Gestagen-Check: Desogestrel

Desogestrel ist ein Wirkstoff zur hormonellen Empfängnisverhütung. Das synthetische Gestagen der dritten Generation findet in der östrogenfreien Minipille Verwendung.

Die Substanz eignet sich für Frauen, die keine Östrogene zur Verhütung vertragen oder ihnen ablehnend gegenüberstehen. Stillende Mütter greifen auf Präparate mit Desogestrel zurück, da der Wirkstoff die Milchbildung nicht beeinträchtigt.

Was ist Desogestrel?

Desogestrel ist ein künstliches Gestagen, das von Gynäkologen als hormonelles Kontrazeptivum vor allem bei einer bestehenden Östrogenunverträglichkeit verschrieben wird. Es besteht als alleiniger Wirkstoff der reinen Gestagenpillen.

Zu diesen gehört beispielsweise Cerazette. Die östrogenfreie Minipille sorgt für eine veränderte Konsistenz des Zervikalschleims und unterdrückt gleichzeitig den Eisprung, wodurch die Empfängnis gehemmt wird.

Die verschiedenen Anwendungsgebiete des Gestagens

Das Desogestrel befindet sich in oralen Verhütungsmitteln, die als Antibabypille dienen. Zudem findet die Substanz in der Notfallverhütung als Pille danach Anwendung. In Verbindung mit Östrogen existiert der Wirkstoff in Kombinationspräparaten.

Folgende Antibabypillen mit dem Wirkstoff Desogestrel sind verfügbar:

euroClinix Pille Abbildung entspricht Dosierung Weitere Informationen
Desmin 20 Mercilon Lamuna 20
Mercilon
Ethinylestradiol 0.02mg & Desogestrel 0.15mg Mehr zu Desmin 20
Marvelon Marvelon Lamuna 30
Desmin 30
Ethinylestradiol 1.5mg & Desogestrel 0.03mg Mehr zu Marvelon
Cerazette Cerazette Feanolla
Jubrele
Yvette
Desogestrel 75mcg Mehr zu Cerazette

Desogestrel findet sich außerdem als Gestagenkomponente in einphasigen Kombinationspräparaten. Transsexuelle Männer nehmen Präparate mit Desogestrel ein, um ihre monatliche Blutung zu unterdrücken, sofern diese nicht durch die Testosteronbehandlung verschwindet.

Anwendunghinweise

Patientinnen, die Desogestrel zur Empfängnisverhütung verwenden, nehmen die Filmtabletten kontinuierlich ohne eine Einnahmepause ein. Die Einnahme erfolgt alle 24 Stunden im gleichen Zeitraum. Wird die Einnahme versäumt, kann das Präparat Dank seiner langen Halbwertzeit innerhalb von zwölf Stunden nachträglich eingenommen werden.

Wie wirkt Desogestrel?

Desogestrel wird als Prodrug erst zum aktiven Wirkstoff, nachdem eine Verstoffwechselung (Metabolisierung) stattgefunden hat.

Der empfängnisverhütende Effekt tritt durch zwei grundlegende Wirkungsweisen der Substanz ein:

Indem er den Zervixschleim verdickt, erschwert der Wirkstoff das Eindringen der Samenzellen in die Gebärmutter. Zusätzlich verändert sich die Gebärmutterschleimhaut, wodurch für eine befruchtete Eizelle keine Möglichkeit besteht, daran zu haften.

Im Gegensatz zu anderen Gestagenen unterdrückt Desogestrel auch die Entwicklung der Eizellen und senkt so die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs.

Die Schritte zur Empfängnisverhütung:

  • die Entwicklung der Eizellen wird gehemmt
  • der Eisprung gestoppt
  • Das Gebärmutterhalssekret verdickt sich
  • die Substanz versperrt männlichen Samenzellen den Weg in die Gebärmutter
  • eine Schwangerschaft wird verhindert

Durch die Kombination dieser Wirkmechanismen gilt der schwangerschaftsverhütende Effekt aus medizinischer Sicht als sicher. Ärzte vergleichen ihn mit dem der Östrogen-Gestagen-Kombination. Die Patientinnen erhalten die Präparate mit dem Wirkstoff Desogestrel zur oralen Einnahme in Tablettenform.

Welche Nebenwirkungen treten bei der Einnahme auf?

Die Einnahme von Desogestrel kann unter Umständen Nebenwirkungen hervorrufen.

Häufige Nebenwirkungen
  • Schmierblutungen, Zwischenblutungen oder ein unregelmäßiger Zyklus
  • Wassereinlagerungen im Gewebe
  • Kopfschmerzen
  • Gewichtszunahme oder -abnahme
  • Magenbeschwerden
  • Akne

Gelegentliche Nebenwirkungen
  • Aussetzen der Monatsblutung
  • Schmerz-/ Spannungsgefühl in der Brust
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Haarausfall
  • Müdigkeit
  • erhöhtes Infektions- und Entzündungsrisiko im Intimbereich
  • Schmerzen vor oder während der Monatsblutung
  • Nervosität, erhöhte Reizbarkeit

Seltene Nebenwirkungen
  • Thrombosen
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Veränderungen des Geschmacks- und Geruchssinns
  • Zunahme der Körperbehaarung
  • Zysten an den Eierstöcken (Ovarialzysten)
  • Fleckenbildung im Gesicht (Chloasma)

Besondere Warnhinweise bei der Einnahme von Desogestrel

Durch den Wirkstoff wird das Risiko einer Graviditas tubarica, der Eileiterschwangerschaft, leicht erhöht. Diese erfolgt außerhalb der Gebärmutter, im Eileiter und geht meist mit Schmerzen im Unterleibsbereich und Aussetzen der Monatsblutung einher, weshalb bei diesen Symptomen ein Arzt zu Rate gezogen werden sollte.

Patientinnen mit Anzeichen von Venenerkrankungen aufgrund einer Blutgerinnselbildung sollten die Einnahme von Präparaten mit Desogestrel unbedingt unterbrechen, da hier ein dringendes Thromboserisiko besteht.

Zu einem Abbruch der Einnahme wird außerdem geraten, bei:

  • ungewohnt starken Kopfschmerzen
  • akuten Sehstörungen
  • schweren Depressionen
  • einer Störung der Leberfunktion

Wechselwirkungen

Bei den folgenden Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen mit Desogestrel kommen:

  • Antiepileptika (Carbamazepin, Primidon oder Lamotrigin)
  • Barbiturate
  • Antibiotika (Ampicillin, Tetracycline oder Rifabutin)
  • Griseofulvin (gegen Pilzinfektionen)
  • Acitretin (bei Schuppenflechten)
  • Johanniskraut
  • Ritonavir

Durch die Einnahme dieser Präparate wird der Abbau von Desogestrel beschleunigt und die Wirkung daher abgeschwächt. Nehmen die Patientinnen medizinische Kohle ein, beeinträchtigt diese die Aufnahme des Gestagens im Körper.

Desogestrel wiederum beeinflusst die Wirksamkeit oraler Antidiabetika und Insulins. Aus diesem Grund sollten Frauen, die an der Zuckerkrankheit Diabetes Mellitus leiden, zu Behandlungsbeginn auf eine regelmäßige Kontrolle ihrer Blutzuckerwerte achten.

Gegenanzeigen

Auf die Verwendung des Wirkstoffes sollte verzichtet werden, wenn die Patientin auf diesen überempfindlich reagieret oder Anlass zur Befürchtung einer allergischen Reaktionen besteht.

Bei einer schweren Funktionsstörung der Leber raten Ärzte ebenfalls von der Einnahme ab. Zu diesen Störungen zählen beispielsweise Gelbsucht oder eine Leberentzündung. Eine vorherige Krebserkrankung am Organ schließt die Einnahme des Gestagens aus.Gleichzeitig kann Desogestrel nicht eingenommen werden, wenn Sexualhormone das Tumorwachstum anregen.

Blutungen aus der Scheide bedingen ebenfalls den Verzicht auf die Verwendung Desogestrels zur Schwangerschaftsverhütung. Auch eine Fehlbildung des Mutterkuchens während einer vorangegangenen Schwangerschaft besteht als Gegenanzeige.

In verschiedenen Fällen sollte die Einnahme von Desogestrel erst nach einer sorgfältigen Untersuchung durch einen Arzt erfolgen. Dies betrifft beispielsweise Frauen, die nur einen funktionsfähigen Eileiter besitzen. Ab dem 30. Lebensjahr sollte bei Erstanwendung eines Präparates zur hormonellen Empfängnisverhütung unbedingt eine umfangreiche Beratung durch den behandelnden Gynäkologen in Anspruch genommen werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Nehmen schwangere Frauen Mittel mit dem Wirkstoff Desogestrel ein, drohen Entwicklungsstörungen des Embryos. Daher sollten Frauen unbedingt auf jegliche hormonelle Empfängnisverhütung während der Schwangerschaft verzichten.

In der Stillzeit kann Desogestrel bedenkenlos zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt werden.

Quellen:

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