Die medikamentöse Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie)

Bluthochdruck (Hypertonie) ist die Bezeichnung für einen dauerhaft erhöhten Blutdruck, der bei 140/90 mmHg oder höher liegt. Sinkt der Blutdruck durch die Einnahme entsprechender Medikamente unter den kritischen Wert von 140/90 mmHg, handelt es sich um eine kontrollierte Hypertonie. Auf der Basis dieser Definition sind etwa 44 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer von Hypertonie betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, Bluthochdruck zu bekommen, steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.

Unbehandelt kann eine Hypertonie schwere Folgeschäden verursachen wie zum Beispiel Arteriosklerose, Sehstörungen, Herzmuskelschwäche, Herzinfarkt, Schlaganfall und Niereninsuffizienz. Um dies zu vermeiden, sind eine umfassende Prävention und eine möglichst frühzeitige und sorgfältige Behandlung erforderlich. Diese umfasst in der Regel Lebensstil-verändernde Maßnahmen und eine medikamentöse Therapie.

Behandlungsziele einer Hypertonie Therapie

Das übergeordnete Ziel der Hypertonie-Behandlung besteht darin, den Blutdruck so zu normalisieren, dass mögliche Begleit- und Folgeerkrankungen nicht auftreten. Eine solche Normalisierung bedeutet konkret, dass der systolische Wert dauerhaft unter 140 mmHg und der diastolische Wert unter 90 mmHg sinkt.

Für bestimmte Patientengruppen wie Diabetiker, Schwangere, Kinder und Patienten mit chronischer Nierensuffizienz gelten typischerweise etwas niedrigere Zielblutdruckwerte (meistens < 130/80 mmHg). Bei der Festlegung der Zielblutdruckwerte berücksichtigen Ärzte in der Regel die individuellen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Begleit- und Folgeerkrankungen, die der Patient aufweist. Um die angestrebten Blutdruckwerte zu erreichen, ist die konsequente und regelmäßige Einnahme entsprechender Medikamente angezeigt.

Wirkstoffgruppen zur Behandlung von Bluthochdruck

Es gibt verschiedene Wirkstoffgruppen, die bei der Behandlung von Bluthochdruck zum Einsatz kommen. Die fünf großen Wirkstoffklassen sind ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika, Kalziumantagonisten und Angiotensinrezeptorblocker. Sie zeigen eine vergleichbare Wirksamkeit und eignen sich für die Initial- und Dauerbehandlung in Form einer Mono- oder Kombinationstherapie.

Die Wirkstoffgruppen unterscheiden sich jedoch zum Teil in Wirkungsweise und Anwendung, gehen teilweise mit unterschiedlichen Nebenwirkungen einher und unterliegen bestimmten Kontraindikationen (Gegenanzeigen), die eine Anwendung ausschließen. Als Mittel der ersten Wahl gelten ACE-Hemmer, Diuretika und Beta-Blocker. Bei einer bestehenden Unverträglichkeit oder aus anderen differenzialtherapeutischen Gründen kann stattdessen die Anwendung von Kalziumantagonisten erfolgen.

ACE-Hemmer senken den Blutdruck auf dreifacher Weise

ACE-Hemmer wirken auf drei unterschiedliche Weise blutdrucksenkend. In erster Linie hemmen sie die Bildung des Hormons Angiotensin II, welches den Blutdruck erhöht. Darüber hinaus verstärken ACE-Hemmer die Ausscheidung von Kochsalz und Wasser über die Nieren. Und schließlich verlangsamen sie den Abbau des gefäßerweiternden Eiweißstoffes Bradykinin, sodass dessen Wirkung länger aufrechterhalten bleibt.

Wirkungsweise von ACE-Hemmern

Beispiele für ACE-Hemmer

Es gibt zahlreiche Wirkstoffe, die der Gruppe der ACE-Hemmer zugeordnet sind. Zu den bekanntesten Wirkstoffen (und Handelsnamen) gehören:

  • Captopril (zum Beispiel Cor tensobon, Lopirin Cor)
  • Lisinopril (Acerbon)
  • Ramipril (unter anderem Delix, RamiLich und Vesdil)

Der Wirkstoff Captopril erreicht seine maximale Wirkung bereits nach 1 bis 2 Stunden und hat eine Wirkungsdauer von 8 bis 12 Stunden. Alle anderen ACE-Hemmer benötigen zum Erreichen der maximalen Wirkung länger (etwa 3 bis 6 Stunden), dafür ist die Wirkungsdauer mit 12 bis 48 Stunden erheblich länger. Captopril und Lisinopril werden neben der Blutdrucksenkung zur Entlastung des Herzens bei einer vorliegenden Herzmuskelschwäche oder akut nach einem Herzinfarkt eingesetzt. Ramipril findet darüber hinaus Anwendung bei verstopften Blutgefäßen oder Nierenerkrankungen.

Wann dürfen ACE-Hemmer nicht eingenommen werden?

ACE-Hemmer dürfen nicht eingenommen werden (absolute Kontraindikation) bei:

  • Angioneurotischem Ödem
  • Bilateraler Nierenarterienstenose
  • Hyperkaliämie
  • Schwangerschaft

Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte vor der Einnahme eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Analyse erfolgen (relative Kontraindikation).

Diuretika senken das Blutvolumen

Diuretika sind entwässernde, das heißt harntreibende Medikamente. Ihre Wirkung besteht darin, dass sie die Ausscheidung von Wasser und Kochsalz über die Nieren verstärken und das Blutvolumen senken. So verringern sie langfristig die Empfindlichkeit für Reize mit gefäßverengender Wirkung.

Beispiele für Diuretika

Es gibt verschiedene Typen von Diuretika, die sich in ihrem Wirkungsmechanismus und -ort voneinander unterscheiden. Die drei bekanntesten Diuretikagruppen sind:

  • Thiaziddiuretika
  • Schleifendiuretika
  • Kaliumsparende Diuretika

Thiaziddiuretika gelten als Mittel der ersten Wahl, wenn Diuretika zur Behandlung von Hypertonie eingesetzt werden sollen. Diese Gruppe Diuretika umfasst unter anderem die Wirkstoffe Bendroflumethiazid (z. B. Dociretic), Hydrochlorothiazid (z. B. Disaluni, Esidrix) und Indapamid (z. B. Inda Puren, Sicco).

Schleifendiuretika zeichnen sich durch eine schnelle Wirkung aus und können bei Patienten mit bereits eingeschränkter Nierenfunktion eingesetzt werden. Zu dieser Diuretikagruppe gehören unter anderem die Wirkstoffe Bumetanid (im Handel z. B. erhältlich unter dem Namen Burinex), Furosemid (z. B. Diurapid, Furobeta), und Torasemid (Unat, Toracard).

Kaliumsparende Diuretika tragen ihre besondere Eigenheit bereits im Namen: Sie halten den Mineralstoff Kalium trotz der erhöhten Salz- und Wasserausscheidung im Körper. Sie werden häufig in Kombination mit anderen Arzneimitteln gegeben, um eine maximale Wirkung zu erzielen. Zu dieser Gruppe Diuretika gehören unter anderem die Wirkstoffe Amilorid (z. B. Jatropur, Midamor), Eplerenon (z. B. Inspra) und Triamteren (z. B. Arumil, Dyrenium).

Wann dürfen Diuretika nicht eingenommen werden?

Die Einnahme von Diuretika bei Gicht ist nicht möglich (absolute Kontraindikation). Vorsicht (relative Kontraindikation) ist ebenfalls geboten, wenn folgende Situationen / Erkrankungen vorliegen:

  • Schwangerschaft
  • Glukoseintoleranz
  • Metabolisches Syndrom
  • stark erhöhter Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie)
  • zu niedriger Kaliumspiegel im Blut (Hypokaliämie)
  • Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln (Thrombose)

Beta-Blocker hemmen die Wirkung von Stresshormonen

Beta-Blocker blockieren die sogenannten Beta-Rezeptoren im Körper und hemmen damit die Wirkung bestimmter Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin. Das hat zur Folge, dass Puls und Blutdruck und die Schlagkraft des Herzens gesenkt werden, sodass dieses langsamer schlagen kann und weniger belastet wird.

Wirkung von Beta-Blockern

Beispiele für Beta-Blocker

Die Gruppe der Beta-Blocker umfasst zahlreiche verschiedene Wirkstoffe, von denen die meisten zusätzlich zur Senkung des Blutdrucks eingesetzt werden. Besonders verbreitet sind die Wirkstoffe (und Medikamente):

  • Metoprolol (Handelsname: u. a. Beloc, Lopresor)
  • Bisprolol (z. B. Bisoprolol, Concor)
  • Atenolol (Tenormin)

Metoprolol findet nicht nur Anwendung in der Hypertonie-Therapie, sondern wird ebenfalls zur Behandlung von koronaren Herzkrankheiten, Herzrhythmusstörungen sowie zur Akutbehandlung von Herzinfarkten und zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt. Die Behandlung mit Bisoprolol beginnt stets mit einer sehr niedrigen Dosierung, die bei Bedarf sukzessive gesteigert wird. Der Wirkstoff Atenolol führt aufgrund seiner schlechten Fettlöslichkeit zu weniger Nebenwirkungen im zentralen Nervensystem wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit.

Wann dürfen Beta-Blocker nicht eingenommen werden?

Als absolute Kontraindikationen für die Einnahme von Beta-Blockern gelten Asthma und bestimmte Formen von Herzrhythmusstörungen. Nur nach einer sorgfältigen Risiko-Nutzen-Analyse (relative Kontraindikation) durch den Arzt ist die Anwendung möglich bei:

  • Glukoseintoleranz
  • Metabolischem Syndrom
  • chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung
  • Schuppenflechte
  • Athleten oder sehr sportlich aktiven Patienten

Kalziumantagonisten reduzieren die Gefäßspannung

Die Wirkung von Kalziumantagonisten besteht darin, dass sie die in den Herz- und Gefäßmuskelzellen vorhandenen Kalzium-Kanäle blockieren. So kann kein Kalzium mehr in die Zellen eindringen und die Gefäßspannung beziehungsweise der Gefäßwiderstand wird geringer. Die Folge: Der Blutdruck sinkt.

Wirkung von Kalziumantagonisten

Beispiele für Kalziumantagonisten

Zu den Kalziumantagonisten oder Kalziumkanalblockern gehören verschiedene Wirkstoffe, die einzeln oder in Kombination eingenommen werden können. Letzteres ist heute üblicher. Bekannte Wirkstoffe (und Handelsnamen) sind:

  • Amlodipin (z. B. Norvasc)
  • Nimodipin (Nimotop)
  • Diltiazem (z. B. Dilzem, Diltaretard)

Im Vergleich zu anderen Kalziumantagonisten hat Amlodipin einen verzögerten Wirkungseintritt, dafür aber eine sehr lange Wirkungsdauer, sodass eine einmal tägliche Einnahme ausreicht. Nimodipin hat die besondere Eigenschaft, über die Blut-Hirn-Schranke zu überqueren und die Hirnzellen zum Beispiel vor einer Überschwemmung durch Kalzium bei einem Schlaganfall zu schützen.

Diltiazem wirkt gleich auf mehrere Arten: Es erweitert die Gefäße, verringert die Erregungsleitung am Herzen und sorgt dafür, dass sich der Herzschlag abschwächt und verlangsamt.

Wann dürfen Kalziumantagonisten nicht eingenommen werden?

Je nach Art der Kalziumantagonisten sollten diese nicht eingenommen werden, wenn Patienten an einer Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen leiden.

Mono- vs. Kombinationstherapie

Arzneimittel aus den fünf großen Wirkstoffklassen können in der Hypertonie-Behandlung einzeln (Monotherapie) oder in Kombination (Kombinationstherapie) eingesetzt werden. Ob eine Mono- oder Kombinationstherapie erfolgen soll, hängt von bestimmten Merkmalen des Patienten ab. So haben beispielsweise bestehende Vorerkrankungen oder bereits aufgetretene Begleit- oder Folgeerkrankungen einen Einfluss auf die Wahl der medikamentösen Behandlung.

Es kommt vor, dass die anfängliche medikamentöse Therapie nicht den gewünschten Effekt zeigt. In diesem Fall kann ein Wechsel des Medikaments oder die Anwendung in Kombination mit einem anderen Wirkstoff zum Erfolg führen. Bei den meisten Patienten ist eine Kombinationstherapie erforderlich, um eine ausreichende Blutdrucksenkung zu realisieren.


Quellen:

  1. Hypertonie.gbe-bund.de
  2. Bluthochdruck. Berufsverband deutscher Internisten. URL: internisten-im-netz.de
  3. Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie. Deutsche Hochdruckliga e.V. URL: hochdruckliga.de
  4. Arterielle Hypertonie. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). URL: akdae.de
  5. Beta-Blocker: Wie gut sind sie?. Deutsche Herzstiftung e. V.URL: herzstiftung.de

Veröffentlicht am: 26.09.2016
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