ursächlich dafür ist, dass Adipositas von den meisten noch nicht als Krankheit, sondern als Willensschwäche betrachtet wird. Weit verbreitet ist die Meinung, dass Übergewicht selbst verschuldet sei. Als Reaktion darauf ziehen sich Adipositas-Patienten häufig sozial zurück und haben mit niedergedrückter Stimmung zu kämpfen. Die Folgen können Depression, Angststörungen und eine Verminderung des Selbstwertgefühls sein.

Weitere Folgeerkrankungen von Adipositas

Adipositas und Bewegungsmangel belasten den Skelett- und Band-Apparat des Körpers. Besonders häufig betroffen sind die Knie und Sprunggelenke, auf denen das gesamte Körpergewicht ruht und die darum häufiger Verschleißerkrankungen wie Arthrose aufweisen. Außer dem Diabetes sind auch andere Stoffwechselprozesse auffällig betroffen. Beispielsweise fällt mehr Harnsäure an, was zu einer Hyperurikämie (krankhaft erhöhter Harnsäurespiegel im Blut) und zur Gicht führen kann.


Quellen:

  1. Adipositas und Esssucht: Symptome, Begleit- und Folgeerkrankungen. Wort & Bild Verlag. URL: apotheken-umschau.de
  2. Übergewicht und Adipositas. Robert Koch Institut. URL: rki.de
  3. Übergewicht und die Folgen. Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität. URL: med.uni-goettingen.de
  4. Auswirkungen von Übergewicht auf den Körper. Haggerty CL et al, J Infect Dis. 2010 Jun 15;201 Suppl 2:S134-55. doi: 10.1086/652395. URL: dbknb.de
  5. Gesundheitsökonomische Betrachtung der Adipositas. Technische Universität Berling, Innovationszentrum Technologien für Gesundheit & Ernährung IGE. URL: ige.tu-berlin.de

Aktualisiert am: 25.11.2016

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