Statine zur Senkung des Cholesterinspiegels

Besonders im Alter kommt es bei vielen Deutschen zu der Atherosklerose, der volkssprachlichen Arterienverkalkung. Dies kann wiederum zu schwerwiegenden gesundheitlichen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt führen.

Ursache der Atherosklerose sind jahrelange Ablagerungen von Cholesterin und Fett in den Blutgefäßen, wodurch das Blut nicht mehr richtig fließen und den Körper mit Sauerstoff und den Nährstoffen versorgen kann.

Da die hohen Cholesterin-Werte im Blut in der Regel durch eine falsche Ernährung und Bewegungsmangel zustande kommen, muss der Patient als Erstes seine Essgewohnheiten umstellen und sich körperlich mehr bewegen. Kann der erhöhte Cholesterin-Wert jedoch auf diesem Wege nicht gesenkt werden, dann wird der Arzt Statine zum Einsatz bringen.

Was sind Statine?

Statin ist ein Arzneistoff, der zu der Klasse der 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-Coenzym-A-Reduktase-(HMG-CoA-Reduktase-)Inhibitoren gehört. Der Wirkstoff wird umgangssprachlich auch als Cholesterin-Synthese-Enzym-Hemmer (CSE-Hemmer) oder HMG-CoA-Reduktasehemmer bezeichnet.

Die Aufgabe von Statinen ist es:

  • schädliche Gefäßablagerungen verhindern
  • das Cholesterin zu senken
  • die Blutfettwerte zu senken
  • dadurch das Risiko für Herzinfarkte verringern
  • und das Schlaganfallrisiko zu senken

Anwendungsgebiete von Statinen

Die Wirkstoffgruppe der Statine finden ihre Anwendung zur kardiovaskulären Prävention und Therapie. Die gängigen Medikamente mit den Wirkstoffen Statin werden eingesetzt, um bei Patienten mit Vorerkrankungen des Herzens, erblichen Ursachen und bei starkem Übergewicht den Cholesterinspiegel zu senken oder Gefäßverkalkungen zu verhindern. So können Schlaganfall, Herzinfarkt und Angina Pectoris verhindert werden.

Nach neuen Erkenntnissen helfen Statine, den Alterungsprozess sowohl von Arterien als auch von anderen Körperzellen aufzuhalten. Daher können Medikamente mit dem Wirkstoff Statin wie eine Art "Jungbrunnen" wirken.Nach Meinung der Forscher können deshalb zum Beispiel auch Krebspatienten während einer Chemotherapie einen Nutzen aus dem Wirkstoff Statin ziehen, da dieser nicht nur das arterielle Gewebe, sondern auch andere Körperzellen vor DNA-Schäden bewahren kann.

Wirkungsweise von Statinen

Die Blutfette wie Cholesterin und Triglyceride sind wichtige Bestandteile des menschlichen Organismus. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der Zellmembranen und gelten als Grundkomponente mehrerer Hormone. Ein dauerhaft erhöhter Blutfettspiegel kann sich jedoch sehr schädlich auf den Körper auswirken und zu gravierenden Gesundheitsschädigungen oder sogar zum Tod führen.

HDL und LDL Cholesterin in der Arterie

Statine sind dafür bekannt, dass sie die Aktivität der HMG-CoA-Reduktase hemmen können. Dadurch erfolgt auf indirektem Wege eine Verschiebung des Cholesterins aus dem Blut heraus und in die Zellen hinein. Die LDL-Konzentration kann um bis zu 40% gesenkt werden, bei einer gleichzeitigen Erhöhung des HDL-Cholesterins und einer Senkung der Konzentration von Triglyceriden. Eine indirekte Wirkung (pleiotrope Effekt) kann auf eine Stabilisierung arteriosklerotischer Plaques und die Verlangsamung der Arteriosklerose zugesprochen werden.

Wirkstoffe, die zu der Reihe der Statine zählen

In Europa sind derzeit die folgenden Wirkstoffe aus der Reihe der Statine zugelassen:

Besonderheiten einzelner Wirkstoffe

Atorvastatin senkt das LDL-Cholesterin wesentlich effektiver als die anderen Wirkstoffe. Dank der Atrovastatin-Einnahme kann eine Atherosklerose kann gestoppt werden.

Fluvastatin zeigt das kleinste Interaktionsrisiko auf und ist daher besonders geeignet, wenn zusätzliche Medikamente genommen werden müssen. Außerdem gibt es geringere Muskelnebenwirkungen als bei anderen Wirkstoffen.

Simvastatin ist als einziges Statin bereits durch klinische Langzeitstudien in seiner Verträglichkeit und Wirkungsweise gesichert.

Rosuvastatin ist schon bei einer recht geringen Dosierung sehr effektiv. Pitavastatin kann neben der Senkung des Cholesterins auch entzündungshemmend und antioxidativ wirken. Außerdem kann es den Anstieg von HDL begünstigen.

Welches dieser Medikamente im Einzelfall verschrieben wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Das sind zum Beispiel der generelle Gesundheitszustand des Patienten und die Schwere der Erkrankung. Es spielen auch Unverträglichkeiten und die Einnahme anderer Medikamente eine entscheidende Rolle.

Produktbeispiele

Crestor

Hersteller:
AstraZeneca
Wirkstoff:
Rosuvastatin
Darreichungsform:
Tablette
Dosierung:
5 mg, 10 mg, 20 mg, 40 mg
Einnahme:
oral
Abgabeform:
rezeptpflichtig

Welche Unterschiede gibt es bei den Wirkstoffen?

Obwohl sie der gleichen Wirkstoffgruppe angehören, unterscheiden sich die Substanzen in einigen Aspekten von einander. Welches Medikament zum Einsatz kommt, hängt von dem Schweregrad der Erkrankung und des generellen Gesundheitszustandes ab. Ebenfalls müssen eventuelle Unverträglichkeiten beachtet werden.

Atorvastatin gilt als die potenteste Substanz unter den Statinen und weist eine wesentlich effektiver in der Senkung von LDL-Cholesterin als die anderen Wirkstoffe. Außerdem kann mithilfe von Atorvastatin eine Atherosklerose nicht nur verlangsamt, sondern gestoppt werden. Anti-inflammatorische Eigenschaften scheinen laut Studien bei Atorvastatin besonders ausgeprägt zu sein.

Fluvastatin weist das geringste Interaktionsrisiko auf und ist daher empfehlenswert, wenn der Patient gleichzeitig andere Medikamente einnehmen muss. Zudem treten während der Fluvastatin-Behandlung geringere Muskelnebenwirkungen auf.

Rosuvastatin ist bereits in geringer Dosierung effektiv. Simvastatin ist der einzige Wirkstoff, dessen Langzeitergebnisse klinisch gesichert sind.

Pitastatin hat neben der cholesterinsenkenden Wirkung auch antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. Die Substanz soll den Anstieg von HDL besonders begünstigen.

Welche Substanz verschrieben wird, entscheidet der behandelnde Arzt individuell abhängig von dem allgemeinen Gesundheitszustandes, möglicherweise anderen Erkrankungen und den anderen eingenommenen Medikamenten des Patienten.

Nebenwirkungen von Statinen

Jeder Mensch reagiert anders auf bestimmte Wirkstoffe. Daher kann es auch vereinzelt bei der Einnahme von Statine zu Nebenwirkungen kommen.

Seltene Nebenwirkungen:
  • Schwindel
  • Schwächegefühl,
  • Blutarmut,
  • Übelkeit,
  • Kopfschmerzen
  • Juckreiz
  • Muskelbeschwerden,
  • Überempfindlichkeitsreaktion,
  • Verdauungsbeschwerden,
  • Leberentzündung.
Sehr seltene Nebenwirkungen:
  • Schlaflosigkeit
  • Leberversagen,
  • sexuelle Funktionsstörung,
  • Verstopfung,
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis)
  • Atemnot
  • Schlafstörungen,
  • Gedächtnisverlust,
  • Depression
  • Impotenz.

Besonders Diabetiker neigen bei der Einnahme von Statin zu Nervenstörungen wie Muskelzuckungen, Taubheitsgefühl oder brennenden Mißempfindungen muss Statin sofort abgesetzt werden.

Bei einer gleichzeitigen Einnahme von Ciclosporin und Statinen kann es in manchen Fällen zu der Muskelerkrankung Rhybdomyolyse kommen. Ist eine gleichzeitige Gabe unumgänglich, muss der Wirkstoff Statine schwächer dosiert werden.

Rund 18 Prozent der Deutschen leiden an einer erblichen Veranlagung, durch die es bei der Einnahme von Simvastatin zu einem sehr erhöhtem Risiko eines Muskelschaden kommt. Der menschliche Organismus kann in diesem Fall den Wirkstoff des Simvastatin nicht mehr abbauen. Dieser lagert sich dann im Körper an. Es drohen Erbgutveränderungen. Ein vor der Verschreibung durchgeführter Gentest kann die Zugehörigkeit zu dieser erblichen Veranlagung ausschließen, bzw. bestätigen.

Bei der Erhöhung der Leberwerte um das Dreifache nach der Einnahme oder bei der Erhöhung des CK-Wert (Zeichen der Muskelzerstörung) um das Fünffache muss die Dosis verringert oder ganz abgesetzt werden.

Statine begünstigen die Steigung des Blutzuckerspiegels und die Entstehung von Diabetes mellitus (Blutzuckererkrankung). Die Häufigkeit dieser Nebenwirkung hängt vom Gesundheitszustand des Patienten ab (Übergewicht, Bluthochdruck oder das Vorhandensein einer Fettstoffwechselstörung).

Wechselwirkungen von Statinen

Bei der Einnahme von Statin kann es zu Wechselwirkungen mit folgenden Medikamenten kommen:

  • Nefazodon (bei Depressionen)
  • Antibiotikas mit den Wirkstoffen Erythromycin und Clarithromycin oder Telithromycin
  • Danazol (Muskelaufbau)
  • Pilzmitteln
  • Blutfettsenkende Fibrate
  • Medikamenten gegen das HI-Virus
  • Die Wirkstoffe Verapamil und Diltiazem (Verstoffwechselung in der Leber)
  • Amiodaron ( bei Herzrhythmusstörungen)
  • Das Vitamin Niacin bei Dosierungen über 1 Gramm pro Tag
  • Ciclosporin.

Bei Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung besteht ein erhöhtes Risiko für eine Muskelzerstörung, wenn gleichzeitig die Medikamente Colchicin und Simvastatin eingenommen werden.


Quellen:

  1. Statine und Sekundärprävention der koronaren Herzkrankheit: geschlechtsspezifische Aspekte. Krause & Pachernegg GmbH. URL: kup.at
  2. Statine: Mehr als nur Cholesterolsenker. Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH. URL: pharmazeutische-zeitung.de
  3. Statine: So wirken Cholesterinsenker. Wort & Bild Verlag. URL: apotheken-umschau.de
  4. Behandlung mit Statinen. Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V.. URL: herzgruppenservice.de

Aktualisiert am: 24.08.2016
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