Viren als Auslöser von Geschlechtskrankheiten

Unter Geschlechtskrankheiten ist eine Infektion zu verstehen, die hauptsächlich über ungeschützten Geschlechtsverkehr beim Kontakt durch Scheidensekret oder Sperma übertragen wird. Virus-Infektionen können neben 30 anderen Krankheitserregern wie zum Beispiel Bakterien oder Parasiten für Geschlechtskrankheiten verantwortlich sein. Zu den weiteren möglichen Übertragungsträgern zählen Blut- und Speichel- sowie oraler Kontakt mit Spermien oder Scheidensekret, wenn diese durch eine offene Wunde im Mundraum in die Schleimhaut eindringen können.

Von einer Virus-Infektion sind in der Regel die Schleimhäute der Scheide, die Schamlippen, der Penis sowie das Gesäß betroffen. Die sogenannte virale Geschlechtskrankheit kann zudem innere Organe sowie das Zellsystem befallen. Hier kann es je nach Virusart und Virusausbreitung zur Unfruchtbarkeit sowie schlimmstenfalls zum Tode führen, wie bei einer HIV- oder Hepatitis-B-Ansteckung.

In zahlreichen Fällen ist eine Geschlechtskrankheit durch einen viralen Infekt gut bemerkbar. Krankheitsbedingte Hautveränderungen sowie -entzündungen und Juckreiz im Genitalbereich, sind häufig erste Anzeichen einer Geschlechtskrankheit. Dennoch müssen virale Geschlechtskrankheiten nicht für jedermann sichtbar sein. Die Folge daraus ist ein hohes potenzielles Ansteckungs- und Übertragungsrisiko.

Feigwarzen (HPV)

Feigwarzen zählen zu den am meisten übertragenden Geschlechtskrankheiten, die durch eine Infektion mit sogenannten humane Papillomaviren ausgelöst wird. Die HPV werden über in den meisten Fällen über den vaginalen- sowie analen Geschlechtsverkehr übertragen. Voraussetzung für eine Infektionsansteckung sind Hautverletzungen, durch die der Virus in das Gewebe eindringen kann.

Humane Papillomviren

Nach einer Ansteckung nistet sich der Virus unter die oberste Hautschicht ein, worauf sich eine Warze entwickeln kann, aber nicht zwangsläufig muss. Spezielle Gegebenheiten begünstigen das Heranwachsen zu einer Feigwarze, wie zum Beispiel ein geschwächtes Immunsystem. In diesem Stadium kann es zu leichtem Juckreiz kommen.

Feigwarzen sind gutartige Hautwucherungen. Diese sind meist an einem kleinen Knötchen zu erkennen, der eine stecknadelkopfgroße Form besitzt und eine rötliche, bräunliche oder grau-weißliche Farbe aufweist. Sie treten in der Regel in hoher Anzahl auf und sind nah nebeneinander positioniert.

Überwiegend befinden sich Feigwarzen an den äußeren Genitalien oder im Afterbereich. Ein Befall bis in den Enddarm und den Gebärmutterhals ist möglich. Manche HP-Virus-Typen können beim Oralverkehr in der Mundschleimhaut das Risiko auf Mundtumore erhöhen.

Genitalherpes

Herpes Genitales gehört zum Typ II der Herpesviren, wobei Herpes-Simplex Typ I sich beispielsweise als Lippenherpes zeigt, aber unter Umständen einen Genitalherpes auslösen kann. Die Übertragung des Virus erfolgt überwiegend über den Kontakt genitaler Körperflüssigkeiten. Für Frauen liegt die Ansteckungsgefahr höher, als bei Männern. Grundsätzlich gilt: je weiter ein Genitalherpes entwickelt ist, desto höher ist das Übertragungsrisiko. Dieser Fall tritt ein, wenn die Herpesbläschen kurz vor Entstehung oder bereits gebildet sind.

Erste Anzeichen für Genitalherpes ist ein mit Schmerzen verbundener Juckreiz sowie Kribbeln und Brennen im Bereich der Genitalien, am After oder dem Gesäß. Bis zur Bläschenbildung vergehen zwischen drei bis sieben Tage. Diese Zeitspanne kann sich unter Umständen auch bis zu drei Wochen erstrecken.

Herpes Genitales Bläschen sind mit einer Flüssigkeit gefüllt und von einer geröteten Haut umgeben. Bräunliche, eitrige Krustenbeläge können sich bilden, die nach zwei bis drei Wochen selbstständig abheilen. In diesem Stadium können grippeähnliche Symptome auftreten, wie beispielsweise:

  • Fieber
  • Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen
  • geschwollene Lymphknoten
  • Wasseransammlungen im Hautgewebe

Die Herpes Genitales auslösenden Viren verbleiben nach einer Ansteckung lebenslang im Körper. Inaktiv haben sie keine Auswirkung auf die Gesundheit und sind nicht übertragbar. Wann sie ihren Status auf aktiv ändern und wieder ansteckungsfähig werden, ist von Patient zu Patient verschieden. Mit zunehmendem Alter reduziert sich das Rückfallrisiko, während Patienten mit geschwächtem Immunsystem oder akuten Infektionskrankheiten das Rückfallrisiko steigt.

Hepatitis B

Hepatitis B ist einer von insgesamt fünf Virentypen. Dieser Virustyp wird in der Regel über ungeschützten Geschlechtsverkehr von der infizierten Person auf eine andere übertragen. Hepatitis B gilt als hochansteckend und ist in Deutschland laut Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.

Der Hepatitis-B-Virus, kurz HBV, ist ein sogenannter doppelsträngiger DNA-Virus, der aus der Familie der Hepadnaviridae stammt. Der Name setzt sich unter anderem aus dem lateinischen Wort "hepar" zusammen und bedeutet "Leber". Hier wird der Bezug zum eigentlichen Vermehrungsort der Hepadnaviren hergestellt, denn diese befallen überwiegend die Leberzellen. Erste Symptome treten häufig zwischen dem zweiten und sechsten Monat nach der Virusübertragung auf. Dazu zählen:

  • Gelbsucht
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Durchfall
  • Appetitlosigkeit

Die akute Hepatitis B kann in ein chronisches Stadium überlaufen. Mehrheitlich bleiben die körpereigenen Antikörper gegen Viren nach einer Infektion ein Leben lang bestehen und sorgen für eine HBV-Immunität. Bei einer chronischen Hepatitis B agieren die Viren aktiv weiter. Die Gründe dafür können unter anderem genbedingt oder Immunschwäche sein.

Von circa zwei Milliarden Menschen, die weltweit den Hepatitis B Virus mindestens einmal in sich trugen, sind derzeit rund fünf Prozent von einem chronischen Verlauf betroffen. Ohne Behandlung kann die chronische Hepatitis B zu Bewusstseinsveränderungen, Leberzirrhose sowie Leberkrebs und letztendlich zum Tod führen.

HIV

Bei dem Humane Immundefizienz-Virus, kurz HIV, handelt es sich eine Immunschwäche-Erkrankung, die als die gefährlichste Virus-Infektion und Geschlechtskrankheit der Welt zählt. Die Übertragung von HIV erfolgt über ungeschützten analen oder vaginalen Geschlechtsverkehr und Blutkontakt mit infiziertem Blut. Letzteres kann zum Beispiel über gebrauchtes Injektionsbesteck, bei einer Wundversorgung oder durch unsterile Tätowiernadeln erfolgen. Sehr selten kommt eine HIV-Übertragung durch Bluttransfusionen in deutschen Krankenhäusern vor. Eine Übertragung durch eine infizierte Mutter auf das ungeborene Kind ist ebenfalls möglich.

Bei der HIV-Erkrankung kommt es schrittweise zur Schädigung des Immunsystems, die im Laufe meist von mehreren Jahren ohne nennenswerte Symptomatik in das Immundefizienzsyndrom übergeht, das unter dem Namen AIDS bekannt ist. Die Schwächung des Immunsystems hat zur Folge, dass der Körper anfälliger vor allem für infektiöse und bakterielle Krankheiten wird.

Bei einer fortgeschrittenen AIDS-Erkrankung kann bereits ein grippaler Infekt lebensbedrohliche Folgekrankheiten wie Lungenentzündung nach sich ziehen, die aufgrund des geschwächten Immunsystems zum Tod führen können. Trotz zahlreicher Forschungsuntersuchungen ist es bis heute nicht gelungen, HIV zu eliminieren oder den Fortlauf der Infektionskrankheit zu stoppen. AIDS führt zum Tod.

Vorbeugung von viralen Geschlechtskrankheiten

Grundsätzlich ist von ungeschütztem Geschlechtsverkehr abzuraten, wenn nicht 100-prozentig auszuschließen ist, dass der Partner eine Geschlechtskrankheit übertragen könnte. Zum Schutz ist der Gebrauch von Kondomen unerlässlich. Insbesondere bei öfter wechselnden Geschlechtspartnern steigt das Ansteckungsrisiko ohne den Gebrauch eines Kondoms spürbar.

Wenn eine längerfristige sexuelle Beziehung angestrebt wird, empfiehlt es sich erst dann von einem Kondom abzusehen, wenn sich beide Partner auf eine eventuelle virale Geschlechtskrankheit haben untersuchen beziehungsweise testen lassen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen geben langfristig mehr Sicherheit für beide Partner.

Im Umgang mit Blut ist auf äußerste Vorsichtsmaßnahmen zu achten. Bei Wundbehandlungen anderer Personen sind Schutzhandschuhe zu tragen, um einem Kontakt mit Blut vorzubeugen. Von dem Gebrauch von unsterilen Injektionen und Spritzen ist grundsätzlich abgesehen.

Behandlung von durch Viren ausgelöste Geschlechtskrankheiten

Viren als Auslöser für Geschlechtskrankheiten können in der Regel erfolgreich behandelt werdet, wenn sie frühzeitig diagnostiziert wurden. Hier stehen labortechnische Untersuchungen von Abstrich-Materialien sowie Blut zur Verfügung. In schwerwiegenderen beziehungsweise nicht ausreichend definierbaren Fällen können Viren über ein Gewebekulturverfahren in ihrer Anzahl bestimmt werden.

Viren sind gegen Antibiotika immun. Gegen Feigwarzen werden in der Regel spezielle Lösungen oder Cremes verordnet. Zahlreiche Produkte sind mit einer säureähnlichen Wirkung erhältlich. Bei anderen Produkte entsteht ein hoher Kälteeffekt, der eine Feigwarze absterben lässt. Eine Alternative stellt die operative Entfernung dar, die vor allem bei hartnäckigen Feigwarzen zum Erfolg führt.

Wirkungsmechanismus von Virustatika

Eine Behandlung bei Herpes Genitales bedarf es in den meisten Fällen nicht, da sie eigenständig abheilen. Wer den Heilungsprozess dennoch unterstützen möchte, kann auf meist verschreibungspflichtige Virustatika zurückgreifen. Für einen schnellen Heilungsprozess und für Patienten, die unter kontinuierlich wiederkehrenden Herpes Genitales leiden, können Virustatika intravenös oder als Infusion verabreicht werden.

Bei einer akuten Hepatitis B wird die Behandlung überwiegend auf die Symptombesserung anstatt Virusbekämpfung reduziert. Durch Bettruhe, Vermeidung von Stress sowie Alkohol- und leberbelastendem Medikamentenverzicht klingt eine akute Hepatitis B eigenständig ab. Sollte dies nicht der Fall sein und es besteht die Gefahr eines Übergangs zu einer chronischen Hepatitis B, verordnen behandelnde Ärzte oftmals Virustatika, die für eine Hemmung der HBV-Vermehrung sorgen. Bei einer fortgeschrittenen chronischen Hepatitis B Erkrankung mit lebensbedrohlichem Leberschaden, kann eine Lebertransplantation Leben retten.

Für Patienten mit einer HIV-Infektion sind derzeit keine Behandlungsmöglichkeiten bekannt, die eine Heilung zur Folge haben. Neuste Behandlungsmethoden konnten bisher bei vielen HIV-Infizierten den Krankheitsverlauf verzögern und auf diese Weise die Lebenserwartung verlängern. Hier kommen vor allem Immuntherapien zum Einsatz, die das Abwehrsystem stärken.


Quellen:

  1. Hepatitis B: Unterschied zwischen akuter und chronischer Infektion entschlüsselt.aerztezeitung.de
  2. Sexuall übertragbare Krankheiten (STDs) Berufsverband der Frauenärzte e.V. URL: frauenaerzte-im-netz.de
  3. Sexuell übertragbare Krankheiten. pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V. Bundesverband. URL: profamilia.de
  4. Geschlechtskrankheiten. Deutscher Verlag für Gesundheitsinformation GmbH. URL: geschlechtskrankheiten.de

Veröffentlicht am: 22.09.2016
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