Levonorgestrel zur Empfängnis- und Notfallverhütung

Levonorgestrel ist einer der am häufigsten verwendeten Wirkstoffe im Bereich der hormonellen Empfängnisverhütung. Es handelt sich gleichzeitig um das deutschlandweit und auch weltweit am häufigsten verordnete Gestagen, da es gut verträglich ist und ihm eine positive Wirkung auch bei hormonellen Problemen (z.B. Akne) nachgesagt wird. In Form der Antibabypille tritt das Gestagen Levonorgestrel oftmals gemeinsam mit einem Östrogen auf, es gibt jedoch auch Präparate, die rein aus Levonorgestrel bestehen.

Was ist Levonorgestrel?

Die so genannten Gestagene werden auch Gelbkörperhormone genannt. Sie zählen zu den weiblichen, wichtigen Geschlechtshormonen. In natürlicher Form kommen sie als Progesteron vor, welches im Gelbkörper gebildet wird. Künstliche Gestagene wie Levonorgestrel werden zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt, in vielen Fällen gemeinsam mit einem künstlichen Östrogen, da dieses oftmals erst die Wirkung der Gestagene auslöst.

Strukurformel von Levonorgestrel

Levonorgestrel wurde auf chemische Weise hergestellt und gilt als synthetisches Gestagen. Seine Wirkung wird in verschiedenen Bereichen der hormonellen Behandlung geschätzt, da sie ähnlich des Schwangerschaftshormons Progesteron auftritt. Levonorgestrel sorgt dafür, dass verschiedene Faktoren im Körper der Frau eine Schwangerschaft von vorneherein verhindern. Seine Wirkung ist besonders stark, wobei jedoch gleichzeitig mögliche Nebenwirkungen zurücktreten und Levonorgestrel als gut verträgliches Gestagen gilt.

Levonorgestrel ist in verschiedenen Varianten erhältlich und erzielt auch in der Notfallverhütung gute Erfolge, so dass es aus dem Bereich der Schwangerschaftsverhütung nicht mehr wegzudenken ist.

Darreichungsformen von Levonorgestrel

Levonorgestrel ist als Pille zur oralen Einnahme sowie als Hormonspirale im Handel erhältlich. Bei der Anwendung als Spirale sollte darauf geachtet werden, dass keine Entzündungen im vaginalen Bereich oder im Bereich des Gebärmutterhalses vorliegen.

Anwendungsgebiete von Levonorgestrel

Empfängnisverhütende Pillen und auch Hormonspiralen können Levonorgestrel enthalten. Auch in der bekannten Notfallpille PiDaN (Levonelle) wird es als Wirkstoff eingesetzt, da es eine hohe Zuverlässigkeit aufweist. Seine Sicherheit ist aber nur einer der Faktoren, wieso viele Hersteller der hormonellen Präparate auf Levonorgestrel zurück greifen: Es zählt weiterhin zu den Gestagenen, die das geringste Risiko für eine Thrombose aufweisen.

Levonorgestrel in kombinierten Präparaten

Als klassische Antibabypille zum Einnehmen wird Levonorgestrel für die Empfängnisverhütung verwendet. Erste Pillen enthielten große Mengen Östrogen, doch nach und nach wurde der Fokus auf Kombinationspräparate mit weniger Östrogenen gelegt.

Viele dieser Kombipillen enthalten Levonorgestrel als Gestagen, hauptsächlich aufgrund der allgemeinen, guten Verträglichkeit und das geringe Risiko von Nebenwirkungen, welche die Anwenderin stark beeinträchtigen.

Levonorgestrel als Hauptwirkstoff in Minipillen

Die so genannte Minipille verzichtet völlig auf den Östrogenanteil und kommt allein mit Levonorgestrel aus. Dafür ist ihr Einnahme-Zeitfenster weniger großzügig als bei Kombinationspillen; sie muss akribisch zur selben Uhrzeit eingenommen werden, um einen sicheren Schutz zu bieten. Viele Frauen greifen zu rein levonorgestrel-haltigen Pillen, wenn sie östrogenhaltige Präparate nicht vertragen.

Levonorgestrel zur Notfallverhütung

Als so genannte "Pille danach" ist der Wirkstoff Levonorgestrel schon seit einigen Jahren zugelassen. Diese Pille verhindert in Notfallsituationen (beispielsweise nach einer Verhütungspanne mit einer Barrieremethode) den Eisprung, wenn sie rechtzeitig eingenommen wird.

Wenn der Eisprung und eine Befruchtung bereits stattgefunden haben, kann Levonorgestrel keinen Schwangerschaftsabbruch auslösen und ist daher nicht mit Präparaten für einen medikamentösen Abbruch einer schon bestehenden Schwangerschaft zu verwechseln.

Levonorgestrel bei Akne und hormonellen Schwankungen

Besonders im Bereich der Aknebehandlung konnten mit Levonorgestrel oft gute Erfolge erzielt werden. Daher wird es auch beispielsweise bei einem Überschuss an Testosteron zum Ausgleich verordnet. Durch Levonorgestrel steigt die Anzahl von SHBG (Sexualhormonbindendes Globulin), was wiederum eine Abnahme der Testosteronmenge zur Folge hat und für nachweislich bessere Haut sorgt, da diese oftmals durch einen Testosteron-Überschuss verursacht wird.

Die Wirkungsweise von Levonorgestrel

Durch drei Faktoren wird eine Schwangerschaft von Levonorgestrel verhindert. Erstens sorgt das Präparat bei zuverlässiger Einnahme dafür, dass kein Eisprung stattfinden kann. Zusätzlich wird die Gebärmutterschleimhaut daran gehindert, zu wachsen (Endometrium). Als dritter Faktor wird der Schleim des Gebärmutterhalses dahingehend verändert, dass ein Eindringen der Spermien praktisch unmöglich gemacht wird. Der Schleim wird zähflüssiger und dichter.

Wirkungsweise von Levonorgesstrel

Die Wirkung in drei Schritten:

  • Levonorgestrel sorgt dafür, dass der Eisprung verhindert wird
  • Levonorgestrel verdickt den Gebärmutterhalsschleim
  • Levonorgestrel sorgt für ein vermindertes Wachstum der Gebärmutterschleimhaut

Nebenwirkungen von Levonorgestrel

Die Nebenwirkungen von Levonorgestrel treten je nach Einsatzgebiet unterschiedlich stark auf. Bei der regelmäßigen Einnahme in Form der hormonellen Empfängnisverhütung ist das Risiko für Nebenwirkungen geringer als bei der Einnahme der "Pille danach", welche eine erhöhte Menge von Levonorgestrel enthält.

Häufige Nebenwirkungen:
Schmier- oder Zwischenblutungen Kopfschmerzen und Schwindel
Brustspannen Übelkeit
Hautveränderungen unregelmäßiger Zyklus
verringerte Libido depressive Verstimmungen

Seltene Nebenwirkungen:
Hautveränderung durch Fleckenbildung Probleme beim Tragen von Kontaktlinsen
Wassereinlagerungen Gewichtszunahme
veränderter Appetit Zunahme der Körperbehaarung

Wird Levonorgestrel zur Notfallsverhütung eingenommen, können Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Gesichtsschwellung, Juckreiz, Unterbauchschmerzen und Durchfall auftreten.

Entzündungen und Infektionen von Gebärmutter oder Eierstöcken, Rückenschmerzen und die Bildung gutartiger Eierstockzysten können mögliche Begleiterscheinungen der Hormonspirale sein.

Thrombose-Risiko bei Levonorgestrel

Wie bei allen Antibabypillen steigt auch bei Präparaten mit Levonorgestrel das Risiko für eine Venenthrombose. Allerdings zählt dieser Wirkstoff zu den besser verträglichen Inhaltsstoffen, die auch ein vermindertes Risiko für die Thrombose haben.

Wechselwirkungen und Gegenanzeigen

Durch Antibiotika, Antiepileptika und Barbiturate kann die Wirkung von Levonorgestrel beeinträchtigt werden. Auch durch Wirkstoffe, die zur Behandlung von Pilzinfektionen oder zur Bekämpfung von Schuppenflechte verwendet werden, lässt die Wirkung des Gestagens mitunter nach. Bekannt ist ebenfalls die Wechselwirkung von virenhemmenden Mitteln (Ritonavir und Nevirapin). Die gleichzeitige Einnahme von Johanniskraut-Präparaten schwächt die Wirkung von Levonorgestrel ab.

Folgende Medikamente werden von Levonorgestrel beeinflusst:

  • orale Antidiabetika
  • Insulin

Wenn Patientinnen diese Medikamente einnehmen, muss eventuell eine Anpassung der bisher eingenommenen Dosis vorgenommen werden, wenn Levonorgestrel eingesetzt wird.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen) von Levonorgestrel

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Levonorgestrel darf es selbstverständlich nicht verordnet werden. Ähnliches gilt für Patientinnen, die an Venenverstopfungen, Erkrankungen der Arterien, Gefäßveränderungen oder Lebererkrankungen leiden. Patientinnen, die an Krebserkrankungen leiden oder Blutungen haben, deren Ursache noch nicht abgeklärt wurde, sollten ebenfalls nicht zu Levonorgestrel greifen.

Wenn Patientinnen an Diabetes oder Bluthochdruck sowie an der Bildung von Gesichtsflecken durch Schwangerschaft leiden, sollten sie Nutzen und Risiken von Levonorgestrel sorgfältig mit ihrem Arzt abwägen. Das gleiche gilt für Patientinnen, die nur einen funktionsfähigen Eileiter haben oder deren Risiko für eine Eileiterschwangerschaft nachweislich erhöht ist.


Quellen:

  1. Welche Pillen gibt es?. Techniker Krankenkasse. URL: tk.de
  2. Notfallverhütung: Die Pille danach. Wort & Bild Verlag. URL: apotheken-umschau.de
  3. Auf das Verhältnis kommte es an. Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH. URL: pharmazeutische-zeitung.de
  4. Wirkungsmechanismus der Pille danach. pro familia Deutsche Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V. Bundesverband. URL: profamilia.de
  5. Was ist Levonorgestrel? Dr. Kade / Besins Pharma GmbH. URL: schoen-sicher.de

Veröffentlicht am: 09.08.2016
So funktioniert unser Service
Wählen Sie
ein Medikament
Füllen Sie den
medizinischen Fragebogen aus
Rezeptausstellung
Lieferung am
nächsten Tag
Kostenfreier Versand