Die medikamentöse Behandlung von Akne

Akne ist eine der häufigsten Hautkrankheiten, die meist während der Pubertät auftritt. Im Erwachsenenalter ist etwa jeder 5. betroffen. Leichte Akne kann mit Hilfe von Reinigungsmittel und Pflegeprodukten in den Griff bekommen werden. Zudem stehen Betroffenen zahlreiche rezeptfreie Medikamente zur Verfügung. Bei schwerer Akne hilft jedoch häufig nur eine Behandlung mit Antibiotika oder hormonellen Präparaten.

Auslöser und Diagnose von Akne

Bei leichter Akne, ist es zumeist nicht notwendig einen Arzt aufzusuchen. Zahlreiche Pflegeprodukte zur Selbstbehandlung stehen in Drogerien zur Verfügung. Zudem sind zahlreiche rezeptfreie Präparate, die antibakteriell, entzündungshemmend oder gar verhornungslösend sind, in der Apotheke erhältlich. Erweisen sich diese als wirkungslos, oder leidet der Betroffener an schwerer Akne mit schmerzenden Pusteln, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Akne und der Hormonspiegel stehen in unmittelbaren Zusammenhang. Das männliche Hormon Testosteron begünstigt die Talgproduktion der Talgdrüsen, wodurch die Poren verstopft werden und Entzündungen entstehen können. Neben dem empfängnisverhütenden Effekt nehmen manche Antibabypillen auch Einfluss auf die Haut und die Haare. Gewisse Hormonkombinationen können die Akne vermindern oder gar vollständig behandeln.

Oftmals sind unterschiedliche Bakterienstämme Auslöser von Akne. Ein Abstrich hilft bei der Bestimmung dieser und ist für die weitere Behandlung entscheidend. In diesem Fall kann die Hauterkrankung mit Hilfe von Antibiotika behandelt werden. Antibiotika aus der Reihe der Tetracycline eignen sich besonders, da sie die bakterielle Proteinbiosynthese an den Ribosomen hemmen und somit das Wachstum der Bakterien verlangsamen.

Rezeptfreie Medikamente gegen Akne

Rezeptfreie Präparate zur Behandlung von Akne werden meist in Form von Cremes, Gelen und Lösungen angeboten. Sie werden topisch (äußerlich) angewandt. Manche Substanzen können jedoch auch in Form von Tabletten eingenommen werden. Die meisten Wirkstoffe wirken in erster Linie antibakteriell.

Wirkstoff Verminderung der Talgproduktion Antibakteriell oder antiseptisch Entzündungshemmend Löst Hautverhornung
Saccharomyces cerevisiae X
Aluminiumoxid X
Benzoylperoxid X X X
Natriumbituminosulfonat, hell X X
Natriumbituminosulfonat X X X
Salicylsäure X X X
Salicylsäure und Milchsäure X X X

Saccharomyces cerevisae ist die medizinische Bezeichnung für Hefe. Es handelt sich hierbei um einzellige Lebewesen, die das Wachstum bestimmter Bakterien beeinflussen können. Die Anwendung von Hefe vermindert die Anzahl der Bakterien und verhindert eine Verschlechterung der Aknesymptome.

Aluminiumoxid öffnet Mitesser, hält die Talgdrüsen offen, entfernt überschüssigen Talg und löst Hautverhornungen. Die Substanz eignet sich weiterhin zur Schleifbehandlung von Aknenarben. Aluminiumoxid wird häufig in Kombination mit anderen Wirkstoffen eingesetzt, um Akne schnell und effektiv zu entfernen.

Benzoylperoxid und Natriumbituminosulfonat, hell sind Substanzen, die beide sowohl antibakteriell als auch entzündungshemmend wirken. Benzoylperosid und Natriumbituminosulfat hell wirken antimikrobiell, entzündungshemmend und hornlösend. Es verlangsamt das Zellenwachstum in den Talgdrüsen und den bakteriellen Befall der Haut.

Salicylsäure entfettet die Haut und löst Hornhautzellverbände. Des Weiteren wirkt die Substanz entzündungshemmend und beugt Infektionen vor. Bakterien werden mit Salicylsäure ebenfalls getötet, jedoch ist der Wirkungsmechanismus nicht bekannt. In Kombination mit Milchsäure wird zusätzlich die Erhaltung des Säureschutzmantels der Haut unterstützt.

Natriumbituminosulfonat vermindert die Bildung von Sekret in den Talgdrüsen, hemmt Entzündungen und wirkt antiseptisch (vermindert Keime im Gewebe). Der Wirkstoff wird bei leichter bis mittlerer Akne angewandt und ist am effektivsten in Form von Tabletten. Erst nach einer regelmäßigen Einnahme von ca. 2 Wochen tritt eine erste Verbesserung der Hauterkrankung auf.

Verschreibungspflichtige Medikamente zur Behandlung von Akne

Bei schwerer Akne ist eine Therapie mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln notwendig. Hierfür eignen sich verschiedene Antibiotika, Retinoide oder bei Frauen auch bestimmte Antibabypillen.

Antibiotika wirken gegen Akne-auslösende Bakterien

Bakterien, die dem Stamm der Propionibacterium acnes (P. acnes) angehören, sind Bestandteil der mikrobiellen Flora der Haut. Der Lebensraum des Bakteriums ist der Hauttalg des Haarfollikels. Es baut zur Energiegewinnung Bestandteile des Talgs ab und vermehrt sich dadurch. Durch den Abbau entstehen entzündungsfördernde Stoffe, die die Anhäufung von Leukozyten im Gewebe bewirken. Sterben diese ab entstehen mit Eiter gefüllte Pusteln.

Wirkungsweise von Antibiotika

Mithilfe einer Antibiotika-Therapie sollten die P. acnes Bakterien am Wachstum gehindert werden. Häufig werden Antibiotika aus der Reihe der Tetracycline, wie z.B. Oxytetracyclin oder Minocyclin, gegen Akne eingesetzt. Diese wirken bakteriostatisch (das Wachstum von Bakterien hemmend) und greifen in die Proteinbiosynthese an den Ribosomen der Bakterien ein. Das Wachstum der Bakterien wird dadurch erheblich eingeschränkt.

Antibiotika-Präparate können topisch oder systemisch angewandt werden, wobei eine systemische Anwendung häufiger verordnet wird. Zusätzlich zu einer Antibiotikabehandlung empfiehlt sich die Verwendung spezieller Hautpflegeprodukte. Die Antibiotika dürfen nur kurzzeitig und nicht als Dauerbehandlung eingesetzt werden, da ansonsten die Gefahr einer Antibiotikaresistenz steigt. Bei manchen Patienten tritt die Hauterkrankung nach Absetzen des Antibiotikums wieder auf.

Retinoide hemmen die Talgproduktion

Retinoide sind chemische Substanzen die mit dem Retinol (Vitamin A) verwandt sind. Zur Behandlung von Akne wird hauptsächlich Isotretinoin angewandt. Dieses kann sowohl topisch (lokal) in Form einer Creme als auch systemisch als Tablette oder Kapsel verwendet werden.

Das Akne-auslösende Bakterium P. acnes kann sich nur vermehren, wenn genügend Talg zur Verfügung steht. Isotretinoin hemmt die Produktion von Talg, Keratin und verdünnt die Hornschicht. Dadurch können Hornhautablagerungen, die zu Verstopfungen in den Follikelkanälen führen können, vermindert werden. Der Lebensraum der P. acnes Bakterien werden von Isotretinoin zerstört und eine Ausbreitung wird verhindert.

Retinoide gelten zwar als sehr effektives Akne-Mittel, jedoch können sie schwere Nebenwirkungen auslösen. Die bekannteste Begleiterscheinung ist das Austrocknen der Lippen, Haut und Haare. Vor der Anwendung müssen weibliche Patienten einen Schwangerschaftstest machen, um eine Schwangerschaft auszuschließen, da das Medikament zu schweren Fehlbildungen oder gar Missgeburten führen kann. Während der Anwendung darf zudem kein Blut gespendet werden, da dieses Auswirkungen auf eine mögliche Schwangerschaft der Spendenempfängerin haben kann. Retinoide dürfen ausschließlich unter strenger ärztlichen Aufsicht und Kontrolle angewendet werden.

Die Antibabypille wirkt androgen

Bei weiblichen Akne-Patienten kann die Hauterkrankung mit einer hormonellen antiandrogenen Therapie behandelt werden. Am wirkungsvollsten erweist sich hierbei die kombinierte Antibabypille Diane 35 (Dianette). Diese enthält neben dem synthetischen Östrogen Ethinylestradiol das Progesteron-Derivat Cyproteron.

Cyproteronacetat hat sowohl gestagene als auch antiandrogene Eigenschaften. Der Wirkstoff blockiert die Bindung von Androgengen an die entsprechenden Rezeptoren und hemmt ein Enzym, das in den Talgdrüsen vorkommt. Die Substanz ist in der Lage die Sebumproduktion um 12,5-65% zu reduzieren. Als Sebum oder Talg werden die Lipide bezeichnet, die von der Talgdrüse produziert werden. Die Anwendung von Diane 35 zur Akne-Therapie wird erst empfohlen, wenn andere Behandlungsmethoden versagt haben.

Neben Cyproteronacetat wirken auch die Gestagene Dienogest und Chlormadionacetat androgen. Diese Substanzen hemmen die Produktion von DHT (Dihydrotestosteron). DHT ist ein Testosteronabbauprodukt, das die Talgdrüsen stimuliert und die Bildung von Hornzellen anregt. Überschüssige Hornzellen verstopfen die Poren und verhindern das Abfließen von Talg, wodurch Pickel und Mitesser entstehen.


Quellen:

  1. Bei Akne sind Retinoide die erste Wahl. Springer Medizin Verlag GmbH. URL: aerztezeitung.de
  2. Moderne Aknetherapie Städtisches Klinikum Dessau. URL: klinikum-dessau.de
  3. Diagnostik und Therapie der pulmonalen Hypertonie. Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. URL: leitlinien.dgk.org
  4. Pickeln, Pappeln, Pusteln. Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH. URL: pharmazeutische-zeitung.de

Veröffentlicht am: 20.10.2016
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