Levonorgestrel zur Empfängnis- und Notfallverhütung

Das in vielen Antibabypillen enthaltene Gestagen Levonorgestrel ist einer der am häufigsten verwendeten Wirkstoffe im Bereich der hormonellen Empfängnisverhütung. Es sowohl in Deutschland als auch weltweit das am häufigsten verordnete Gestagen, da es generell gut verträglich ist und bei den meisten Frauen auch Probleme wie beispielsweise hormonell bedingte (z.B. Akne) erfolgreich behandeln kann. Bei oralen Kontrazeptiva wird Levonorgestrel zumeist mit einem Östrogen in Kombinationspräparaten verwendet. Es sind jedoch auch Medikamente verfügbar, die nur Levonorgestrel als aktiven Wirkstoff aufweisen.

Was ist Levonorgestrel?

Levonorgestrel gehört zu den Gestagenen, welche auch als Gelbkörperhormone bezeichnet werden. Dabei handelt es sich um weibliche Geschlechtshormone. In natürlicher Form kommen diese als Progesteron vor, welches im Gelbkörper gebildet wird. Synthetische Gestagene wie Levonorgestrel werden zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt, zumeist gemeinsam mit einem künstlichen Östrogen wie beispielsweise Ethinylestradiol.

Strukurformel von Levonorgestrel

Levonorgestrel ist ein Gestagen der 2. Generation und wurde bereits 1966 erstmals auf den Markt gebracht. Die Darreichung des Wirkstoffs im Bereich der Schwangerschaftsverhütung kann verschiedene Formen annehmen. Er wird regelmäßig verwendet als:

  • Antibabypille (zusammen mit einem synthetischen Östrogen)
  • Hormonimplantat
  • Hormonspirale (Intrauterinpessar)
  • Minipille (östrogenfrei)
  • Pille danach

Darüber hinaus wird Levonorgestrel auch in der Hormonersatztherapie zur Behandlung von Beschwerden in den Wechseljahren verwendet.

Anwendungsgebiete von Levonorgestrel

Empfängnisverhütende Pillen und Hormonspiralen können Levonorgestrel enthalten. Auch in der bekannten "Pille danach" PiDaNa (Levonelle) wird es als Wirkstoff eingesetzt, da es eine hohe Zuverlässigkeit aufweist. Die hohe Effektivität von Levonorgestrel ist einer der Gründe, warum viele Hersteller von hormonellen Präparate bevorzugt darauf zurückgreifen. Daneben zählt zu den Gestagenen mit dem geringsten Risiko für Thrombosen als unerwünschte Nebenwirkung.

Levonorgestrel in kombinierten Präparaten

Als klassische Antibabypille zum Einnehmen wird Levonorgestrel für die Empfängnisverhütung verwendet. Pillen der 1. Generation enthielten noch sehr große Mengen Östrogen, welche jedoch allmählich reduziert wurden bis schließlich Kombinationspräparate der 2. Generation mit Levonorgestrel und weitaus weniger Östrogen auf den Markt kamen.

Levonorgestrel in Minipillen

Die so genannte Minipille verzichtet völlig auf Östrogen und kommt allein mit einem Gestagen aus, zum Beispiel Levonorgestrel. Das Zeitfenster für die Einnahme ist bei Minipillen jedoch weniger großzügig als bei Kombinationspräparaten. Sie müssen jeden Tag zur selben Uhrzeit eingenommen werden, um einen sicheren Schutz zu bieten. Frauen, die eine Gabe von Östrogen nicht vertragen, weichen meist auf die Minipille aus.

Antibabypillen zur hormonellen Empfängnisverhütung mit Levonorgestrel:

euroClinix Pille Abbildung entspricht Dosierung Weitere Informationen
Microgynon Microgynon Evaluna 30
Femigoa
Ethinylestradiol 30mcg & Lenovorgestrel 150mcg Mehr zu Microgynon
Ovranette Ovranette Asumat
Femigyne
Swingo
Ethinylestradiol 150mcg & Levonorgestrel 30mcg Mehr zu Ovranette
Logynon Logynon Nova Step
Trigoa
Ethinylestradiol & Levonorgestrel 0.050mg/30mcg, 0.075mg/40mcg, 0.125mg/30mcg Mehr zu Logynon (Nova Step)

Levonorgestrel zur Notfallverhütung

Für die "Pille danach" ist Levonorgestrel als aktiver Wirkstoff bereits seit den 1970er Jahren zugelassen. Ursprünglich wurde es wie bei der regulären Antibabypille nur in Kombination mit dem synthetischen Östrogen Ethinylestradiol verwendet. Spätere klinische Studien konnten jedoch belegen, dass Levonorgestrel allein besser verträglich und sogar wirksamer ist als in Kombination. Kurz nach der Jahrhundertwende kamen daher die ersten Präparate mit Levonorgestrel als einzigem Wirkstoff auf den Markt.

Die Pille danach wird zur Notfallverhütung bis zu 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen und verhindert den Eisprung. Hat der Eisprung bereits stattgefunden, kann Levonorgestrel keine Wirkung mehr erzielen. Die Pille danach ist daher nicht mit Präparaten für einen medikamentösen Abbruch einer schon bestehenden Schwangerschaft zu verwechseln. Aufgrund der hohen Risiken für Nebenwirkungen darf die Pille danach nur in Notfällen verwendet werden.

Levonorgestrel bei Akne und hormonellen Schwankungen

Hormonell bedingte Akne kann Levonorgestrel oftmals erfolgreich behandelt werden. Der Wirkstoff wird beispielsweise bei einem Überschuss an Testosteron zum Ausgleich verordnet. Durch die Anwendung von Levonorgestrel steigt die Menge des sexualhormonbindenden Globulin im Körper, was eine Reduzierung des Testosterons bewirkt. Diese hormonelle Anpassung kann nachweislich das Hautbild verbessern, sofern die Probleme durch einen Testosteron-Überschuss ausgelöst wurden.

Die Wirkungsweise von Levonorgestrel

Zur Kontrazeption bewirkt die regelmäßige Abgabe von Levonorgestrel im weiblichen Körper die Hemmung von Gonadotropinen. Diese Sexualhormone sind für die Prozesse des Eisprungs und der Gelbkörperbildung zuständig. Wird ihre Ausschüttung gehemmt, verhindert dies den Eisprung und die Verdickung der Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung eines befruchteten Eis. Zusätzlich verdickt Levonorgestrel den Zervixschleim des Gebärmutterhalses, wodurch der Durchlass für Spermien erschwert wird.

Wirkungsweise von Levonorgesstrel

Die Wirkung in drei Schritten:

  • Levonorgestrel verhindert den Eisprung
  • Levonorgestrel verdickt den Zervixschleim des Gebärmutterhalses
  • Levonorgestrel unterbindet die Verdickung der Gebärmutterschleimhaut

Nebenwirkungen von Levonorgestrel

Die Nebenwirkungen von Levonorgestrel treten je nach Einsatzgebiet unterschiedlich stark auf. Bei der regelmäßigen Einnahme in Form der hormonellen Empfängnisverhütung ist das Risiko für Nebenwirkungen geringer als bei der Einnahme der "Pille danach", welche eine erhöhte Menge von Levonorgestrel enthält.

Häufige Nebenwirkungen:
Schmier- oder Zwischenblutungen Kopfschmerzen und Schwindel
Brustspannen Übelkeit
Hautveränderungen unregelmäßiger Zyklus
verringerte Libido depressive Verstimmungen

Seltene Nebenwirkungen:
Hautveränderung durch Fleckenbildung Probleme beim Tragen von Kontaktlinsen
Wassereinlagerungen Gewichtszunahme
veränderter Appetit Zunahme der Körperbehaarung

Wird Levonorgestrel als Pille danach eingenommen, können Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Gesichtsschwellung, Juckreiz, Unterbauchschmerzen und Durchfall auftreten.

Entzündungen und Infektionen von Gebärmutter oder Eierstöcken, Rückenschmerzen und die Bildung gutartiger Eierstockzysten können mögliche Begleiterscheinungen bei der Verwendung als Hormonspirale sein.

Thrombose-Risiko bei Levonorgestrel

Wie bei allen Antibabypillen steigt auch bei der Verwendung von Präparaten mit Levonorgestrel das Risiko für eine Venenthrombose. Der Wirkstoff gilt jedoch als besser verträglich und weist ein vergleichsweise geringeres Risiko für Thrombose auf.

Wechselwirkungen und Gegenanzeigen

Durch Antibiotika, Antiepileptika und Barbiturate kann die Wirkung von Levonorgestrel beeinträchtigt werden. Auch durch Wirkstoffe, die zur Behandlung von Pilzinfektionen oder zur Bekämpfung von Schuppenflechte verwendet werden, lässt die Wirkung des Gestagens mitunter nach. Bekannt ist ebenfalls die Wechselwirkung von virenhemmenden Mitteln (Ritonavir und Nevirapin). Die gleichzeitige Einnahme von Johanniskraut-Präparaten schwächt die Wirkung von ebenfalls Levonorgestrel ab.

Eine gleichzeitige Einnahme von Antibiotika und Levonorgestrel sollte vorab mit dem Arzt besprochen werden, da je nach Typ des Antibiotikums eine Schwächung der schwangerschaftsverhütenden Wirkung vorkommen kann.

Auch Diabetiker sollten bei der regelmäßigen Anwendung von Insulin die Einnahme von Levonorgestrel mit ihren Arzt abklären, da unter Umständen eine Anpassung der Dosis vorgenommen werden muss.

Gegenanzeigen (Kontraindikationen) von Levonorgestrel

Bestimmte Vorerkrankungen und gesundheitliche Einschränkungen machen die Behandlung mit Levonorgestrel zu risikoreich, weshalb in diesen Fällen generell von Einnahme abgeraten wird. Dazu gehören die folgenden Umstände:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Levonorgestrel
  • Venenverstopfungen, Erkrankungen der Arterien und Gefäßveränderungen
  • Lebererkrankungen
  • Krebserkrankungen
  • Blutungen mit ungeklärter Ursache

Wenn Patientinnen an Diabetes oder Bluthochdruck sowie an der Bildung von Gesichtsflecken durch Schwangerschaft leiden, sollten sie Nutzen und Risiken von Levonorgestrel sorgfältig mit ihrem Arzt abwägen. Das gleiche gilt für Patientinnen, die nur einen funktionsfähigen Eileiter haben oder deren Risiko für eine Eileiterschwangerschaft nachweislich erhöht ist.

Quellen:

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