Imiquimod: Anwendungsgebiet, Wirkung, Nebenwirkungen

Imiquimod gehört der Wirkstoffgruppe der Immunologika und der Familie der Imidazoquinoline an. Er unterstützt die körpereigene Immunabwehr bei Erwachsenen. Experten gehen davon aus, dass seine effektive, antitumorale Wirkungsweise auf der direkten Konnektierung mit den Immunzellen beruht. Über deren Oberfläche verbindet es sich mit den Rezeptoren (Verbindungsstellen) dieser und stärkt sie.

Seit den 1980er Jahren wird Imiquimod synthetisiert, um ein antivirales Präparat herzustellen. Circa zwanzig Jahre später erkannten Wissenschaftler jedoch das wahre Potenzial der innovativen Substanz als synthetischer Immunmodulator. Klinische Studien mit Imiquimod belegen, dass während einer vier- bis achtwöchigen Therapie (Anwendung dreimal wöchentlich) sehr oft lokale Nebenwirkungen wie beispielsweise Hautrötungen auftreten. Aktuellen Studienberichten zur Folge stehen diese jedoch im engen Zusammenhang mit der effektiven Wirkungsweise des Wirkstoffes.

Wann wird Imiquimod angewendet?

Der Wirkstoff Imiquimod eignet sich zur Behandlung von drei verschiedenen, viral verursachten Erkrankungen. Folgende Indikationen liegen für die verschreibungspflichtige Substanz vor:

  • Feigwarzen
    Imiquimod wird in Form einer Creme äußerlich aufgetragen, wenn Condylomata acuminata (Feigwarzen) sich im Bereich des Afters (Anus) beziehungsweise der Geschlechtsorgane (Genitalien) befinden.
  • Basalzellkarzinom (oberflächlich)
    Die häufig auftretende, langsam wachsende Hautkrebsform Basalzellkarzinom ist von einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit einer weiteren Ausbreitung geprägt. Meist tritt diese oberflächige Hautkrebsform bei Personen mit heller Haut im mittleren bis höheren Alter auf. Ausgelöst wird die Hauterkrankung durch übermäßige Sonneneinstrahlung. Besonders hohe Heilungschancen sind gegeben bei frühzeitiger Diagnose inklusive einem adäquaten Behandlungsbeginn.
  • aktinische Keratose
    Bei dieser Hauterkrankung handelt es sich um sehr raue Hautpartien, welche ebenso durch häufige als auch starke Sonneneinstrahlungen entstanden sind. Diese Hautstellen nehmen verschiedene Färbungen an: hautfarben, rosa, rot, braun oder gräulich. Je nach Ausprägung zeichnen sie sich durch ihre flachen, schuppigen beziehungsweise rauen, harten oder warzenartigen Eigenschaften aus.

Imiquimod eignet sich ausschließlich für Patienten mit einem starken Immunsystem. Zudem sollte es sich um flache Ausprägungen im Gesicht beziehungsweise auf der Kopfhaut des Erkrankten handeln.

Wie wirkt Imiquimod?

Die grundlegende Wirkung von Imiquimod beruht auf der Neubildung einzelner Hautzellen. Hierbei wirkt es als Immunmodulator. Ergebnissen klinischer Studien zur Folge verursacht der Wirkstoff bei äußerlichen Anwendungsformen Entzündungsreaktionen. Oft werden diese von Erosionen (Hautdefekt, Verdickung) beziehungsweise Erythemen (Rötungen der Haut) begleitet. Während dieser Vorgänge kommt es zur Synthese unterschiedlicher Zytokine (Eiweiße), welche das Immunsystem beeinflussen.

Strukturformel von Imiquimod (Aldara)

Weiterführende Studien belegen, dass genau an diesen Vorgängen der Wirkungserfolg von Imiquimod zu begründen ist. Wissenschaftler gelang es jedoch erst vor einigen Jahren, die detaillierten Vorgänge für die erfolgreiche Heilung genau zu entschlüsseln.

Wirkmechanismen von Wissenschaftlern entschlüsselt

Die Forscher begleiten die Untersuchungen durch fundierte, wissenschaftliche Begleituntersuchungen. Im Ergebnis wiesen sie nach, dass oben beschriebene Hautreizungen beziehungsweise -veränderungen den ersten Schritt zur Heilung darstellten.

Während diesem produzierte der Körper eine erhöhte Anzahl von Immunzellen. Unter ihnen befanden sich vorrangig plasmazytoide endritische Zellen (pDCs), welche ohne medikamentösen Einfluss meist nur in geringen Mengen in der Haut vorhanden sind.

Auch in kranken Hautpartien wurde ein Anstieg an pDCs beobachtet. Hier wirkten sie aktiv gegen oberflächliches Tumorwachstum und ermöglichten zum Teil die Rückbildung von Tumoren.

Wirkungsweise von Imiquimod

Der Vorteil einer Behandlung mit Imiquimod besteht zudem darin, dass sich die Anzahl an pDCs auf eine gezielte Rekrutierung dieser seitens des Immunsystems zurückführen lässt. Gleichzeitg werden TLR7 (Mastzellen der Haut) exprimiert.

Indem Imiquimod TLR7 entleert und gleichzeitig pDCs aktiviert werden beachtliche Mengen an Interferon alpha (IFN-alpha) produziert als auch ausgeschüttet. Dieses Eiweiß besitzt eine antivirale als auch antitumorigene Wirkung. Entsprechend werden infolge dessen verschiedene Tumorzellen attackiert und schlussendliche mithilfe einer komplexen Signalkette von innen heraus abgetötet.

Welche Nebenwirkungen bei der Anwendung von Imiquimod auftreten?

Sehr häufig kommt es an der Anwendungsstelle zu Juckreiz und Schmerzen.

Häufig verursacht Imiquimod Brechreiz, Gelenkschmerzen, Harnentleerungsstörungen, Infektion, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Reizung oder Brennen (am Auftragsort).

Zu gelegentlichen Effekten gehören Bakterieninfektion, Bauchschmerzen, Depression, Durchfall, Enddarmbeschwerden, Erbrechen, Lymphdrüsenschwellung, Infektion der oberen Atemwege, Hefepilzinfektion, Herpes simplex, Pilzinfektion, Scheidenentzündung, Ekzem, Essensverweigerung und Haarbalgentzündung.

Außerdem wurde von Hautröte, Halsschmerzen, Hautausschlag, Hautentzündungen, Juckreiz, nervliche Missempfindungen, Erektionsstörungen, Fieber, Geschlechtsverkehrsschmerzen, Lymphdrüsenschwellung, Schlaflosigkeit, Migräne, Muskelsteifheit und Ohrensausen berichtet.

Schnupfen, Stuhldrang, Schmerzen im Schambereich (bei Männern), Schweißbildungsverstärkung, Scheidenvorfall, Scheidenschmerzen, Scheidenhautabbau, Scheidenbeschwerden und Rückenschmerzen können ebenfalls auftreten.

Nebenwirkungen bei Basalzellkarzinom (Hautkrebs)

Sehr häufig kommt es Juckreiz am Auftragsort. Häufig kommt es zu Infektionen, Pusteln und Lymphdrüsenschwellung.

Am Auftragsort können außerdem Nebenwirkungen wie Ausschlag, Bluten, Brennen, Papeln, Reizungen, Rötungen und Schmerzen auftreten. Gelegentlich kommt es hierbei zu Absonderungen, Bläschen, Entzündungen, Schorfbildung und Schwellungen.

Gelegentlich berichten Patienten von Antriebslosigkeit, Brechreiz, grippeähnliche Erkrankung, Hautentzündung, Mundtrockenheit und Reizbarkeit.

Mögliche Nebenwirkungen bei aktinische Keratosen (Wucherungen auf der oberen Hautschicht)

Sehr häufig tritt Juckreiz am Auftragungsort auf. Häufige Nebenwirkungen des Arzneimittels sind Brechreiz, Gelenkschmerzen, Infektionen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen und Rückenschmerzen.

Begleiterscheinungen sind außerdem Brennen, Hautreaktion, Reizungen und Rötungen. Gelegentlich kommt es zu Augenliedschwellungen, Bindehautreizungen, Depression, Gliedschmerzen, Grippe, Fieber, Nasenverstopfungen und Lymphdrüsenschwellung.

Welche Wechselwirkungen sind durch Imiquimod möglich?

Bis dato gibt es keine Studienergebnisse zu möglichen Wechselwirkungen von Imiquimod. Da die Imiquimod-Creme nur minimal perkutan resorbiert wird, sind kaum Wechselwirkungen zu erwarten.

Welche Kontraindikationen (Gegenanzeigen) liegen vor?

Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Wirkstoff Imiquimod nicht geeignet, da noch nicht ausreichend Forschungsergebnisse für diese Patientengruppe vorliegen. Dies gilt auch für Personen, die überempfindlich auf den Wirkstoff reagieren.

Während der Schwangerschaft ist die Einnahme von Präparaten mit Imiquimod nur nach intensiver Risiko-Nutzen-Abwägung empfehlenswert. Da der Wirkstoff bei der Einnahme auf die Muttermilch übergeht, ist die Anwendung während der Stillzeit ausgeschlossen.

Bei folgenden Krankheitsbildern sollte eine Alternative zu Imiquimod eingenommen werden:

  • entzündetes Hautbild, denn hier besteht die Gefahr einer Verschlimmerung
  • Erwachsene mit verletzter Haut beziehungsweise nach einer chirurgischen oder medikamentösen Behandlung (Imiquimod kann nach Ende der Therapie zum Einsatz kommen)
  • Personen mit Autoimmunerkrankung
  • Patienten nach der Organverpflanzung, da Imiquimod zu Abstoßungsreaktion führen kann
  • Blutbildungsstörungen
  • Erwachsene mit einem geschwächten Immunsystem (beispielsweise durch HIV verursacht)

Weiterhin kommt die Behandlung mit dem Wirkstoff Imiquimod erst infrage, wenn eine Kryotherapie (Kältebehandlung) der betroffenen Stellen nicht möglich ist beziehungsweise seitens des Betroffenen als unangenehm empfunden wird. Zudem sind diesem Wirkstoff äußerlich anzuwendende Präparate vorzuziehen. Ist keine Wirkung zu verzeichnen, kann Imiquimod effektiv wirken und in diesem Sinne als Mittel der zweiten Wahl zum Einsatz kommen.


Quellen:

  1. Beipackzettel Aldara.. Wort & Bild Verlag. URL: apotheken-umschau.de

  2. Zusammenfassung der Merkmale des Medikaments Aldara. European Medicines Agency. URL: ema.europa.eu
  3. Mehr als ein Potenzmittel. Govi-Verlag Pharmazeutischer Verlag GmbH. URL: pharmazeutische-zeitung.de
  4. Entschlüsselt: Wirkungsmechanismus von Imiquimod. Institut für Krebsforschung, Klinik für Innere Medizin I, Comprehen- sive Cancer Center, Medizinische Universität Wien. URL: meduniwien.ac.at
  5. Wirkung von Imiquimod in der Thumortherapie. Comprehensive Cancer Center Vienna. URL: ccc.ac.at

Veröffentlicht am: 04.07.2016
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