Potenzmittel Fälschungen

Betrüger verdienen mit gefälschten Arzneimitteln mehr als im Drogenhandel, Zigarettenschmuggel und illegalem Waffenhandel. Zum Vergleich: Ein Kilogramm illegal produziertes Viagra kostet auf dem Schwarzmarkt etwa das Doppelte oder Dreifache derselben Menge Heroin. Im Jahr 2007 war der Umsatz des gefälschten Viagras mit 2 Milliarden Euro sogar höher als der des legalen Medikaments (1,8 Milliarden Euro). Die Gefährdung der Nutzer wird von den Fälschern billigend in Kauf genommen.

Was sind Potenzmittel Fälschungen?

Fälschungen sind illegale Produkte, die in verschiedene Untergruppen eingeteilt werden können. Der Begriff Counterfeit beschreibt eine illegale Kopie, die exakt so aussieht wie das Original, aber entweder keinen Wirkstoff oder die falsche Dosis des Wirkstoffes oder einen völlig anderen Wirkstoff enthält. Als Klone werden Plagiate bezeichnet, die tatsächlich das Original erfolgreich kopieren - es handelt sich bei diesen Produkten aber um Patentrechtsverletzungen.

Zudem werden Arzneimittel, die nicht dem Standard gerecht werden und Qualitätsmängel bei den verarbeiteten Stoffen aufweisen, auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Des Weiteren werden medizinische Wirkstoffe ohne Angabe darüber pflanzlichen oder homöopathischen Mitteln beigemengt, die keiner Zulassungskontrolle unterliegen. Eine falsche Angabe über Wirkstoffzusammensetzungen ist bei jeder Art von Fälschungen möglich.

Sind Potenzmittel Fälschungen gefährlich?

Fälschungen sind potentiell gefährlich, da nicht vorhergesagt werden kann, wie die Fälschung wirkt. Besonders gefährlich wird es, wenn nicht Lifestyle-Medikamente wie Potenzmittel, sondern lebenswichtige Arzneimittel gefälscht werden. Im Jahr 2001 starben 192.000 Patienten allein in China durch die Einnahme gefälschter Medikamente.

Gefälschte Potenzmittel können diverse Krankheiten und sogar den Tod nach sich ziehen. Ursachen dafür sind unbekannte oder nicht geprüfte Wirkstoffe, falsche Wirkstoffe und Verunreinigungen mit Schadstoffen. Insbesondere Schwermetalle und krankheitserregende Keime können in Fälschungen enthalten sein.

Zusätzlich zu den möglichen gesundheitlichen Konsequenzen drohen rechtliche Folgen: Fälschungen zu erwerben, kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe geahndet werden. Schwere Fälle können eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren nach sich ziehen. Außerdem wird bereits der Versuch bestraft und auch bei fahrlässiger Handlung drohen noch bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe (Arzneimittelgesetz AMG, Siebzehnter Abschnitt - Straf- und Bußgeldvorschriften §§ 95 - 98a).

Sind Generika Fälschungen?

Generika sind keine Fälschungen. Es handelt sich dabei um Produkte, die denselben Wirkstoff enthalten wie ein Produkt, das sich bereits auf dem Markt befindet - allerdings werden diese Produkte erst hergestellt, wenn das Patent für den Wirkstoff abgelaufen ist. Bevor Generika zugelassen werden, müssen die Hersteller die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Präparats beweisen können. Generika sind somit legale, preisgünstige Alternativen zu Original Markenmedikamenten.

Eine Sonderstellung nehmen jedoch indische Generika ein. In Indien gilt der Patentschutz nicht und es werden Wirkstoffe noch vor dem Patentablauf und ohne den Forschungsergebnissen der Patenthalter hergestellt. Indische Potenzmittelgenerika wurden nicht von der europäischen Arzneimittel-Agentur zum Verkauf in Europa zugelassen. Außerdem ist die Besorgung medizinischer Präparate für den persönlichen Gebrauch aus einem Land außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums verboten. Falls Unklarheiten bezüglich der Zulassung von bestimmten Generika besteht, können Apotheker oder die europäische Arzneimittel-Agentur Auskunft geben.

Wirken Fälschungen genauso wie die Original-Medikamente?

Die Wirkung einer Fälschung ist nicht abzuschätzen. Da Fälschungen keiner Zulassungskontrolle unterliegen, können sie gesundheitsschädlich, zum Beispiel giftig oder krebsfördernd, sein. Es kann nicht überprüft werden, ob der angegebene aktive Wirkstoff tatsächlich in dem Medikament enthalten ist. Zudem ist dieser, falls enthalten, häufig zu niedrig oder zu hoch dosiert. Bei vielen Fälschungen handelt es sich um völlig wirkungslose Produkte, die vor allem gesundheitsschädigende Substanzen enthalten.

Welche Wirkstoffe enthalten Fälschungen?

Welche Wirkstoffe in Fälschungen enthalten sind und ob überhaupt ein Wirkstoff Teil des Produkts ist, kann nicht vorhergesagt werden. Zuweilen werden die Originalwirkstoffe leicht verändert oder mit anderen Stoffen kombiniert, um eine Verstärkung der Wirkung zu erreichen, wodurch Kosten für die Rohstoffe in der Produktion gespart werden. Es ist auch möglich, dass die Fälschung den originalen Wirkstoff enthält, aber nicht unbedingt in der angemessenen und angegebenen Dosis.

Wie werden Potenzmittel Fälschungen hergestellt?

Fälschungen werden zwar oftmals in Hinterhofwerkstätten produziert, aber aufgrund der Gewinnmöglichkeiten sind auch professionell organisierte Banden tätig. Die Chemikalien und Grundstoffe werden meistens in China, Indien oder Osteuropa eingekauft, wo sie zu einem besonders günstigen Preis erworben werden können.

Hergestellt werden die Fälschungen dann in Ländern, die das Vergehen kaum verfolgen oder gering ahnden. Wie der Herstellungsprozess dann abläuft, ist sehr variabel. Für die Verpackung der Fälschungen werden unter anderem nachgeahmte Verpackungen des Originals, alte Original-Verpackungen oder auch nur Plastiktüten verwendet. Eine "gute" Fälschung sieht dem Original zum Verwechseln ähnlich. Für den Vertrieb erfinden die Kriminellen mitunter Schein-Firmen unter falscher Adressangabe.

Wie erkennen Patienten gefälschte Potenzmittel?

Zuweilen sind Fälschungen gar nicht so einfach zu erkennen und es bräuchte ein Massenspektrometer, um die Zusammensetzung im Labor zu überprüfen. Allerdings gibt es Merkmale auf der Verpackung oder direkt auf der Tablette des jeweiligen Potenzmittels, an denen festgestellt werden kann, ob es sich um das Original oder eine Fälschung handelt.

Der Preis und die Abgabe des Produkts

Zuallererst sollte der Preis eines Produkts hellhörig werden lassen. Fälschungen werden meistens zehn bis 25 Prozent billiger angeboten als das Original in der Apotheke. Außerdem werden rezeptpflichtige Medikamente entweder als frei verkäuflich angeboten oder ohne Vorlage eines Rezepts ausgehändigt. In manchen Fällen muss statt der Abgabe eines Rezepts nur ein "Gesundheitsbogen" ausgefüllt werden.

Die Verpackung

Ein weiterer großer Hinweis ist die Verpackung: Medikamente, die lose in Plastikbeuteln verpackt sind, sollten besser gleich abgelehnt werden. Gleiches gilt für Packungen, die nicht wie die Originalverpackung aussehen oder bereits geöffnet sind. Darüber hinaus haben Fälschungen häufig entweder kein aufgedrucktes Mindesthaltbarkeitsdatum oder das Datum ist abgelaufen.

Gleiches gilt für falsche EU-Zulassungsnummern sowie abgelaufene, frühere Chargennummern. Stimmt das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Verpackung nicht mit dem auf den Blistern überein, handelt es sich vermutlich ebenfalls um eine Fälschung. Weitere Hinweise auf Fälschungen können farbige Hologramm-Aufkleber, die nicht durch Tiefdruck gestaltet wurden, und vom Original abweichende Schriftzüge sein. Ein Beispiel: Der Levitra-Schriftzug auf den Blistern verändert je nach Lichteinfall die Farbe von rot/lila zu grün/bräunlich und ist außerdem nicht glattflächig verlaufend, sondern passt sich der Form der Stütznäpfe an. Fälschungen weichen davon häufig ab.

In den Vereinigten Staaten von Amerika sind Arzneimittelflaschen üblich. Bei dem Erwerb solcher Flaschen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Flasche noch versiegelt ist. Fehlt eine versiegelnde Silberfolie, handelt es sich möglicherweise um eine Fälschung.

Der Inhalt

Die Gebrauchsinformation ("Beipackzettel") fehlt bei Fälschungen entweder gänzlich oder es handelt sich dabei um einen nachgedruckten, oftmals völlig unleserlichen Zettel. Häufig werden Dosierungen angegeben, die überhaupt nicht auf dem Markt erhältlich sind. Gelegentlich werden widersprüchliche Angaben gemacht: So sollte beispielsweise "Gold Viagra" 3000 mg Wirkstoff pro Tablette einhalten - wobei eine Tablette nur 350 mg wog.

Gerne wird damit geworben, dass bestimmte Produkte nur "natürliche" oder "pflanzliche" Wirkstoffe beinhalten. Auch bei diesen sollte darauf geachtet werden, ob es sich möglicherweise um eine Fälschung handelt, bei der medizinische Wirkstoffe einem pflanzlichen oder homöopathischen Medikament zugesetzt wurden.

Wie kann ich mich vor Fälschungen schützen?

In der Apotheke werden Arzneimittel beim Einscannen mit der Datenbank abgeglichen. Überprüft werden fälschungssichere Kennzeichnungen, zum Beispiel Seriennummern, die auf verschreibungspflichtigen Medikamenten codiert sind. Aufgrund der hohen Sicherheitsstandards in Deutschland liegt die Fälschungsrate bei Arzneimitteln aus inhabergeführten Apotheken nach Angabe des Zentrallabors Deutscher Apotheken bei weniger als einem Prozent.

Werden Medikamente online bestellt, muss vorab überprüft werden, ob die Online-Apotheke seriös ist. Eine seriöse Online-Apotheke kann folgendermaßen erkannt werden:

  • Impressum

    Impressum

    In Deutschland gilt die Impressumspflicht. Das Impressum muss den Namen und die Anschrift des Dienstanbieters, die Adresse, Rechtsform, Registernummer, Kontaktdaten, berufsspezifische Angaben sowie Angaben zu den entsprechenden Aufsichtsbehörden beinhalten. Unseriöse Online-Apotheken verzichten häufig auf ein Impressum oder stellen lediglich ein Formular zur Kontaktaufnahme zur Verfügung.

  • Apothekeninformation

    Apothekeninformation

    Auf den Webseiten von seriösen Online-Apotheken werden die Daten der Versandapotheke sowie des verantwortlichen Apothekers offen gelegt. Die Registriernummern des Apothekers sowie der Apotheke sollten angegeben sein. Zur Überprüfung dieser stellen vertrauenswürdige Gesundheitsanbieter zudem Links der jeweiligen Regulierungsbehörde zur Verfügung.

  • Gütesiegel

    Gütesiegel

    Seit Oktober 2015 müssen Versandapotheken das von der EU-Kommission entwickelte EU-Siegel verwenden. Anhand des Versandhandelslogo können Patienten erkennen, dass es sich bei dem Anbieter um eine in der EU registrierte Apotheke handelt. Zusätzliche Sicherheit bietet die Verlinkung des EU-Siegels mit dem Eintrag des Anbieters bei der zuständigen Regulierungsbehörde.

  • Rezeptausstellung

    Rezeptausstellung

    Bietet eine Apotheke verschreibungspflichtige Potenzmittel online an, muss trotzdem ein Rezept von einem Arzt stattfinden. Seriöse Anbieter bieten Patienten die Möglichkeit einer Online-Konsultation mit einem Arzt an. Hierbei wird ein medizinischer Fragebogen ausgefüllt, der von dem Arzt überprüft wird. Im Anschluss entscheidet der Arzt, ob dem Patienten das Arzneimittel verordnet werden kann. Gewisse Medikamente, wie z.B. Schmerzmittel, bieten seriöse Online-Apotheken nicht an. Von Anbietern, die Potenzmittel rezeptfrei verkaufen, sollte dringend Abstand genommen werden, da nicht garantiert werden kann, dass es sich um Original Medikamente handelt.

  • Impressum
    In Deutschland gilt die Impressumspflicht. Das Impressum muss den Namen und die Anschrift des Dienstanbieters, die Adresse, Rechtsform, Registernummer, Kontaktdaten, berufsspezifische Angaben sowie Angaben zu den entsprechenden Aufsichtsbehörden beinhalten. Unseriöse Online-Apotheken verzichten häufig auf ein Impressum oder stellen lediglich ein Formular zur Kontaktaufnahme zur Verfügung.
  • Apothekeninformation
    Auf den Webseiten von seriösen Online-Apotheken werden die Daten der Versandapotheke sowie des verantwortlichen Apothekers offen gelegt. Die Registriernummern des Apothekers sowie der Apotheke sollten angegeben sein. Zur Überprüfung dieser stellen vertrauenswürdige Gesundheitsanbieter zudem Links der jeweiligen Regulierungsbehörde zur Verfügung.
  • Gütesiegel
    Seit Oktober 2015 müssen Versandapotheken das von der EU-Kommission entwickelte EU-Siegel verwenden. Anhand des Versandhandelslogo können Patienten erkennen, dass es sich bei dem Anbieter um eine in der EU registrierte Apotheke handelt. Zusätzliche Sicherheit bietet die Verlinkung des EU-Siegels mit dem Eintrag des Anbieters bei der zuständigen Regulierungsbehörde.
  • Rezeptausstellung
    Bietet eine Apotheke verschreibungspflichtige Potenzmittel online an, muss trotzdem ein Rezept von einem Arzt stattfinden. Seriöse Anbieter bieten Patienten die Möglichkeit einer Online-Konsultation mit einem Arzt an. Hierbei wird ein medizinischer Fragebogen ausgefüllt, der von dem Arzt überprüft wird. Im Anschluss entscheidet der Arzt, ob dem Patienten das Arzneimittel verordnet werden kann. Gewisse Medikamente, wie z.B. Schmerzmittel, bieten seriöse Online-Apotheken nicht an. Von Anbietern, die Potenzmittel rezeptfrei verkaufen, sollte dringend Abstand genommen werden, da nicht garantiert werden kann, dass es sich um Original Medikamente handelt.

Wo sollte ich keine Medikamente kaufen?

Gänzlich zu vermeiden sind Medikamenten-Käufe in Discos, Fitnesscentern und anderen Etablissements. Der Internethandel ist kritisch zu hinterfragen. Derzeit ist davon auszugehen, dass mindestens jedes zweite Potenzmittel aus dem Internet gefälscht ist. Es werden sogar Aussagen getroffen, dass mehr als 95 Prozent der Arzneimittel aus dem Internet gefälscht seien oder zumindest nicht dem deutschen Standard entsprächen. Niemals sollten verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept online erworben werden - diese Handlung ist grundsätzlich illegal, selbst wenn es sich bei dem erworbenen Produkt nicht um eine Fälschung handelt.

Im Ausland muss vorsichtig mit dem Erwerb von Medikamenten umgegangen werden. Die Fälschungsrate variiert von Land zu Land sehr stark. Insbesondere in Entwicklungsländern, bestimmten Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas, aber auch in ehemaligen Ostblockstaaten werden Fälschungen deutlich häufiger als in Deutschland gehandelt. Die sicherste Maßnahme ist das Zusammenstellen einer Reise-Apotheke in Absprache mit dem Hausarzt, der bei der Auswahl der Arzneimittel beraten und gegebenenfalls die nötigen Rezepte ausstellen kann.


Quellen:

  1. Wirkstoffgehalt Glückssache. Avoxa Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH. URL: pharmazeutische-zeitung.de
  2. Vorsicht Fälschung. Bayer Vital GmbH. URL: gesundheit.bayer.de
  3. Arzneimittelfälschungen: Hohe kriminelle Energie. Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung. URL: aerzteblatt.de
  4. The Global Threat of Counterfeit Drugs: Why Industry and Governments Must Communicate the Dangers Cockburn R, Newton PN et al. (2005) PLoS Med 2(4): e100. doi: 10.1371/journal.pmed.0020100. URL: journals.plos.org
  5. Arzneimittelgesetz AMG, Siebzehnter Abschnitt - Straf- und Bußgeldvorschriften, §§ 95 - 98a. dejure.org Rechtsinformationssysteme GmbH. URL: dejure.org

Aktualisiert am: 20.12.2016

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