Adipositas-Chirurgie

Als die letzte Option, wenn weder Diäten noch Kuren oder Medikamente einen Erfolg für die Gewichtsabnahme erreichten, gilt die Adipositas-Chirurgie, die auch als bariatrische Chirurgie (vom griechischen "baros", was "Schwere, Last" bedeutet) bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um ein Gebiet der Chirurgie, deren Verfahren darauf abzielen, die Gewichtsabnahme zu erleichtern. Es ist nicht Ziel der bariatrischen Chirurgie, die Entstehung von Fettleibigkeit (Adipositas) zu verhindern. Durch die ermöglichte Gewichtsabnahme können die Folgen von Adipositas wie Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaf-Apnoe, erhöhte Blutfette, Gelenkschäden und Krebs eingedämmt werden.

Indizien für einen chirurgischen Eingriff

Obwohl die bariatrische Chirurgie im Durchschnitt sehr gute Ergebnisse erzielt, bleibt sie die letzte Therapiemaßnahme, unter anderem da jeder Eingriff mit einem Risiko verbunden ist. Zudem müssen die Patienten über alle Verfahren gut aufgeklärt sein und Motivation haben, ihr Gewicht auch durch ihren Lebensstil nachhaltig zu senken. Nach einer bariatrischen Operation ist zumeist eine lebenslange Nachsorge angezeigt.

Um für einen Eingriff in Frage zu kommen, muss der BMI entweder größer als 40 sein oder ein BMI über 35 mit bestehenden Folgeerkrankungen (zum Beispiel Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, orthopädische Erkrankungen) vorliegen. Alle Maßnahmen zur Gewichtsreduktion wurden über einen angemessenen Zeitraum (sechs bis zwölf Monate) versucht, wobei die Gewichtsabnahme jedoch immer weniger als zehn Prozent des Ausgangsgewichts betrug. Bei einem BMI über 60 erübrigt sich diese Einschränkung der fehlgeschlagenen Versuche zur Gewichtsreduktion.

Das krankhafte Übergewicht sollte bereits länger als fünf bis zehn Jahre (je nach Schweregrad der Fettleibigkeit) bestehen. Außerdem muss das Risiko des Eingriffs in einem akzeptabel niedrigen Bereich liegen. Meist wird ein Alter von 65 Jahren als Obergrenze gesetzt, die aber eher als Orientierungsmarke gilt. Das Mindestalter liegt in der Regel bei 18 Jahren. Im Einzelfall können Eingriffe bei Patienten außerhalb dieser Altersgrenzen vorgenommen werden. Vor einem Eingriff müssen hormonelle oder psychische Ursachen für die Adipositas sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch ausgeschlossen werden.

Übersicht über bariatrische Operationsverfahren

Die bariatrischen Operationen lassen sich in restriktive Verfahren, bei denen das Magenvolumen verkleinert wird, und malabsorptive Verfahren, durch die weniger Nährstoffe aufgenommen werden können, unterteilen. Zu den restriktiven Verfahren zählt man das verstellbare Magenband, den Magenballon und den Schlauchmagen. Die sogenannte biliopankreatische Diversion mit oder ohne Duodenal-Switch ist ein malabsorptives Verfahren. Ein kombiniertes Verfahren stellt der Magenbypass dar.

Magenband

Das Magenband besteht aus Silikon und einem Ballon mit Zugangsschlauch, mit dem das Band von außen enger oder weiter gestellt werden kann. Dabei wird das Band in einer minimalinvasiven Operation ("Schlüsselloch-Chirurgie") um den oberen Teil des Magens gelegt und so eine Magentasche (Magenpouch/Vormagen) mit einem Volumen von 20 bis 30 ml gebildet. Auf diese Weise soll die Nahrungsaufnahme gebremst werden.

Magenband

Der Vorteil ist, dass es sich um einen kleineren Eingriff handelt und die Strukturen im Bauchraum an ihren Plätzen bleiben. Darüber hinaus ist die Maßnahme voll reversibel. Allerdings profitieren nur Patienten mit Motivation von einem Magenband. Wenn weiterhin eine falsche Ernährung mit vielen zusätzlichen Mahlzeiten und Snacks, stark kalorienhaltigen Getränken und Speisen beibehalten wird, bleibt der erhoffte Gewichtsverlust womöglich aus.

Magenbypass

Obwohl der Name es vermuten lässt, wird bei einem Magenbypass der Magen nicht gänzlich umgangen. Stattdessen wird ein kleiner Vormagen (restriktive Komponente) gebildet, der etwa ein Fassungsvermögen von 15 bis 20 ml hat, und dieser an eine Dünndarmschlinge angenäht. Der restliche Magen und der Zwölffingerdarm verbleiben blind endend im Bauchraum, transportieren aber keine Nahrung mehr.

Magenbypass

Durch die Verkürzung der Dünndarmstrecke werden weniger Nährstoffe aus dem Darm aufgenommen, wodurch allerdings eine lebenslange zusätzliche Einnahme von Vitaminen, Spurenelementen und Eiweiß nötig werden kann. Die Gewichtsabnahme ist durchschnittlich besser als bei einem Magenband, dafür handelt es sich beim Magenbypass jedoch um eine größere Operation, die nicht rückgängig zu machen ist.

Schlauchmagen

Um einen Schlauchmagen zu konstruieren, wird ein großes Stück des Magens komplett entfernt und nur ein zum Schlauch zusammengenähter Teil an der kleinen Magenkrümmung (kleine Kurvatur) bleibt bestehen. Ein Schlauchmagen fasst etwa 100 bis 150 ml.

Schlauchmagenbildung

Bei dem Eingriff werden Bereiche entfernt, die das "Hunger-Hormon" Ghrelin produzieren. Weniger Ghrelin bedeutet weniger Hunger. Allerdings wird in diesem Teil des Magens auch der Intrinsic Factor produziert, den der Mensch unbedingt benötigt, um Vitamin B12 aufnehmen zu können. Entsprechend muss fast immer Vitamin B12 lebenslang substituiert werden.

Biliopankreatische Diversion (BPD) mit oder ohne Duodenal-Switch

Die Biliopankreatische Diversion bezeichnet eine "Aufteilung" im Verdauungstrakt, bei dem über einen "Schenkel" die Nahrung transportiert wird und über den anderen "Schenkel" Galle (bilis) und Bauchspeicheldrüstensäfte (Pankreas bedeutet Bauchspeicheldrüse) fließt. Die beiden Schenkel laufen zu einem gemeinsamen Dünndarmschenkel zusammen, dessen Länge vom Chirurgen an den Patienten angepasst wird.

Der Magen wird hier auf eine Größe von 200 bis 300 ml verkleinert, indem der untere Teil des Magens entfernt wird. Da dies aber die Gefahr des Dumping-Syndroms (siehe Komplikationen) birgt, gibt es die BPD auch mit Duodenal-Switch, wobei der Magen-Pförtner erhalten bleibt und den Speisebrei nur portioniert passieren lässt.

Es handelt sich um eine große Operation, die eher den stark adipösen Patienten vorbehalten ist. Der Gewichtsverlust fällt im Vergleich mit den anderen Verfahren am größten aus. Allerdings ist nicht nur die Operation an sich riskant, sondern ist danach auch bis zum Lebensende eine strenge Nachsorge mit Kontrollen (Eiweiß, Blut, Knochen) unbedingt notwendig. Nebenwirkungen der BPD mit oder ohne Duodenal-Switch sind Durchfälle, Blähbauch und übelriechende Blähungen.

Magenschrittmacher

Kurz vor dem Ausgang aus dem Magen befindet sich das Antrum, an das sich der Magen-Pförtner (Pylorus) als Schließmuskel anschließt. Durch eine elektrische Dauerstimulation über einen Magenschrittmacher im Antrum wird der Magen-Pförtner gehemmt und die Magenentleerung verzögert. Dadurch soll ein schnelleres Eintreten eines Sättigungsgefühls erreicht werden.

Magenballon/Bioenterischer intragastrischer Ballon (BIB)

Der Magenballon besteht aus Silikon und wird endoskopisch in den Magen eingesetzt. Das Verfahren ist sehr ähnlich einer Magenspiegelung. Befindet der Ballon sich im Magen, werden 500 bis 700 ml Kochsalz-Lösung in den Ballon gespritzt, der sich dadurch aufbläht und Platz im Magen beansprucht. Dadurch soll die Nahrungsaufnahme gebremst werden, weil ein Völlegefühl schneller erreicht wird. Der Gewichtsverlust ist dabei stark abhängig von der Mitarbeit des Patienten.

Magenballon

Mögliche Komplikationen bei den operativen Verfahren

Komplikationen sind bei jedem Eingriff möglich. Darum ist zu empfehlen, dass chirurgische Eingriffe in dafür zertifizierten Zentren vorgenommen werden, in denen die Komplikationsrate nachweislich gering ist. Typische Komplikationen sind Wundheilungsstörungen (gerade auch bei Diabetikern), Verwachsungen im Bauchraum, Schmerzen nach der Operation, Blutung und Infektionen. Bei übermäßigem Essen kann sich der verkleinerte Magen wieder vermehrt ausdehnen oder massives Erbrechen auslösen.

Das Dumping ist ein Syndrom, das sich aus der unkontrollierte Passage der Nahrung ergibt. Je nach Zeitdauer zwischen Nahrungsaufnahme und Dumping-Symptom spricht man von Früh- (etwa 20 min nach Nahrungsaufnahme) oder Spät-Dumping. Das Dumping-Syndrom kann Schweregrade von Übelkeit bis zum Schock zeigen. Kleine Mahlzeiten mit komplexen Kohlenhydraten und ausreichend Fett und Eiweiß haben sich als hilfreich erwiesen, um Dumping zu vermeiden. Zusätzlich hilft es, den Magen-Pförtner zu erhalten.

Nachsorge nach bariatrischen Eingriffen

Die Nachsorge findet mit regelmäßigen Terminen statt, deren Abstände mit den Jahren größer werden. Es geht darum, rechtzeitig Mangelzustände und Auffälligkeiten zu entdecken und zu behandeln sowie das Gewicht zu beobachten. Dazu gehören Laborwerte wie Blutbild, Blutsalze, Blutzucker, Blutfette, Vitamin B12 und Folsäure. Außerdem müssen mit fallendem Gewicht eventuell auch die Medikamente wie Antidiabetika, Blutdrucksenker und Fettsenker neu angepasst werden, weil ein leichterer Körper oft weniger Wirkstoff braucht, um dasselbe Resultat zu erreichen.


Quellen:

  1. Wissenswertes über die Adipositas-Chirurgie. Chirurgische Klinik München-Bogenhausen, Fachkliniken München AG. URL: adipositas-zentrum-muenchen.eu
  2. Magenverkleinerung und Magenbypass. Wort & Bild Verlag. URL: apotheken-umschau.de
  3. Long-term outcomes after bariatric surgery: fifteen-year follow-up of adjustable gastric banding and a systematic review of the bariatric surgical literature. Mohammed I. Yasawy et al, J Family Community Med. 2014 Sep-Dec; 21(3): 196–199. URL: ncbi.nlm.nih.gov
  4. The By-Band study: gastric bypass or adjustable gastric band surgery to treat morbid obesity. Chris A Rogers et al, Trials. 2014; 15: 53. Published online 2014 Feb 11. doi: 10.1186/1745-6215-15-53. URL: ncbi.nlm.nih.gov

Aktualisiert am: 18.11.2016
So funktioniert unser Service
Wählen Sie
ein Medikament
Füllen Sie den
medizinischen Fragebogen aus
Überprüfung und Rezeptausstellung
durch den Arzt
Expressversand durch
unsere registrierte Apotheke
Kostenfreier Versand